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Full Text : Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft in Wien, N.F. 17=27.1897

2. Herr Kälmän Freiherr von Miske in Güns
übersendet eine Mittheilung:
Der Bronzefund von Velem- St. Veit bei Güns in
Ungarn.
(Mit 7 Abbildungen im Texte!)
Eine interessante Fundstelle prähistorischer Gegenstände,
 welche zu den reichsten Ungarns gerechnet
werden muss, wurde im vergangenen Jahre der Wissenschaft
 erschlossen,
Circa 7 km südlich von der königl. Freistadt Güns
erhebt sich auf einem der letzten Ausläufer des durch
den Geschriestein (883 m) gebildeten Gebirgsstockes
der Velemer St. Veitsberg (638 m).
Er ist weithin in der Ebene sichtbar und kenntlich
an der seine Spitze krönenden, dem genannten Heiligen
geweihten Kirche.
Der Berg ist von dem übrigen Gebirgsstock fast
vollkommen getrennt. Händlern war er bereits als
Fundstelle bekannt. Ich erfuhr erst, nachdem ich
eine kleine Bronzensammlung bei einem Günser Antiquar
 erworben hatte, durch Zufall von einer Velemer
Bäuerin den vom Antiquar geheimgehaltenen Fundort,
Auf dem von der St. Veitskirche gekrönten Berg
Änden sich Spuren der neolithischen Bronze-, Hallstattund
 La Tene-Periode, wie auch Reste der römischen
und Völkerwanderungszeit, Am Ende des XIII, Jahrhunderts
 wird der St. Veitsberg urkundlich erwähnt:
auf demselben stand eine der Burgen des als Raubritter
 berüchtigten Ivan von Nemetujvär aus dem Stamm
der Freiherren von Güssing, eines Mannes, welcher noch
heute im Volksmunde als „Schloss-Hannsel“ fortlebt.
Seine „St. Veits-Burg“ wurde im Jahre 1291 zu
folge eines königlichen Erlasses dem Erdboden gleichgemacht.
 Die prähistorische Fundstätte erstreckt sich
um die Kirche, insbesondere auf dem Nordwest-, Westund
 Südwestabhange bis circa zum ersten Drittel der
Berghöhe, Der Berg ist terrassirt und war von einer
oder mehreren Ringwällen umgeben, deren Spuren noch
heute zu erkennen sind.
In den ersten Tagen des Monates Mai 1896 wurde
ain bedeutender Fund gemacht, der nicht wie bisheı
Antiquitätenhändlern zufiel, sondern zum grössten
Theile in das Comitatsmuseum in Steinamanger kar.
and zum anderen Theile von dem Nationalmuseum in
Budapest und von mir erworben wurde,
Der für das Comitatsmuseum erworbene Theil is}
in Fig. 1—4 abgebildet. ?)
Fig. 1 zeigt folgende Gegenstände: 1. Eine durch
bohrte Thonpyramide (sog. „Webergewicht“). 2, Bruch
stück einer thönernen „Mondfigur“. ähnlicher denen

von Lengyel, ‚als denen von Oedenburg. 3.—6. Bronzeztücke,
 darunter fünf in der Form eines Kuchens,
35 mm hoch, 15 cm. Durchmesser; 7.—16., 18. und
19. Kelte. Die Verzierung auf manchen derselben

1) Die Clich6s zu den Abbildungen in den nachfolgenden
Zeilen verdanken wir der Güte des Herrn Prof. Dr. Joszr
Hamren in Budapest, Dieselben sind seinem jüngsten Werke:
„A bronzkor emlekei Magyarhonben“ (III. Theil. Budapest
1896) und entsprechen den Tafeln COXXXV—CCXLI dieses
Werkes. Dem Herrn Professor sei hier der beste Dank der
Anthropologischen Gesellschaft abgestattet,
Die Redaction.
?) Originalmittheilung von K. Kärrirr, Arch, Ertesitö
1896. S. 295— 304.

Fig, 1

ist von den in Ungarn zumeist vorkommenden abweichend
 (8., 9., 10. und 14.), indem das Motiv nicht
las eines Dreieckes, wie bei 7., 12. und 15. ist, sondern
 Gabelform zeigt; 13. und 16. dürften auch dieses
Ornament besessen hahen. Der Kelt 14 heesitrt kein
            
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