24
5 "fr
ar
|
‘x
fortschreitenden Sandabgrabungen zwei sehr schön
markirte Wohngruben zu Tage, die, da sie senkrecht
abgegraben und in der Mitte durchschnitten waren,
ein äusserst instructives Bild gaben, Direct mit einem
Radias von 15m, 2m tief (schalenartig) in die gelbe,
diluviale Unterschichte eingebettet, wies der Boden:
durchschnitt eine 10cm starke, schwarze Aschenauspolsterung
auf, in der sich nur spärliche, schlecht
bearbeitete, rothe Feuersteinreste vorfanden. Diese
Wohngruben sind über 3m mit Humusbildungen und
Felsenabrutsch überlagert gewesen; die Unterschichte
unweit der Aschenmulde enthielt auch eine Zahnreihe
eines diluvialen Pferdes, Diese zwei Wohngruben, ohne
jegliches andere Fundergebniss als einige kleine Gefässtrümmer
primitivster und ältester Art, fielen deı
Schottergewinnung schon zum Opfer, doch dürfte sich
die Hüttenzeile, der Localität entsprechend, noch gegen
das Winschloch zu fortsetzen,
Mit dem Ueberspringen des Calvarienberges und
der allmäligen Verflachung der weinbepflanzten Plateaus
gegen Pfaffstätten und das Einödthal weist
fast jede Ried, insbesondere die „Beim Juden“ (daselbst
ein alter Opferfels, „Kanzel“ genannt, der Abends
einem Judenkopf täuschend ähnlich sieht), dann die
Weingärten in „Spiegeln“, „Flamming“, „Wiegen“,
„Vogelthal“*, „Schönkirchen“ (Königskirchen) Artefactenreste
auf, die alle nur einer Periode der äusserst
roh zugeschlagenen Steinwerkzeuge entstammen können,
Im Orte Pfaffstätten selbst wurde ein menschliches
Skelet gefunden, dessen Beigaben, eine eiserne Lanze
und ein scheerenartiges Geräth, anf die La Täne-Periode
hinweisen,
Die weitere Fortsetzung dieses Höhenzuges mit den
Vorbergen des Anninger bis Gumpoldskirehen wird
schon ärmer an Feuersteinfindlingen, enthält aber zunächst
dem uralten Pfaffstätten auf einem Hügel schwer
definirbare Eisenbearbeitungsreste, Hiemit ist das Ausbreitungsgebiet
der Funde um Baden genau bestimmt.
Weiter gehend, fand GusTAY CALLIANO in Kaltenleutgeben
bei einem erwiesenen „Opfersteinblock“
zwei deutliche schwarze und rothe Schichtenlagerungen
langgeübter Feuerungen, welche stark mit Scherben und
Knochen versetzt sind, Daselbst wurde ein sehr schönes
Steinbeil, schöne Feuersteinsachen und ein überaus
zierliches, patinirtes Bronzemesserchen etc, gefunden,
Achnliche Felsgebilde, wie das von CALLIANO eruirte
Felsenthor (Pumpaskiri = Donnerskirche) am Anninger,
die drei Gotassäulen (Götzersteine) nächst
der Rotte Dürnthal, oder der von J. HormAnn bekanntgemachte
Taufstein bei Fischau etc., weisen alle
auf sehr weit zurückgehende Cultbenützungen zurück
und sind daher auch meist nicht fundilos geblieben.
Das Wassergspreng ergab (als Einzelfund) ein
hübsches Bruchstück eines Steinbeiles,
Bei der Erschliessung der Grabhügelreihe bei Anzbach,
die einerseits durch die grosse KFormverschiedenheit
der Grabkisten, andererseits durch seltene
Grabbeigaben, wie Glasgefässe etc., als interessante
Ueberbleibsel einer bereits romanisirten Landesbevölkerung
gelten müssen, fand CALLIANO ausser drei weiterzelegenen
Tumuli auf dem 464 m hohen — äusserst
sagenreichen — Buchberg (bei Neulengbach), eine
1eue, befestigte Siedelungsstätte, einen neuen niederösterreichischen
Hausberg auf, der erst näher
ıntersucht werden muss. Dieser künstlich bearbeitete
Nallberg ist bei seiner isolirten Lage und seinem weiten
Ausblicke ein wichtiges Bindeglied zwischen
ınseren bereits fixirten Waldbergsiedelungen.
Der erste nur im Halbkreise geführte, vorzügich
erhaltene, künstliche Wallring deckt mit seiner
Südseite sechs genau gestufte Terrassen, die vermnuthlich
auch den Raum für die Hüttenzeile abgaben.
Es bildete daher jede Ringstufe zugleich einen Wallabhang.
Die Nordseite des Berges (mit weitem Ausolicke
gegen die Donaugegend) ist sehr steil abfallend,
laher auch nicht schutzwehrbedürftig, Die Gefäss-'ragmenie,
hie und da zu Tage liegend, zeigen den
neolithischen Typus anderer Localitäten Niederösterreichs,
GUsTAV CALLIANO gab auch weiters Veranlassung,
lass die sämmtlichen Höhlen der Umgebung Badens
sammt ihrem Fundinhalt photographisch aufgenommen
wurden; eine gleiche Aufnahme aller von ihm gehobenen
orähistorischen und römischen Fundobiecte ist in der
Durchführung begriffen,
Herr LuDwıcG Hanys Fischer berichtet über Arbeiten
in Niederösterreich, wie folgt:
„Am linken Ufer, gerade am Ausflusse der Pielach
in die Donau, eine halbe Stunde von Melk abwärts,
steht ein vorgeschobener Fels, der kegelförmig gegen
die Donau abfällt und selbst von der Landseite durch
einen Graben getrennt ist. Der obere Theil dieses
Kegels ist eben, bildet also einen regelrechten Kegelstutz.
Zu prähistorischen Ansiedelungen scheinen mit
Vorliebe ähnliche Localitäten von ihren Erbauern gewählt
vorden zu sein, wie in Melk, Schönbühl, Göttweig.
Die Vermuthung lag also nahe, dass auch dieser Punkt
ine Ansiedelung hatte, Das Ergebniss meiner Grabung
war kein sehr ergiebiges, es war aber genügend, um
meine Vermuthung genügend zu bestätigen.
Ich fand ausser ziemlich zahlreichen Feuersteinsplittern
und Nuclei Gefässscherben von primitiven, aus
'reier Hand gemachten Gefässen ohne jede Verzierung.
Zinige Gefässscherben sind möglicherweise römisch,
andere nachrömisch.
Eine zweite Fundstelle fand ich im Orte „Ursprung“,
eine gute Stunde von diesem Punkte entfernt,
im Gebirge.
Auf einem isolirt stehenden, langgezogenen Hügel
fand ein Bauer beim Abgraben von Erde ein grosses,
schalenförmiges Gefäss mit Buckeln am Rande; in demselben
war ein kleines, schwarzes Gefäss mit Henkel
and verbrannte Knochen, Die Gefässscherben waren
noch so weit vorhanden, als ich davon Mittheilung
bekam, dass ich sie sammeln und so weit zusammensetzen
konnte, .dass die Form noch zu reconstruiren
st. Die vorgerückte Jahreszeit erlaubte mir nicht,
weitere Grabungen zu veranstalten; ich habe aber
bereits dafür gesorgt, dass mir im kommenden Sommer
h‘iebei nichts im Wege steht.