MITTHEILUNGEN
Anthropologischen Gesellschaft in Wien.
(Band XXVII. Der neuen Folge XVYVI1I. Band.)
Nr. 1. Januar u. Februar, Sitzungsberichte. 1897.
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INHALT: Monats -Versammlung am 12, Januar 1897. 1, Hoffmann, Einladung zum. Besuche seiner Ausstellung; S. [1]. — 2. Peisker, Die österreichische
Wirthschaftsgeschichte und ihr wichtigster Behelf, die Katastralkarte; 8. [1].
Ausschuss-Sitzung am 9. Februar 1897. 1. Veränderungen im Stande der Mitglieder; S. [8]. — 2. Erweiterung des Comites für Hausforschung;
S. [8]. — 3. Voranschlag für die praktischen Arbeiten; S. [8]. — 4. Excursion nach Brünn; S. [8]. — 5, Abänderung der
Statuten; S. [8]. — 6, Subvention; S, [81. — 7. Internationale Ausstellung in Brüssel 1897; S. [8]. — 8, Schriftentauschangelegenheiten;
S. [10].
Monats -Versammlung am 9. Februar 1897. 1. Wallaschek, Anfänge unseres Musiksystems in der Urzeit; S. [10]. — 2. Miske, Bronzefund
bei Velem-St. Veit; S. [13]. — 3. Reinicke, Depötfund von Steinwerkzeugen in Dalmatien: S. [171. — 4. Zelisko, Steinwall Vönee in Südböhmen;
S. [18]. — 5. Geschenke für die Bibliothek; S. [19].
Aufruf zu Beiträgen für das Grabdenkmal von Anatol Bogdanow: S. [20].
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Monats -Versammlung am 12. Januar 1897.
Vorsitzender: Herr Dr. THEODOR V. INAMA-STERNEGG,
]. Herr Maler Josef Hoffmann ladet die Mitglieder
der Gesellschaft persönlich zum Besuche der ersten
Abtheilung seiner durch zahlreiche Gemälde vorgeführten
„Weltreise-Ausstellung“ ein, welche sich im BRessel-Parke
vor der technischen Hochschule in einem eigens
hiezu errichteten Holzgebäude befindet. Die erste Abtheilung
umfasst Algerien, Tunis, Aegypten und Indien
und ist durch die Darstellung der verschiedenen Bevölkerungstypen
von ethnographischem Interesse. Die
ım März zu eröffnende zweite Abtheilung wird Bilder
aus Ceylon, Java, den Aequatorial-Inseln. sowie China
and Japan enthalten.
2. Herr Dr. Johann Peisker aus Graz hält einen
Vortrag:
Die österreichische Wirthschaftsgeschichte und ihr
wichtigster Behelf, die Katastralkarte.
Den Anfang nahm unsere Forschung von Goethe’s
congenialem Zeitgenossen Justus MösEer, der vor
120 Jahren die Bauernhube, die kleinste wirthschaftliche
und Besitzeinheit als Actie definirte und so
ihren genossenschaftlichen Charakter aufdeckte.
Die erste Geschichte dieser genossenschaftlichen
Landactie schrieb GEorG Hanssen 50 Jahre später. Er
verknüpfte hiezu folgende Erscheinungen:
In einem grossen Theile altgermanischen Bodens,
von Südschweden über Dänemark fast ununterbrochen
bis zum Main, begegnen wir vor der Commassation
zeradezu ausschliesslich Gewanndörfern, bei denen
’ekanntlich die Feldmark in regelmässige Parallelozramme,
Gewanne, und jedes derselben in so viele
zleichbreite Ackerstreifen getheilt ist, als es Huben
;m Dorfe gibt; Jeder Vollbauer hat je einen Streifen
in jedem Gewann und die Gesammtheit dieser planmässig
über die ganze Feldmark zerstreuten Streifen
1ebst dem Gehöfte im Dorfe und der quotalen Nutzung
Jer Gemeindegründe macht eben die Hube aus, Danach
ıat jeder Hubner einen gleich grossen, gleich guten,
zleich entfernten Grundbesitz, Bei der üblichen Dreielderwirthschaft
liegt jedes Jahr ein anderes Drittel
ler Feldmark brach und unterliegt gemeinschafılicher
3Zeweidung, Diese Feldeintheilung muss eine sehr alte
sein, denn schon die dänischen Gesetze des XIII. Jahrhunderts
enthalten sehr genaue Vorschriften, wie diese
schöne Ordnung der Dinge aufrecht zu erhalten sei.
Die sogenannten Gehöferschaften des Hunsruck
haben dieselbe Structur, und es wurden dort bis in
lie neueste Zeit immer nach Ablauf einer bestimmten
Anzahl von Jahren alle Privatgrenzen für aufgehoben
erklärt, die sämmtlichen Parcellen, also der gesammte
Yrivatbesitz eingezogen, die ganze Feldmark von Neuem
oft in ganz andere Gewanue als früher zerlegt und
jedes dieser Gewanne sodann in so viele Ackerstreifen
zetheilt, als die Hubenzahl des Ortes ausmachte.
Jer Boden der Gehöferschaft unterlag also periodischen
Neuvertheilungen; Niemand hatte daran ein
’estes, dauerndes Sondereigen, sondern blos eine Quote,
leren effective Realität sich bei jeder Neuvertheilung
vollständige änderte: die hesitzliche Behandlune der
Hochansehnliche Versammlung!
Die erste, das Werden der Dinge darstellende
Deutsche Wirthschaftsgeschichte der älteren Periode
hat bekanntlich Ihren Vicepräsidenten Herrn v TwAma-STERNEGG
zum Verfasser,
Seit dem Erscheinen des ersten Bandes sind erst
17 Jahre verflossen, aber der Fortschritt, welchen seitdem
die Wissenschaft unter steter Mitarbeiterschaft
dieses Gelehrten gemacht hat, ist ein so bedeutender.
dass uns gewiss nur mehr wenige Jahre davon trennen,
bis wir werden ausrufen dürfen: Heureka, festen
Boden haben wir unter den Füssen!
Wie einer jeden modernen Forschung, ist es auch
der unserigen vor Allem darum zu thun, einen festen
Ausgangspunkt zu gewinnen; denn so lange wir
nicht ganz sicher über die ältesten wirthschaftlichen
Zustände der Deutschen und der Slaven unterrichtet
sind, bleibt unsere ganze Forschung auf Sand gebaut.
Es sei mir gestattet, eine kurze Uebersicht des
bisher darüber Geleisteten vorzubringen:
Mittheilnngen d. Anthrop. Gesellsch. in Wien. Bd. XXVIL 1897. Sitzunesherichte