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den noch vorräthigen alten Rohmappenexemplaren
wandern die überflüssig gewordenen in die Stampfe,
nachdem ihre Rückseite zum Probedrucke der neuen
Auflage benützt worden ist.
Blos in einem Kronlande — es ist wieder Steiermark
— bleibt ein Exemplar — soferne es überhaupt
noch zu haben ist — für die Wissenschaft unvernichtet.
Der historische Verein für Steiermark hat
es sich vom Finanzärar ausgebeten und es wird ihm
unentgeltlich abgeliefert.
Man sieht, dass man kein Recht hat, sich
über das Finanzärar zu beklagen!
Ein Exemplar der alten Katastralkarte ist zum
bequemen Amtsgebrauche der Geometer besonders reichlich
adjustirt; es ist dies die sogenannte Indicationsskizze,
in welcher bei jeder Parcelle das Meiste davon.
was sich im Parcellenprotokoll befindet, eingetragen
ist. Diese Skizze indieirt namentlich, zu welcher Hausnummer
und welchem Besitzer — mit Namen, auch
Vulgonamen — die Parcelle gehört, dann ihre Cultur
und Bonitätsclasse, Demnach ist in die Indicationsskizze,
bis auf das Flächenmaass, alles eingetragen, was zur
Erkenntniss der Strucetur der Eigenthumsverhältnisse
und der Bewirthschaftung irgendwie beitragen könnte.
Die alten Indicationsskizzen sind Handzeichnungen,
nicht selten von einer grossen Schönheit, Sie sind auf
steife Deckel aufgespannt und in Quartform handlich
gelegt. Auch sie werden durch neue ersetzt
and — reponirt oder vernichtet.
Die Reponirung geschah nicht einheitlich und ist
ganz aus der Evidenz gekommen, In einzelnen Ländern
erliegen sie im Mappenarchive oder zerstreut bei Steuerimtern,
anderwärts in den Evidenzhaltungsbezirken, ja
sogar bei den Bezirkshauptmannschaften,
Die alten Indicationsskizzen von Niederösterreich
wurden scartirt und zum KEinstampfen verkauft; die
Tiroler ebenfalls. Die von Salzburg wurden zum grossen
Theile ein Raub der Flammen, die von Dalmatien vor
fünf Jahren als altes Papier veräussert.
Vollständig scheinen sie in keinem Kronlande mehr
erhalten zu sein.
Diesteiermärkischen Indicationsskizzen
Jagen in einem dumpfigen Magazin. Jene Karten, welche
fach auf dem feuchten Boden zu liegen kamen, vermoderten
gänzlich, die aber stehend aufgestellt wurden,
blos an der unteren Kante, sind also verstümmelt. Die
historische Landescommission für Steiermark
erbat sie sich vom k, k. Finanzministerium zur
Aufbewahrung und stellte sie in der Landesbibliothek
am Joanneum zu Graz provisorisch auf, wo sie
zum Studium frei benützt werden können, und dieses
Studium ist in Graz so bequem und angenehm, wie
nur möglich, gefördert durch die stattliche Reihe von
Urbar- und Grundbüchern, die der unermüdliche Landesarchivdirector
J. v. ZAHN in seinem Musterinstitute
aufgespeichert hat. Archivadjunct Dr. A. Mei, welchem
die steiermärkische Landeskunde schon manchen
werthvollen Beitrag zu verdanken hat, verfasste einen
erschöpfenden Index dazu und der historische
Verein für Steiermark liess ihn in den „Bei-;rägen
zur Kunde steiermärkischer Geschichtsquellen“
1893 drucken.
Der historische Verein für Steiermark bezieht nebstlem,
wie schon bemerkt, je ein Exemplar jeder für die
Stampfe bestimmten alten Rohmappe unentgeltlich,
Für Steiermark zunächst geschah also
jas denkbar Möglichste, weil sich dort das
Landesarchiv und die historische Landes-3ommission
der Sache angenommen haben.
Wenn dasselbe auch in den anderen Kron-‚ändern
geschehen wäre, so müsste man die
;ingetretenen Verluste heute nicht beklagen.
Jie Finanzbehörden trifft da keine Schuld,
jenn die Pflege der Heimatskunde ist nicht
hr Beruf, und so oft an sie die Bitte um
Conservirung eines Operates gestellt worden
‚st, haben sie bereitwillig willfahrt. Dies
sei hiemit dankbarst hervorgehoben. Ja,
sie gingen noch weiter: In einem grossen
Kronlande haben sie sogar aus eigenem
Antriebe dem Landesausschusse die für sie
annöthig gewordenen alten Indicationsskizzen
schon vor 12 Jahren angeboten und
lie ganze weitere Zeit, bis zum heutigen
Tage den Raumverlust, den ihnen dieser
Ballast verursacht, langmüthig getragen,
Dies Alles sage ich da, nicht um zu recriminiren
— dies wäre zwecklos —, sondern um von Unschuldigen
mögliche Reeriminationen im Vorhinein abzuwenden.
Nun ist die Frage: Was jetzt?
Diese Frage haben die Steiermärker bereits gelöst;
sie haben Alles im Trockenen und damit sie auch einen
Schlüssel dazu gewinnen, lässt die Historische Landeszommission
— im Anschlusse an ZaAun’s vortreffliches
‚Ortsnamenbuch der Steiermark im Mittelalter“. Wien,
1893 — soeben sämmtliche Vulgo- und Lagennamen
Jes Herzogthumes conscribiren. Die hochwürdigsten
Herren Fürstbischöfe von Seckau und von Lavant übernehmen
die Vermittlung und die hochwürdige Pfarrgeistlichkeit
wird die Fragebögen ausfüllen.
Nachdem so in Einem Kronlande schon alles Nöthige
zeschehen ist, um das wirthschaftsgeschichtliche Studium
möglich zu machen, so möchte man glauben, dass
iasselbe von Seiten der übrigen Kronländer einfach
;opirt werden könne. Dies ist leider nicht ausführbar,
lenn nicht jedes Kronland. hat ein Landesarchiv und eine
‚andesbibliothek, und im Besitze eines solchen Landesırchivs
und einer solchen Landesbibliothek ist keines
zon den Österreichischen Königreichen und Ländern,
Alles, was Steiermark betrifft, ist im allgemein
zugänglichen Landesarchive zu Graz im Originale oder
wenigstens in Copie vorhanden, und die jedem Dorfschullehrer
Steiermarks portofrei dienstbare
Landesbibliothek. steht mit allen öffentlichen
issenschaftlichen Büchereien Oesterreichs und Deutschands
in regem Verkehre; sie kann von den bei ihr
zufbewahrten Indicationsskizzen alles Gewünschte dem
Torscher zugänglich machen, sei es in die Universitäts-»ibliothek
nach Czernowitz, Lemberg, Krakau, Wien,
Drag, Innsbruck, Budapest, Agram, sei es in die