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Die weitaus interessanteste neu entdeckte Fundstelle
ist aber jene in Ober - St. Veit in Wien, Auf
zinem Hügel hinter der Einsiedelei fand ich, unmittelbar
unter dem Rasen, zahlreiche Gefässscherben und
Knochen auf einem Flächenraume von 200 Schritten
in der Länge. Eine Probegrabung, welche ich veranstaltete,
zeigte, dass diese Fundstelle sehr reichhaltig
ist. Ich fand nebst vier Stück spinnwirtelartigen
Thonscheiben Gefässscherben von drei Gefässen, welche
sich soweit zusammensetzen liessen, dass deren Form
ersichtlich wurde, nebst vereinzelten mit verschiedener
Decorirung. Diese Gefässe scheinen meist kesselartige
Formen zu haben, sind aus freier Hand gemacht und
tragen den Charakter solcher Gefässe, welche sonst in
Begleitung von Steinbeilen, eventuell auch von Bronzen
vorkommen, “
Das Museum Franecisco-Carolinum in Linz hat,
wie Herr Conservator STRABERGER berichtet, in Fortsetzung
der in früheren Jahren unternommenen Durchforschung
der zu Gansfuss am Weilhartsforste vorhandenen
Hügelgräber im verflossenen Sommer das
VII. Grab eröffnet. Dieses im Durchmaasse 12 m messende
Grab wurde nach Angabe des Grundbesitzers schon in
den Fünfziger-Jahren durch theilweise Wegschaffung der
Steinsetzung angebrochen,
In dem noch im Mittel 60cm hohen Hügel, aus
Rollsteinen aufgebaut, fanden sich auf einer circa 20 cm
mächtigen Kohlen- und Aschenschichte Bruchstücke
von Thongefässen, darunter solche einer schönen, rothen
Urne, von einer in den früher eröffneten Gräbern dieser
Gruppe nicht vorgekommenen Form und Verzierungsart,
ferner eine eiserne, gut erhaltene Speerspitze und
Reste von verbrannten Knochen.
In einem Steinbruche bei Mauthausen a. d. D,
wurden beim Abräumen des auf dem Granit auflagernden
Löss folgende zusammengehörige Theile eines Mammuthskelets
zu Tage gefördert: 1 Stosszahn, welcher — wiewohl
er nicht in seiner Gänze erhalten ist — die
selten vorkommenden Dimensionen von 2:75 m Länge
und 0:58 m Umfang hat, 2 Hinterfussschenkelknochen,
1 Obertheil des Vorderfusses, 1 Rippe und Theile eines
Backenzahnes, Weiters fand sich an gleicher Stelle
ain Bruchstück sammt Rose vom Geweihe des Cervus
primigenius.
In Böhmen hatte Herr Rog, RıTrtTER v. WEINzIERL im
vorigen Jahre und besonders im verflossenen Winter
Gelegenheit, auf der Lösskuppe südöstlich von Lobositz
(Reiser’sche Ziegelei), im Anschlusse an die grosse
Erdbewegung vom Jahre 1894, den Rest der Abgrabungen
zu verfolgen. Es wurden noch mehrere Urnengräber
mit Leichenbrand (Lausitzer Typus) gefunden,
so auch zwischen Steinplatten in einer Aschenschichte,
sorgfältig geordnet aufgelegte kleine Bronzeringe. Die
keramischen Ueberreste gehören ausschliesslich nur der
Bronzezeit an, wie auch sonst noch bekannte Beinund
Hirschhornartefacte in den bronzezeitlichen Schichten
gefunden wurden.
Die neolithische Culturepoche war besser Vvertreten.
Zunächst erwähne ich nochmals das bereits
oublieirte Brandgrab mit langhalsigem Becher und
lurch Brand zerstörtem Basalthammer mit Schaftloch
‘ältere Type). Eine Wohnstätte mit Herd und Abfallsyrube,
deren Anlage ein recht anschauliches Bild gewährt,
ist besonders erwähnenswerth, da in der Ab-’allsgrube
ein weiblicher, wohl erhaltener Schädel (Inlex
= 72°5) ohne Unterkiefer gefunden wurde. In
:jefster Lage der Grube wurden die beiden Radien
zefunden, Die bekannten Estrichstücke mit Geflechtabdruck,
Spinnwirtel und Webstuhlgeräthe, Thon-, Beinund
Steingeräthe nebst typischer Keramik charakterisirten
die Wohnstätte. Jetzt herrscht mehrere Jahre
ıindurch Ruhe in den prähistorischen Culturschichten
dieser Lösskuppe, bis die ausgegrabenen Vorräthe an
Ziegelthon verarbeitet sein werden,
In der Schwarzenberg’schen Ziegelei nahe
ei Lobositz wurden wieder, seit mehreren Jahren,
:inige Culturgruben ‚ausgegraben, die ihres Inhaltes
wegen der älteren Bronzezeit zugeschrieben werden
mussten und somit wahrscheinlich die Wohnstätten
zu den vor Jahren ausgegrabenen Skeletgräbern der
älteren Bronzezeit (Aunötitzer Typus) gefunden sind.
In einem dieser Feuerherde wurde ein erhaltener gehenkelter
Seiher aus Thon mit durchlochtem Boden in
Form eines breiten Bechers gefunden.
In der Stadt Lobositz selbst wurden an mehre-:en
Orten bei Erdbewegungen Funde gemacht. So fand
man bei der Ausgrabung eines Canales im Schlosshofe
ain massives, grosses, rohes Nutzgefäss; daneben be-"and
sich ein Herd mit Asche und thierischen Knochenzbfällen.
‚In der Mühlstrasse fand man beim Umbaue eines
Hauses mehrere Culturgruben der Bronzezeit, vielleicht
auch der Hallstatt-Periode in der neolithischen
Sulturschichte als Nachbesiedelung eingesenkt. Die
bronzezeitlichen Urnengräber mit Leichenbrand hoten
ıichts Neues ausser einer kleinen ungehenkelten Schale
Lausitzer Typus) mit verkohlten Körnern von Setavia
talica (Kolbenhirse),
Im Vorsommer dieses Jahres hatte v, WEInzıERL Ge-‚egenheit,
die interessanten Ansiedelungen im Quellenzebiete
des Goldbaches studiren zu können, Die ziemlich
Jicht liegenden neolithischen Ansiedelungen zwischen
KXolleschowitz und Schaab waren auch in der Bronzezeit
Jer Hallstatt-Periode und stellenweise auch in der La Töne-Periode
besiedelt. Die Keramik der slavischen Invasion
ist spärlich zu finden.
Im Sommer besuchte Herr v. WEInzıIERL wiederholt
die um Lobositz entfernter gelegenen Ziegeleien und
sonstatirte in der Ziegelei am nordwestlichen Abhange
les Hasenburgkegels eine Nekropole der La Tene-Zeit.
Zin ausgegrabenes Skeletgrab enthielt eine eiserne
jürtelkette mit eingelegten Bronzeringen, zwei pracht--olle
Kugelarmspangen aus Bronze mit beweglichen
Littelgliedern, eine grössere KEisenfibel, einen schwachen,
znotigen Armreifen aus Bronze, zwei Fragmente von
ignitringen und einen offenen eisernen Armring, welcher
Tund sich an die gleichartigen dieser Periode von
Liebshausen anreiht,
Gleichzeitig besuchte er die von Türmitz umliegenlen
Fundorte, um die diluvialen Schichten und die