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Full Text : Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft in Wien, N.F. 17=27.1897

34]

gr

A

liche Waffen aus Bronze, und zwar recht schöne
Schwerter, Dolche, Messer etc, Erwähnenswerth ist
die Auffindung des ersten Cultrum lunatum in dieser
Provinz, sowie eines bronzenen Pferdezaumes. Von
Fibeln blos die ältesten Formen: einfache Bogenfibel,
Sichel- und Brillenfibel, Nebstbei eine schöne Reihe
von Ringen (Finger-, Arm- und Halsringe), Nadeln,
Ketten, Anhängsel etc. Die Töpfe sehr roh. Durchaus
Brandgräber. In diesem Jahre hat Dr. v, MARCHESETTI
185 Gräber geöffnet; derselbe hat sich die Felder gesichert,
 um im nächsten Frühjahre die Grabungen fortzusetzen,
 da voraussichtlich noch viele Gräber vorhanden
 sind,
Kleinere Forschungen wurden noch in einigen
Castellieriı und Grotten gemacht, die auch manche
interessante Beiträge lieferten. Am 9. Januar 1897
untersuchte MARCHESETTI eine Höhle bei Divacecia, zu
der ein Schacht von 17 m Tiefe in zwei Absätzen
führt und zu der man nur mittelst Leiter gelangen
kann. Auch diese Höhle lieferte zahlreiche Reste der
menschlichen Thätigkeit, wodurch ein. neuer Beweis
geliefert wurde, dass nicht nur die leicht zugänglichen,
sondern auch die scheinbar ganz unbewohnbaren
Grotten als Aufenthalt des prähistorischen Menscher
dienten,
Unser Correspondent Herr Prof. Dr. KArı, Moser
nerichtet uns:
1. Ueber die Ausbeutung eines Höhlenspaltes in einer
an der Gemeindegrenze Gabrovica-Salroce gelegenen Höhle,
von den Touristen „Tilde“ genannt. Sie enthielt Knochen
und Zähne diluvialer Säugethiere, wie Bos primigenius
und B, priscus, Equus fossilis in überwiegender Zahl und
Reste von Cervus elaphus, von Feliden nur Felis spelaea,
dann Canis spelaeus, Lupus spec? Cricetus spec?
Wegen ungünstiger localer Verhältnisse und unzulänglicher
 Mittel konnte die Fortsetzung dieser an
Knochen reichen Höhle nicht weiter verfolgt werden,
Nicht minder beeinträchtigten die Regenverhältnisse die
Arbeiter im Höhlenspalt, da durch das Sickerwasser die
brecciösen Partien des die Knochen führenden Höhlenspaltes
 in fortwährende Bewegung gebracht werden, so
dass die weitere Arbeit, weil lebensgefährlich, eingestellt
werden musste, Ein Plan der Höhle, sowie eine kurze
Schilderung der Fundverhältnisse dieser diluvialen Säugethierreste
 wird nächstens in der Zeitschrift „Globus“
erscheinen.
2, Ueber ein Steinkistengrab bei Mauhinje
ob Duino im Küstenlande, Nächst der genannten
Ortschaft in der Localität Kresten&e wurde im. Januar
1896 beim Hinwegräumen einer Schutthalde, ungefähr
 !/, m tief in der Erde, eine aus Steinplatten
geformte Kiste aufgedeckt, in der ein sehr morsches
Skelet, einem jugendlichen Individuum angehörig, lag.
Zu dessen Füssen befand sieh ein zerbrochener Teller
oder eine Vase, Bei meinem Besuche im December konnte
ich nur aus Erzählungen des Arbeiters die wenigen
Daten sammeln. Bei den heurigen Winterarbeiten dürfte
sich vielleicht noch manch’ anderer Fund machen lassen
3. Plattengräber von S. Michele ober Alt-Mucgoia
 in Istrien. Bei Begehung des Festungsoerahbens

les Forts Nr. 3, S. Michele genannt, fiel das Vorhandenein
 geöffneter Gräber auf, Die Aufnahmen derselben
zurden an die k. k. Central-Commission geleitet, Am
Nordostabhange öffnete Herr MOSER an zwei verschiedenen
 Tagen fünf Gräber, Zwei enthielten drei
ınd fünf Skelette, letzteres mit Nachbegräbnissen, und
lrei enthielten je ein Skelet. Die Schädel lagen entweder
mit dem Gesicht nach abwärts oder seitwärts, Richtung:
N0O—SW — oder N—S, Die Skelette spärlich mit Erde
bedeckt, so dass in Folge des eindringenden Wassers
alle Skelettheile damit überzogen sind. Das Skelet liegt
äntweder ausgestreckt oder gekrümmt auf dem mit
Asche bestreuten Boden und ist ringsum von behauenen
zrossen Sandsteinplatten sorgfältig bedeckt, An den
Seiten liegen zur Verkeilung kleinere Platten. In
Meterhöhe sieht man eine von Holzstoff spärlich durchsetzte
 Culturschichte, darüber aufgeführte Erde aus
lem Wallgraben., Die Schädel sind deutlich dolichozephal,
 sehr dünn und oft sehr gut erhalten. Die
Wirbelsäule deutlich nach aufwärts gekrümmt. Ein
yanzes Skelet wurde an das Museo civico abgeliefert,
Der Abhang von S. Michele dürfte an tausend solcher
äräber bergen. (Allemannengräber Würdingers ?)
Herr Secretär Dr. WLADIMIR DEMETRYKIEWICZ in
Krakau hat im vergangenen Jahre Ausgrabungen verınstaltet:
 in der Umgebung von Przemysl und Drohobyez
neolithische Kurgane), in der Umgebung von Taunolureg
und Nisko in Mittelgalizien (Urnenfelder aus der Bronzeand
 Hallstatt-Periode, überwiegend sogar Lausitzer und
Schlesischer Typus). Ferner hat er Informirungsreisen
anternommen: zur Besichtigung der Wallburgen in
Lapizyca bei Bochnia und Zawada (politischer Bezirk
Brzesko), beide in Westgalizien, endlich nach Trembowla
und Lipica in Ostgalizien, wo beim Eisenbahnbau
wichtige römische Skeletgräber und slavische Urnen-Felder
 leider vandalisch zerstört und verschleppt wurden,
Der wissenschaftliche Bericht über diese Forschungen
wird in der nächsten Zeit in dem II. Bande der
„Archäologisch-anthropologischen und ethnologischen
Materialien“, herausgegeben von der anthropologischen
Sommission der Krakauer Akademie der Wissenschaften
als II, Serie und Fortsetzung der früheren „Wiadomosti
 anthropologiezne“) erscheinen,
Herr Universitätsprofessor und Conservator Dr.
[SIDOR SZARANIEWICZ in Lemberg berichtet in einem
ängeren Schreiben über die durch ihn erfolgte Aufleckung
 zweier Gräberfelder bei Czechy und Wysocko
ınweit Brody. Es sind das Flachgräber mit Skeletten,
welche zum Theil in Reihen, zum Theil in Gruppen
angeordnet sind, In Czechy wurden in den zwei letzten
"ahren bei nahezu halbjähriger Grabungsdauer gegen
‚80 Skelette aufgedeckt, in Wysocko während einer
lreiwöchentlichen Campagne im verflossenen Jahre
zegen 20. Die Schädel der Skelette sind ausgesprochen
lolichocephal, mit einem Längenbreiten-Index von 68
bis 75 nach einigen gemessenen Stücken, Das Merkwürdigste
 sind aber die Beigaben, da sich nebst zahlreichen
 Thongefässen Geräthe aus Stein, Bronze und
%isen zusammen vorfinden. Unter ersteren werden drei
lurchbohrte Steinhämmer, ferner kleine zugeschlagene
            
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