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Full Text : Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft in Wien, N.F. 17=27.1897

= Bf] —

Feuersteingeräthe erwähnt; die Schmucksachen, wie
Fingerringe, Ohrgehänge, Armbänder, Nadeln und Fibeln
(es wird leider nicht erwähnt, welche Formen), sind
aus Bronze; aus Eisen sind vornehmlich kleine Messerchen
vorhanden. Auffallend ist das Fehlen von Waffen aus
Bronze und Eisen, Von anderen besonderen Fundobjecten
 werden erwähnt: Harzscheiben, zwei Glasperlen,
 einige Schalen von Cypraea moneta und drei
Bruchstücke von Bernstein. Ob zwei runenartige Zeichen,
von denen sich eines auf einem Thongefässe, das
andere auf dem Bruchstücke eines Feuersteinmessers
eingeritzt vorfand, als Schriftzeichen zu deuten sind,
muss noch von Fachgelehrten entschieden werden. Jedenfalls
 sind diese Funde von höchstem Interesse und verdienen
 die grösste Beachtung. Da über die Grabungen
genaue Protokolle geführt wurden, so steht zu erwarten,
 dass die geplante Publication die verlässlichsten
Aufschlüsse über diese wichtigen Funde geben wird
Herr Conservator KaArı, RoMsTORFER in Czernowitz berichtet,
 wie folgt, über seine Thätigkeit im Jahre 1896:
„An der auf einem sehr langen Hügelrücken von
Ober-Pertestie gegen Solka sich hinziehenden Strasse
fand ich gelegentlich einer Dienstreise zwei Paar Tumuli
von ähnlicher Form und Grösse, wie solche der k. u, k,
Custos J. SzomBATHY vor zwei Jahren bei Hliboka
durchforschte. In Ober-Pertestie bemerkt man ferner
in der Nähe der Strasse, die sich gegen Botuschana
zieht, bei Cote 484 der Generalstabskarte ebenfalls
zwei Tumuli, die prähistorisch sein dürften.
Eine Anzahl Tumuli sah ich, und zwar zwei rechter
Hand, unmittelbar neben der Gemeindestrasse, welche,
von der Bezirksstrasse Suczawa-Liteni-Gurahumora
rechts abzweigend, nach Zaharestie führt, einen Tumulus
 links von der Gemeindestrasse in der Nähe des
Meierhofes „Hermann“ und einen auf einer Feldwegkreuzung
 zwischen Zaharestie und Tozseffälva. hei
Cote 379.
Von den bereits bekannten fünf Tumuli in der
Nähe von Liteni, von welchen einer eine ganz besondere
 Grösse besitzt, beabsichtige ich einen im Jahre
1897 auszugraben und sind die Unterhandlungen mil
dem Pächter und den sonstigen interessirten Persönlichkeiten
 bereits abgeschlossen. ;
Durch den Herrn Universitätsdocenten Dr. R. WOLKAN
aufmerksam gemacht, besah ich in dessen und des
Landes-Museumscustos Dr. J. PaALeK Begleitung die
Reste eines verschanzten Lagers in Ober-Scheroutz in
der Nähe von Czernowitz. Von Scheroutz führt der Weg
fast östlich ziemlich steil aufwärts, und zwar bald in
einem jungen Buchenwald, der nach halbstündiger
Wanderung einer grossen, mit einzelnen alten Eichen
besetzten, die südliche Kuppe des Kammes bedeckenden
Weide Platz macht. Den höchsten Punkt (Cote 462) nimmt
das nach der Form eines langgestreckten Trapezoides
von durchschnittlich 200 Schritte Breite und ungefähr
350 Schritte Länge gestaltete Lager ein. Gegen Osten
zu steigt es noch einigermassen an und fällt an dieser
Seite, sowie gegen Südwest ungeheuer schroff ab. Die
knapp an den Steilhang anschliessenden Erdwälle sind
atwa 3m hoch und hesitzen eine Kronenbreite von

‚benfalls 3 m. Gegen die Westseite zu, wo das Lager
an den minder steilen Hang grenzt, der den Zugang
oildet, erreichen die Wälle eine Höhe bis 4!/, und 5 m,
sei entsprechender Kronenbreite, Hier ist auch ein
wahrscheinlich bereits ursprünglich angelegter Thoraäinschnitt
 sichtbar, und zwar in einem von den Wällen
zebildeten einspringenden Winkel. Gegen Norden, wohin
 der Kamm vorerst etwas abfällt, sind zwei parıllele
 Wälle mit dazwischen liegendem schmalen Felde
angeordnet, welchem weiters ein etwa 150 Schritte
zrosses, annähernd quadratisches, auch zu beiden Seiten
Jurch Wälle geschütztes Lagerfeld folgt, das weiter
nördlich durch einen besonders gross dimensionirten
Joppelwall mit Vorgraben gegen das Aussenfeld, das
von hier wieder etwas ansteigt, geschützt ist. Stellenweise
 zeigen sich unter den Wällen und an den Hängen
mächtige Felsplatten; die Wälle selbst scheinen, nach
3inem vorhandenen, erst in jüngerer Zeit hergestellten
Durchstich zu schliessen, lediglich Erdaufschüttungen
zu sein. Von etwaigen Funden ist bis jetzt nichts bexannt.
 Unter dem Volke ist die Lagerstelle unter dem
Namen „Dudva“ bekannt und wird mit türkischen Invasionen
 in Verbindung gebracht. In seiner Anlage
zeigt dieses verschanzte Lager eine grosse Aehnlichkeit
 mit der kaum grösseren Wallburg in Hlinitza.
Zu bemerken ist, dass in Scheroutz noch sonstige alte
Sicherungsanlagen zu finden sind; auch der Name des
kleinen in der Nähe von Unter-Scheroutz gelegenen
Ortes Szance deutet auf daselbst bestandene Erdwerke.
 Die k. k, Central-Commission hält auf Grund
dieses Berichtes das Lager für sehr interessant und
ersuchte um weitere Nachforschungen,
In der Stadt Suczawa ergaben sich zum Theile auch
zelegentlich des Bahnbaues Itzkany-Suczawa in grösserer
Zahl bereits auf verschiedenen Stellen diverse ältere
Funde, Interessant sind die in Suczawa, der alten Wojwodenstadt,
 gefundenen Hirsegruben. Es sind dies siloartige
 Vertiefungen im thonigen Erdreiche, welche innen
put, fast glasartig ausgebrannt waren, oben eine Einsteigöffnung
 von etwa 60 cm Weite besitzen, nach unten
aber bei einer Tiefe von zwei und mehr Meter eine
Weite am Boden von ebenfalls 2—3 m erreichen, In
vielen fand man noch Reste von Hirse, Zu bemerken
ist, dass in Suczawa seit Menschengedenken Hirse
nicht angebaut wird,“
Die im Vorjahre begonnenen Grabungen und Forschungen
 am alten Wojwodenschlosse in Suczawa setzte
Herr RomsTorFER heuer fort und erzielte zahlreiche
interessante, mittelalterliche Funde.
Uebergehend zur somatischen Anthropologie,
zedenke ich vorerst einer soeben eingelangten Schrift
jes Herrn Dr. Franz TAPPEINER: „Der europäische
4lensch und die Tiroler“, Der verdiente Altmeister der
kraniologischen Forschung in Tirol bespricht darin die
neueren Anschauungen über die europäische Heimat
der Indogermanen, über die physischen Merkmale des
zuropäischen Menschen; die Auffindung der letzteren
oleibt allerdings der Zukunft vorbehalten. Die Armenier
jetrachtet derselbe als eine Mischrasse von Ariern und
Mongolen Fr stützt sich dabei hauptsächlich auf die
            
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