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Full Text : Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft in Wien, N.F. 17=27.1897

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Und in Abschichtung ist der mittelalterliche
Deutsche als Herr ausgedehnter, dicht bevölkerier
Flächen, die er erobert oder nur eingenommen, ein
grosser Meister gewesen, Merrzen’s volksgeschichtliche
Karte Centraleuropas zeigt, wie gross das mittelalterliche
 deutsche Herrschaftsgebiet und wie verhältnissmässig
 klein das ursprüngliche Volksgebiet der Deutschen
 gewesen ist.
So kommt es, meine hochverehrten Herren, dass
z. B. in Südsteiermark, einem schon in vorkarolingischen
 Zeiten unter die deutsche Herrschaft gerathenen
Lande, die gesellschaftliche Structur noch im XIII Jahrhunderte
 eine so alterthümliche war, dass sie unschwer
als unmittelbar aus dem Halbnomadenthum hervorgegangen
 wahrgenommen werden kann, während
andererseits in Böhmen, wo sich der volksdeutsche
Einfluss wirthschaftlich und gesellschaftlich erst seit
dem XII Jahrhunderte bemerkbar machte, die Zustände
 sich so ansehen, als ob Böhmen seit Anfang
der Dinge fest besiedelt gewesen wäre und nie halbnomadisch,
 geschweige denn nomadisch,
Und dennoch fehlt es nicht an Anzeichen, dass
auch in Böhmen dieselben gesellschaftlichen Zustände,
wie wir sie in Untersteier noch im XIII, Jahrhunderte
nachweisen können, dereinst geherrscht haben; aber
sie haben sich in Böhmen von selbst einfach ausgelebt,
 wie sich eine Raupe auslebt., Freilich wurde
dieses Ausleben — so wie in Kärnten — durch eine
siegreiche Revolution der ackerbauenden, also der
ärmeren Volksschichte beschleunigt, eine Revolution,
welche durch die bäuerliche Herkunft der böhmischen
Volkskönige hinreichend beglaubigt ist.
Im Ganzen gilt es geradezu als Regel, dass, je
früher ein Slavenvolk unter die deutsche Herrschaft
gelangt ist, desto conservirter, primitiver sich seine
gesellschaftlichen Verhältnisse erhielten, an deren Abschaffung
 dem deutschen Herrn nichts gelegen war.
Das Alles sind gewiss hochwichtige Erscheinungen;
aber auf die Dauer wird sich die fortschreitende
Wissenschaft mit der einfachen Constatirung solcher
Thatsachen und deren Einzelnheiten nicht begnügen
können; sie wird ein tieferes Eingehen auf diese
Fragen fordern, weil es sich da um Gewinnung eines
sicheren Ausgangspunktes für die österreichische
 Wirthschaftsgeschichte handelt,
Ein tieferes Eingehen auf diese und derlei Fragen
ist nicht nur geboten, sondern auch leicht möglich.
Es ist zum Beispiel nach dem landesfürstlichen
Güterverzeichnisse vom Jahre 1265, dem sogenannten
Rationarium Stirie, in Uebereinstimmung mit dem erzbischöflich
 salzburgischen Urbarbuch vom Jahre 1309
möglich, eine statistische Untersuchung des Verhältnisses
 der Supane zu der Masse der Bauern
im südlichsten Theile Steiermarks vorzunehmen.
Es kommen da in sehr zahlreichen Fällen auf Einen
Supanus blos drei Bauern; jeder dieser Bauern besitzt
eine Hube, der Zupan dagegen deren zwei; das bedeutet,
 dass da ein Viertel der Familien Supanenfamilien
 waren; den Supanen gehörten 400/, der ausgethanen
 Grundstücke. den Bauern nur 600/.1

Die Statistik lehrt uns also, dass hier die
Supane keine Beamte, sondern eine sehr zahlreiche
/olksschichte gewesen sind; ihre Gewalt über die
3auern war eine wirthschaftliche, von unseren
zewöhnlichen Vorstellungen weit abweichende. Darüber
jelehrt uns eine Stelle des genannten Salzburger
Jrbars von 1309: et villa, que habet aratrum, tenetur
ırare officiali dies tres , ... und eine zweite Stelle:
3t si Villa habet integrum aratrum, tenentur officiali
arare, . ...
Was sind das für landwirthschaftliche Zustände,
welche in einem Dorfe nicht einmal einen Pflug so
öhneweiters voraussetzen? Wie baute man Getreide
an, ohne einen Pflug?
Die Antwort: Mit einer Handhacke riss man
in Stück Boden auf, von welchem man den Wald
oder Gestrüpp verbrannt, weggeschwendet hatte, und
;äete in die Asche; die Ernte war reichlich, das geschwendete
 Grundstück konnte also recht klein sein.
Auf einem solchen war auch der primitivste Pflug
ınbrauchbar, er hätte vor lauter Wurzeln und Steinen
nicht vorwärts können, brechen müssen,
Sobald die Ertragsfähigkeit des geschwendeten
arundstückes so gesunken war, dass es sich besser
;ohnte, ein anderes zu schwenden und anzubauen,
lann wurde es einfach derelinquirt, diente sodann als
Weide und setzte allmälig wieder einen Wald an.
So entstand allmälig ein besonderer wirthschafticher
 Turnus, in welchen eine bestimmte Ordnung
zebracht werden musste; deren Aufrechterhaltung lag
vugenscheinlich dem Zupan ob, welcher auf seiner
Joppelhube, wie seine Zinsungen beweisen. mehr Viehzüchter
 war.
Es ist kein Zweifel, dass in den Zeiten,
welche der deutschen Herrschaft voranzegangen
 sind, diese Viehzüchter Herren,
pro indiviso, ausgedehnter Weidereviere,
Zupen, gewesen sind und gegen gewisse
Gaben den verarmten Volksgenossen gestattet
 haben, Getreide in der eben bezsprochenen
 Weise anzubauen; auch mochten
lie Viehzüchter, die Halbnomaden, durch
zigene Sclaven Grundstücke für sich hahen
ınbauen lassen,
Als die Deutschen Herren des Landes wurden und
jelbstverständlich für sich selbst so viel Boden als
nöglich in Anspruch nahmen, durften die Supane
nicht mehr im ganzen Reviere herumstreifen, denn
lieses wurde durch die deutsche Landnahme als solches
;assirt; die Supane wurden also mit je zwei Huben
ıbgefunden und die ackerbautreibende, untere Volksschicht
 wurde unter die Supane vertheilt. Zumeist
;ıcheinen unter Einen Zupan drei Bauern gekommen
zu sein; der Zupan und die drei Bauern erhielten
— wie es scheint — einen Complex von zusammen
50—100 ha, darin der Zupan das Doppelte eines
Zauernantheiles; und auf diesen 60—100 ha — überwiegend
 Wald! — fristeten drei und durch Theilung
später bis acht und mehr Bauernfamilien und die
Jescendenz des Zupan das Lehen. wohl nicht in Saus
            
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