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Für Mittwoch den 22. September wird vorläufig
eine gemeinsame Sitzung der naturwissenschaftlichen
Abtheilungen unter Betheiligung eines Theiles der
medicinischen geplant.
Als Einführender der Abtheilung für Anthropologie
und Ethnologie fungirt Herr Dr. RıcHARD
ANDREr, als Schriftführer Herr Fr, GrRABowsKyYy,. Anmeldungen
zu Vorträgen sind an den erstgenannten
Herrn nach Braunschweig, Fallersleherthor-Promenade 13.
zu adressiren.
Jahres-Versammlung am 9, März 189%.
Vorsitzender : Herr Sectionschef Dr. K. Ta. v. INAMA-STERNEGG.
Schriftführer: Herr Secretär FrRAnNz HEGER.
1. Der Vorsitzende begrüsst die Versammlung,
constatirt die Beschlussfähigkeit derselben und ersucht
den Secretär, den vom Präsidenten der Gesellschaft,
Dr. FERDINAND FREIHERR V. ÄNDRIAN-WERBURG, Verfassten
Jahresbericht zur Verlesung zu bringen.
Hochverehrte Versammlung!
Die Verhältnisse unserer Gesellschaft haben sich
im Laufe des Jahres 1896 nicht wesentlich verändert
Der Mitgliederstand weist heute folgende Ziffern auf
Ehrenmitglieder 20, correspondirende Mitglieder 72.
Stifter 3, unterstützende Mitglieder 38, wirkliche Mitglieder
334. Es ist somit der Stand so ziemlich derselbe
geblieben.
Auch im verflossenen Jahre hat unsere Wissenschaft
begeisterte Anhänger durch den Tod verloren,
welche zugleich unserer Gesellschaft nahe gestanden
haben, Unser Ehrenmitglied, Geheimer Rath AnAror
BoGDAnow, der Schöpfer der russischen Anthropologie,
verschied zu Moskau am 16./28, März 1896. Sie
finden einen warmen Nachruf aus der Feder des Herrn
Dr. N. v. Zocrar in den Sitzungsberichten [51] des
verflossenen Jahres. Am 12. Februar erfolgte das Ableben
unseres correspondirenden Mitgliedes, des Herrn
ALEXANDER ABEL HoOvELACQUE, des berühmten französischen
Sprachforschers und Anthropologen. Mit einer
ungewöhnlichen wissenschaftlichen Vielseitigkeit verband
er eine bemerkenswerthe Eignung für praktische
Thätigkeit. Durch CHAvkp und SCHLEICHER in die
Sprachwissenschaft eingeführt, gründete er, 23 Jahre
alt, 1867 die „Revue de linguistique“, trat aber in
demselben Jahre in die eben gegründete Gesellschaft
für Anthropologie ein und machte sich mit Broca’s
Methoden der somatischen Anthropologie derart vertraut,
dass er im Stande war, eine Reihe von kraniologischen
Arbeiten zu veröffentlichen. 1869—1885
veröffentlichte er aber auch zahlreiche sprachwissenschaftliche
Arbeiten (eine Grammatik der Zendsprache,
Instructionen für das Studium der Linguistik über
die sämmtlichen indo-europäischen Sprachen, besonders
über die südslavischen u. s. w.), sowie über linguistische
Ethnographie. Diese letztgenannte Richtung vertrat
Hovarasoans ala Praofesesnr an der Fenle A’Anthropologie
seit 1876. Er ist der Verfasser der ethnozraphischen
und linguistischen Partien des „Dictionnaire
des sciences anthropologiques“, Eine seiner letzten Publicationen
betrifft die Neger, Neben dieser ausgebreiteten
wissenschaftlichen Thätigkeit, welche hier nur anleutungsweise
besprochen werden kann, war HOvELACQUE
‚886—1887 Präsident des conseil municipal von Paris,
L889—1894 Abgeordneter des Departements de la
Seine. Diese öffentliche Thätigkeit wurde für ihn eine
neue Quelle von Anregungen zu literarischen Arbeiten,
in denen er die Werke der Encyklopädisten der studirenden
Jugend zugänglich zu machen suchte.
Weiters haben wir zu beklagen das Ableben unseres
zorrespondirenden Mitgliedes THEoraEıL Han in Stellenbosch.
Als Sohn eines Missionärs im Caplande geboren,
studirte er an den Universitäten in Halle und Leipzig
und war darauf durch längere Zeit Bibliothekar und
Professor in Capstadt und zuletzt Farmer in Stellenbosch.
Sein wichtigstes Werk ist jenes über die Sprache
der Nama-Hottentotten, deren genauester Kenner er war.
Am 29. December 1896 starb ferner unser correspondirendes
Mitglied Horatıo HaArıe in Clinton
Canada) in hohem Alter. Sein wichtigstes Werk ist
der im Jahre 1846 erschienene Band „Ethnography
and Philology“ der Expedition WıLKkEs, der für die
Sprachenkunde der Völker des Grossen Oceans von
grundlegender Bedeutung ist. Zahlreiche Werke und
Abhandlungen über die Indianer Nordamerikas sichern
ihm in der Geschichte unserer Wissenschaft einen
ehren vollen Platz,
Am 12. Jänner d, J. ist unser correspondirendes
Mitglied Herr CHRISTIAN BAHNSON zu Kopenhagen gestorben.
Dieser ausgezeichnete Ethnograph war seit
L885 Vorstand der ethnographischen Abtheilung des
Nationalmuseums, Er beschäftigte sich in den letzten
Jahren viel mit amerikanischer Ethnographie, besonders
aber mit der Herausgabe einer allgemeinen „Ethnographie“,
deren Unterbrechung sehr zu beklagen ist.
Sie finden im Bd, XVIIE unserer Mittheilungen einen
wichtigen Aufsatz von BAHNSON „Ueber ethnographische
\luseen“, welcher im Einvernehmen mit dem Autor
durch Frl. J. MxstorF in Kiel verdeutscht worden ist.
Nicht minder empfindlich berührt uns der Verlust
von zweien unserer unterstützenden Mitglieder, Se, könig]l.
Hoheit der Herzog WILHELM VON WÜRTTEMBERG Verschied
zu Meran am 6. November. Sie finden seinen
Namen im ersten Verzeichnisse unserer Mitglieder (1871).
Die letzte Bekundung seines Interesses für unsere Bestrebungen
war dessen Theilnahme an unserer Jubiläums-’eier.
Wenn auch des Herzogs vollständige Hingabe an
lie ihm gestellten militärischen und administrativen
Aufgaben eine active wissenschaftliche Bethätigung
ausschloss, ist sein lebhaftes Interesse für alle Zweige
der Naturwissenschaften während seiner überaus
schwierigen Amtsthätigkeit als Chef der Landesregierung
für Bosnien und die Herzegowina der Erforschung
und Aufschliessung jener Länder, der
kräftigen Angriffnahme wichtiger Culturarbeiten in
sehr nachdrücklicher Weise zugute gekommen. Wir
schliessen uns auys vollestem Herzen den zahlreichen