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Full Text : Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft in Wien, N.F. 17=27.1897

— [36] —

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Vergleichung von 32 Armenierschädeln mit Tirolerschädeln,
 Die Tiroler stammen nach Dr, TAPPEINER von
den Rätern, welche er, gestützt auf VırcnHow’s und
seine eigenen Untersuchungen von Albanesenschädeln, zu
den vorwiegend brachycephalen Illyriern rechnet, Die
diluviale europäische Rasse ist ihm die wirkliche
arische Rasse, welche sich schon vor der Diluvialzeit,
also in der jungtertiären Zeit, zu den noch heute massgebenden
 drei kraniologischen Typen ausgestaltet haben
muss, Dürfen wir uns auch nicht verhehlen, dass zur
exacten Vertretung dieser Ansichten das derzeit verfügbare
 Material unzureichend scheint, so freuen wir
uns doch über die ungeschwächte, fast jugendliche
Kraft, . mit welcher Herr TAPPEINER für den Ausbau
seiner Richtung bei jeder Gelegenheit eintritt.
Es obliegt mir noch, über eine andere für die
somatologische Durchforschung der Tiroler überaus
bedeutsame Unternehmung zu berichten. Die Anregung
zu derselben ist auf dem gemeinschaftlichen Congresse
der Deutschen und Wiener anthropologischen Gesell.
schaften in Innsbruck 1894 durch Herrn Hofrathb
C. ToLDT gegeben worden, Die Umsetzung dieser Anregung
 in die That verdankt man den Bemühungen
des Herrn Prof. v, Wızser, Das Ferdinandeum, dessen
Vorstand Herr v. WIEsEr ist, setzte eine „Commission
zur anthropologischen Erforschung Tirols“ ein, deren
leitende Gesichtspunkte sie aus den nachfolgenden
Bemerkungen des Herrn Hofrathes ToLpr entnehmen
wollen. Herr Tonpr schreibt mir:
„Es kommt uns vor Allem darauf an, die individuellen
 Erhebungen nach der regionalen und nationalen
 Herkunft der Personen scharf gesondert zu bearbeiten,
 so dass für die Publication zunächst nur die
Kinder bezirkseinheimischer Eltern und diese wieder
als ortseinheimische und bezirkseinheimische gesondert
zur Darstellung gebracht werden. Ebenso sollen die
Kinder nach der Nationalität (Muttersprache der Eltern’
gesondert behandelt werden. Auf diese Weise glauben
wir den untersuchten Theil der Bevölkerung in seine
Elemente zerlegt darstellen zu können. Eine besondere
Aufmerksamkeit soll der Körpergrösse, namentlich den
letzten Stadien des Körperwachsthums, zugewendel
werden. Zu diesem Zwecke haben wir durch die Militärärzte
 die Körpergrösse der einzelnen Individuen in jedem
Jahre der Präsenzzeit verzeichnen lassen, und zwaı
sowohl bei den Mannschaften der Kaiserjäger-Regimenter
 als bei der Landwehr.“
„Wir glauben, dass die Verhältnisse des Landes ir
vieler Beziehung besonders günstig sind, um verschiedene
 Einflüsse auf die somatischen Eigenschaften
der Bewohner kennen und beurtheilen zu lernen.“
„Unsere Arbeiten sind — nicht ohne mannigfache
Schwierigkeiten — jetzt so weit vorgeschritten, dass
die ausgefüllten Zählblätter aus den Volks- und Mittelschulen
 des Landes, mit Ausnahme einiger weniger (im
Ganzen etwa 130.000), in unseren Händen sind und
die Sichtung und Registrirung derselben bereits begonnen
 hat, Diese, sowie die ganze Bearbeitung hat
die Commission mir übertragen. Herr Sectionschef
v, InamaA unterstützt mich auf das Freundlichste bei

der Anfertigung der Tabellen; in 1—1*/, Jahren hoffe
ich fertig zu sein. Von den Militärärzten werden die ersten
Reihen der Zählblätter im October d. J. einlaufen.“
„Die Statthalterei in Innsbruck, namentlich die
Landesschulinspectoren STANGER und HAUSOTTER, haben
uns ebenso wie die Corpscommandanten in Wien und
Innsbruck jede mögliche Unterstützung gewährt.“
„Die Geldmittel für die ersten Arbeiten (Herstellung
der Zählblätter und Druck der Instructionen in beiden
Landessprachen) sind einerseits durch das Unterrichtsministerium
 und den Tiroler Landesausschuss (je
fi, 350 als einmalige Subvention), andererseits durch
das Ferdinandeum und durch Herrn Dr. TAPPEINER (je
einen Jahresbeitrag.von fl. 100) zur Verfügung gestellt
worden, Für die weitere Bearbeitung hat die mathemabisch-naturwissenschaftliche
 Classe der kaiserlichen Akademie
 der Wissenschaften die Summe von fl, 3000 bewilligt.
 So ist man uns denn von allen Seiten förderlich
 entgegengekommen; auch der grösste Theil der
Geistlichkeit, voran das fürstbischöfliche Consistorium,
die geistlichen Lehrer und Lehrerinnen, haben unseren
Wünschen auf das Beste entsprochen,“
Herr Dr. LuBor NıEeDerLE hat eine Arbeit „O püvodu
Slovanü“ („Ueber die Herkunft der Slaven“), Prag 1896,
veröffentlicht. Sie finden dessen Inhalt in unseren
Literaturberichten durch Dr. MATIırnoxA besprochen,
Auf ethnographischem Gebiete gedenke ich vorerst
 der von unserer Gesellschaft veranlassten Arbeiten,
Herr Dr. KAınnt. setzte seine Studien über die Huzulen
in der Bukowina fort. Herr Lehrer J. R. Bünkzr in
Oedenburg führte Hausforschungen in Obersteiermark
aus. Die Berichte über diese Arbeiten werden in unseren
Mittheilungen veröffentlicht werden,
Nur andeutungsweise kann ich hier der regen
Thätigkeit gedenken, welche der „Verein für Österreichische
 Volkskunde“ in Wien entfaltet, Dieselbe
ı1at bereits zur Eröffnung eines „Museums für Volkssunde“
 geführt, dessen Katalog ein lautes Zeugniss
ıbgibt für die Thatkraft seiner Gründer. Im Uebrigen
veziehe ich mich auf die von denselben Herren geleitete
Zeitschrift, welche gewiss in Ihren Händen ist.
In Böhmen ist vor Allem die Eröffnung des Cechoslavischen
 ethnographischen Museums in
Prag zu verzeichnen. Sie erfolgte am 15. Mai unter
Betheiligung aller Behörden, wissenschaftlichen Corpo-:ationen
 und weiter Kreise der übrigen Bevölkerung.
Zugleich wurde den Besuchern ein in beiden Landessprachen
 abgefasster „Führer“ übergeben, dessen
'iterarische Verweise als erste Einführung in das
Studium des ausgestellten Materiales dienen können.
Zu den Glanzpunkten des Museums gehören vor
Allem die drei Säle mit ihrer Fülle prächtiger Cechoslavischer
 Stickereien und Costümegegenständen (in
Schränken deponirt und an Figurinen zur Demonstration
 der Gebrauchsweise verwendet) und der Saal
für böhmische Keramik, deren Studium bis jetzt bei
uns noch sehr vernachlässigt wurde. Die hiesige
Collection ist wohl schon heute die grösste ihrer Art und
ihr Studium für Jeden, der dieses Gebiet der einheimischen
 Industrie studiren will. unausweichlich nöthig.
            
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