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Full Text : Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft in Wien, N.F. 17=27.1897

— [28]

Frauerkundgebungen an, welche der Verlust dieses
tapferen Heerführers, der auch zugleich für alle idealen
Ziele eintrat, in unserem Vaterlande hervorgerufen hat.
Der durch einen Zufall im Juli v. J. herbeigeführte
Tod des k. und k Generalconsuls in Shanghai, Herrn
Joser Haas, hat Oesterreich eines ausgezeichneten,
pflichterfüllten Beamten, eines gründlichen Kenners
der Sprachen und Verhältnisse des chinesischen Reiches
beraubt. Er hatte die diplomatische und consularische
Vertretung von Oesterreich-Ungarn in Shanghai während
27 Jahren geführt und war unausgesetzt bemüht gewesen,
 unsere Monarchie dem Reiche der Mitte geistig
und commereiell näher zu bringen. Unsere Museen ver-Jlieren
 an ihm einen thatkräftigen und verständnissvollen
 Förderer, der nicht blos handelspolitische Gesichtspunkte
 unterstützte, sondern auch auf wissenschaftliche
 Bedürfnisse mit grösster Bereitwilligkeit
einging. Die chinesische Gruppe der ethnographischen
Sammlung im k, k. naturhistorischen Hofmuseum ist
zum grossen Theile aus seinen Bemühungen hervorgegangen.
 Unsere Gesellschaft, der er sich als unterstützendes
 Mitglied angeschlossen, wird ihm allezeit
3in dankbares Andenken bewahren.
Wir gedenken ferner des Ablebens unseres wirklichen
 Mitgliedes Dr. ADoLr DÜRRNBERGER. Er ist als
der eigentliche Schöpfer des neuen Museums in Linz
zu bezeichnen und war Vicepräsident und Ehrenmitglied
 des Linzer Musealvereines, Herr Regierungsrath
Franz Kraus, der am 12. Jänner starb, war durch
lange Jahre unser Mitglied, Sein Name bleibt mit der
österreichischen Höhlenforschung innigst verbunden,
Er besass aber auch grosses Interesse für Österreichische
 Sagenkunde, deren Literatur von ihm eifrigst
gesammelt wurde; diese Bestrebungen führten ihn in
enge Verbindung mit dem „Verein für österreichische
Volkskunde“, welcher in ihm einen treuen Mitarbeiter
verliert.
Der Bd. XXVI unserer Mittheilungen ist um sechs
Bogen schwächer ausgefallen, als der vorhergehende,
Dies wird durch die Beigabe von sechs Tafeln ausgeglichen,
 welche den Freunden unserer Wissenschaft
gewiss willkommen sein werden. Unseren in- und ausländischen
 Mitarbeitern sei nnser wärmster Dank beigebracht.

Aus den nachfolgenden Berichten werden Sie ersehen,
 dass auch im verflossenen Jahre die Österreichischen
 Anthropologen unsere Disciplinen vielfach
gefördert haben, wenn auch die Witterungsverhältnisse
des verflossenen Sommers für Ausgrabungen nicht
günstig gewesen sind,
Auf prähistorischem Gebiete hat die Anthropologische
 Gesellschaft im Jahre 1896 mit Hilfe ihres
Ausgrabungsfondes zwei Untersuchungen veranlasst:
die Ausgrabung einer Höhle bei Fischau nächst Wiener-Neustadt
 und die Fortsetzung der Nachforschungen
in der Bukowina. Beide Arbeiten standen unter der
Leitung des Herrn Custos J. SzommaTHY. Die Höhle
„Steinerner Stadel“ bei Fischau, eine ziemlich ge-‚äumige
 Durchgangsgrotte, enthielt beinahe in ihrer
ganzen Ausdehnung 1—2 m mächtige Aschenschichten

ınd in diesen relativ spärliche, aber immerhin ganz
nteressante Ueberbleibsel aus der neolithischen und
‚igentlichen Bronzeperiode, In der Bukowina wurde
Jie Untersuchung der prähistorischen Ansiedelungen
weitergeführt und speciell Fundstellen neolithischen
Oharakters, sowie einzelne alte Gräber bei Kotzmann,
Ohlibestie, Dawidestie und Werenczanka im nördlichen
Theile der Bukowina untersucht,
Im Auftrage der Prähistorischen Commission der
zaiserl.‘ Akademie der Wissenschaften unternahm Herr
Professor und k. k. Conservator Sımon RuTArR in Laiach
 unter Beihilfe des Herrn B. Pröxır grössere
Ausgrabungen in Unterkrain, Mit gutem Erfolge wur-Jen
 vier Tumuli der Hallstatt-Periode bei Tschernembl,
lie sowohl Skelet- als auch Brandgräber in grösserer
Zahl enthielten, und neun Tumuli der Hallstatt-Periode
zwischen Weisskirchen und St, Margarethen, welche
ausschliesslich Brandgräber enthielten, untersucht.
Die prähistorischen Forschungen unseres Mitgliedes
GusTAY CALLIANO in Baden stellten diesmal das
Jurch Fundthatsachen fixirte Ausbreitungsgebiet
‚ener Siedelungen (Winschloch etc.) fest, von denen
zuerst die Anhaltspunkte zum Nachweise eines vorzeschichtlichen
 Menschendaseins in Baden ausgegangen
waren. Die sorgfältige Absuchung der den Curort einzeitig
 umgebenden Berge, dann der weiteren Thalzusbreitung
 des Stadtgebietes selbst ergab, dass der
sanze Höhenzug von Vöslau-Gainfahrn in seinen
\bhängen zur Ebene bis fast gegen Gumpoldskirchen
 zu, sowohl in den beforsteten Theilen als
zuch in den Jahrhunderte lang betriebenen Weinsulturengeländen,
 vielfache Spuren von menschlicher
Jantirung aufweist, die sich auch in der Bodenerhebung
vom Eichwäldchen bis zum Friedhofe in St. Helena
vorfinden.
Diese Artefacte, meist schwere, geschlagene Steinveilreste
 (mit deutlicher Bearbeitungsspur), Schaber,
Messer (selten) etc., weisen direct auf ein paläolithisches
 Zeitalter, Die Berggelände weisen jedoch neben
dem gänzlichen Mangel an Gefässscherben im Ma-;eriale
 gegen die aus dem einst versumpften Thale sich
erhebende Halsriegelzunge (Eichwald, Schafflernof
 ete.) auffallende Verschiedenheiten auf.
Während die Baden umliegenden Kalkberge immer
derben Hornstein und seltener schönen Feuerstein (gelb)
nit muscheligem Bruche ergeben, besitzt die vorgenannte
 Landzunge im Thale charakteristischere Artefacte
 aus reinem Jaspis, Carneol, Onyx und Achat.
Im Verfolge des Höhenzuges, der bei Vöslau mit
einer grösseren, an Gefässscherben reicheren Stelle bezinnt,
 zeigt zuerst das Thal bei der Sooser Waldandacht
 an einer Seite spärliche Scherbenreste, die
sich vereinzelt, immer am Rande des Gebirges — mit
Zisenerzfindlingen — bis zum Rauheneckerberge
Weikersdorf) verfolgen lassen. Dort ist merkwürdigerweise
 der ganze Umkreis der „Badener Hauptsiede:
ungsstelle“ bisher fast gänzlich fundlos geblieben und
ırst am Mitterberg finden sich in Weinculturen
wieder spärliche Artefacte vor. In dem tiefen Einachnitte
 der Putschanerlucke traten hei den stetig
            
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