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flusses, So hält FrLorınsKis auch den bekannten „gothischen“
Stil der Denkmäler aus der ersten Hälfte des ersten Jahrtausends
nach Christi für einen Ausdruck des slavischen Ein-Ausses
(S 93). Was in der byzantinischen Cultur orientalischen
Ursprunges. ist, wurde wenigstens von Slaven bearbeitet und
dann von Byzanz übernommen, .
Mit. diesem Essali schliesst die eigentliche Einleitung des
Werkes, die, wie schon gesagt, zugleich auch seine Grundlage
bilden soll. Denn das Ziel des Verfassers, der Zweck seiner
mühevollen Arbeit ist nun, zu zeigen, dass die archäologischen
Denkmäler, die bis jetzt in dem breiten
Gebiete von den Karpathen ostwärts bis tief
nach Sibirien gefunden wurden, uns die eigene
altslavische Cultur repräsentiren.
Ich glaube, dass es ‚nicht nöthig sei, näher auf die
Widerlegung der einzelnen Fehler einzugehen. Man muss wirklich
bedauern, dass. eine mühevolle und sonst verdienstvolle
Arbeit auf eine solche Basis gestellt worden ist,
Der eigentliche Werth des Buches liegt in den folgenden
Capiteln, die zwar auch der falschen Idee folgen, fast
Alles, was sich in Russland und Sibirien aus früherer Zeit
gefunden. hat, als ein Product der altslavischen Cultur darzustellen,
die aber dabei eine Fülle von Material enthalten,
das uns sonst wenig bekannt und, da in verschiedenen
Museen und Gegenden Sibiriens zertreut, fast unzugänglich
ist. Dabei erörtert der Verfasser auch manche höchst interessante
Seite des vorhistorischen Culturwandels, die nicht
ohne Belang sind für das übrige Europa und namentlich für
die Entwicklung der eigentlichen slavischen Cultur. Vgl..z. B.
Jie interessante Schilderung des Handels des alten Biarmien
and Westsibiriens im Capitel V,
Hier sei nur kurz der übrige Inhalt des Werkes angedeutet:
Das Capitel IV bespricht die ostrussischen und
sibirischen Befestigungen der Vorzeit (gorod, gorodise) und
sucht dabei ihren slavischen Ursprung zu bezeugen. (Unter
Anderem erklärt er das Thonmaterial für ein nationales
Charakteristikon.) Das Capitel V belehrt uns, wie schon
gesagt, über den alten sibirischen Handel, sucht alte Handelswege
im Netze der Flüsse und Befestigungen auf und zeigt,
wie das Permierland zum Hauptmarkte der Mineralproducte
les Altai, namentlich des altaischen Silbers wurde,
Es versteht sich von selbst, dass die betreffenden Vertreter
des Handels nicht Finnen oder Tataren, sondern nach
der Meinung des Verfassers Slaven waren, Ihnen gehört der
ganze Handel, sowie der Metallgrubenbau. Capitel VI bespricht
die Funde aus den Ruinen der alten Stadt Bolgary
an der Wolga (in der Nähe der Mündung der Kama) und
endet mit einer Erörterung der slavischen Nationalität der
alten Bulgaren. Alle ihre Denkmäler, bevor dieses Volk den
{slam angenommen und sich dann stark gemischt hat, sollen
slavischen Ursprungs sein (S. 343). .
. Im ersten Capitel des zweiten Theiles kehrt der Verfasser
wieder zu den ethnologischen Betrachtungen zurück. Er er-Öörtert
zuerst die physikalischen Einflüsse des Landes auf die
Entwicklung der alten Arier. Dabei erfahren wir, dass nicht
nur Westsibirien, sondern auch ein grosser Theil des westlichen
Kitaj und der heutigen nordwest ıen Mongolei in der
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zorchristlichen Zeit von Ariern besetzt war, und zwar namentich
von dem slavogermanischen Zweige (S. 56). Von hier
zogen sie dann nach Europa aus, Zeugnisse ihres ehemaligen
Daseins und ihrer westlichen Züge bieten uns besonders die
Zurgane mit allen ihren Objecten, dann verschiedene Runennschriften.
(Auch die bekannten Orchon-Inschriften hält
7LORINSKIS für arisch gegenüber der Meinung von Ranıorr.)
Vamentlich liefern uns die „kamennyja baby“ (Steinbaben)
larüber wichtige historische Zeugnisse. Sie gehören nur den
lavischen Saken an (S. 53). Das Centrum und die Wiege der
3Javen war die Gegend von den sieben Flüssen (Semir&&je);
lagegen wuchsen in der Gegend von Minussinsk die Germanen
auf. |
Mit dem zweiten Capitel beginnt der Versuch einer
sjgentlichen vergleichenden Archäologie Sibiriens auf Grund
les Materiales, das der Verfasser, besonders in den Museen von
Tomsk, Minussinsk und Tobolsk, studirt hat. Zuerst werden
lie sibirischen Stein- und Beinobjecte eingehend besprochen
schade nur, das hiebei wieder der trojanische Krieg und die
;rojanischen Alterthümer eine wichtige Rolle spielen sollen),
ihre Verbreitung in Sibirien und Russland, ihre Formen,
Material und Terminologie. , ;
Das dritte Capitel würde gewiss eines der lehrreichsten
sein, wenn sich der Verfasser die Methode der archäologischen
Analyse besser angeeignet hätte. Er bespricht darin die
sibirische Keramik und ihre Verhältnisse zu den russischen
Funden. Er glaubt wieder dieselben Formen und dieselben
Typen an beiden Seiten zu finden und so wieder den ethnologischen
Zusammenhang beider Länder zu bezeugen Aber
die Analyse der Typen lässt viel zu wünschen übrig?!). Auch
sind die übrigen europäischen Funde ihm sehr wenig bekannt,
lenn sonst könnte er z. B. nicht schreiben, „dass die schwarze
Keramik in Europa (ausser Russland) vollkommen unbekannt
ist“ (S. 217).
Ich glaube,.das Gesagte genügt schon vollkommen, um
zu zeigen, in welchem Masse die ethnologische Grundlage
les Buches verfehlt ist. Ihre Fehler zu widerlegen, kann ich
nir gewiss ersparen. Ich stelle mich zwar nicht absolut gegen
die Zulässigkeit einzelner seiner Theorien, aber die Gesichtspunkte
des Verfassers sind meistens veraltet und irrig und
auch seine Argumentation vielfach ungenügend. Wo wir im
5anzen nur Einflüsse der‘ asiatischen Cultur auf die alte
Sultur der Slaven sehen, da sieht der Verfasser eine und
lieselbe Nation. Das ist der Hauptunterschied unserer
Gesichtspunkte. Die Sache kann strittig sein, aber gewiss
)edarf seine Meinung eine ganz andere Fülle von Argumenten,
als wie man sie in seinem Buche lesen kann. Nach meiner
Meinung fällt bei kritischer Beleuchtung der ganze ethno-'ogische
Aufbau des Werkes zusammen und bleiben nur
einige positive Ergebnisse stehen; diesen kann man aber
auch wirkliches Lob spenden. Ich habe sie schon oben hervorgehoben.
1... Niederle.
ı) Der Verfasser unterscheidet besonders zwei „nationale“
Typen: «) die feinere schwarze Keramik mit geometrischer
Verzierung und 5) die gröbere aus gelblichem oder röthlichem
Thon; deren Verbreitung stimmt aber wenig mit seinen
anderen Folgerungen
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