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Marienburg über die Nogat führt, und übertrifft auch die
Weichselbrücken über Dirschau und Graudenz um 446 und
139 m Länge. So ausgedehnte Bauten, meint Conwerntz mit
Recht, „dienten nicht einem zeitweilig auftretenden Bedürfnisse,
auch nicht einer beschränkten Verbindung zweier benachbarter
Orte, sondern sie bildeten einen Hauptbestandtheil der
grossen Strasse, auf welcher sich lange Zeit fast der ganze
Verkehr von der Weichsel nach Osten bezw. Nordosten hinzog“.
Als den germanischen Volksstamm, dessen Hände diese
Brücken geschlagen, betrachtet der Verfasser die Gothen
‚Gotoni, Gythones), welche nach Tacitus und Ptolemäus vor
Christi Geburt im unteren Weichselgebiete, etwa zwischen
Graudenz und Thorn, gewohnt haben müssen (vgl. die La
Töene-Gräberfelder von Rondsen und Kulm).
In dieser Zeit hatte der jetzt kleine Drausensee südlich
von Elbing eine viel grössere Ausdehnung und das südlich
anstossende Sorgethal war grösstentheils versumpft und schilfoder
wasserbedeckt. In zahlreichen Becken stehenden Gewässers
wuchsen Fieberklee und andere Pflanzen, an den
Thalrändern niederes Gehölz von Weiden, Schwarzerlen und
Birken; auf den Abhängen und Plateaus standen meilenweite.
Hochwälder aus mächtigen Eichen, Kiefern, Roth- und
Schwarzbuchen, unter welchen Hasel- und andere Sträuche:ı
den Boden bedeckten. An den sumpfigen Seeufern hausten
Ur und Biber, in den Wäldern Elch, Edelhirsch und Reh:
auf waldentblössten Strecken weidete eine kleine halbwilde
Pferderasse. Die Gothen trieben Jagd, Viehzucht und Ackerbau;
sie fertigten Thongefässe, die sie für den Grabgebrauch
seltsam ausgestalteten und schmückten, Den Import von
Süden her vermittelte die grosse Handelsstrasse am rechten
Weichselufer, welche im unteren Gebiete der Sorge, dem
Höhenrande folgend, südlich um den Drausensee und weiter
nordöstlich nach dem Samlande führte. „Auf diesem Wege,“
sagt ConwenTtz, „hatte man verschiedene Thaleinschnitte, besonders
das breite Thal der Sorge zu kreuzen, und das
Hinderniss, welches seine sumpfige Bodenbeschaffenheit bot,
wurde von den Eingeborenen durch Anlegung der Moorbrücken
bewältigt. Dieselben bedeuten somit einen wichtigen Uebergang,
welcher lange Zeit, jedenfalls durch Jahrhunderte, einen
grossen Theil des ganzen Verkehres vom Süden zum Norden
vermittelt hat “ Wer die Bedeutung dieses Verkehres für den
Norden kennt, wird auch den Werth des neuen Zuges, welchen
Conwaentz dem Bilde der germanischen Urzeit hinzugefügt
hat. richtig ermessen, M. Hoernes.
17.
Almgren, Oscar: Studien über nordeuropäische
Fibelformen der ersten nachchristlichen Jahrhunderte.
Mit Berücksichtigung der provinecialrömischen
und südrussischen Formen. Akademische
Dissertation. I. Text (XII + 243 pp.) II Tafeln
(248 Fig. auf 11 Tafeln). Stockholm 1897. 8%
Ein starkes Buch über die Fibelformen eines beschränkten
Zeitraumes und eines beschränkten Fundgebietes ist eine
ganz neue Erscheinung in der archäologischen Literatur.
HicneBRAnD, Tischner, MoxteLius studirten entweder alle ihnen
zugänglichen Haupttypen europäischer Fibeln oder wenigsten:
alle Fibeln eines bestimmten Landes. Aber AıLMGREN's Werk
zennzeichnet eben, nach diesen Bahnhbrechern, eine Jüngere
Zeriode in der Bearbeitung urgeschichtlichen Materiales: die
ler gesteigerten philologischen Gründlichkeit, der extremen
iewissenhaftigkeit gegenüber einem stark angewachsenen
Stofte, welcher dringend nach monographischer Durcharbeitung
ınd nach ausgedehnter Arbeitstheilnng zu diesem Zweeke
verlangt.
Aunaren’s „Nordeuropa“ ist das ausserhalb der weitesten
römischen Reichsgrenzen verbliebene Gebiet von dem Rhein
ınd der Donau bis in das westliche Russland und bis zur
Mitte der skandinavischen Halbinsel, während der ersten
Jrei bis vier Jahrhunderte nach Christo, im Wesentlichen
also das Gebiet freier Germanen der römischen Kaiserzeit.
Der Autor hat sein Material im Hinblicke auf die hier
angezeigte Publication während zweijähriger Studienreisen
jowohl in jenem Gebiete, als auch in den angrenzenden,
s»inst römischen Rhein- und Donauländern gesammelt und
ibt mit der Veröffentlichnng desselben in deutscher Sprache
une dankenswerthe Rücksicht auf den grösseren Theil der
7zon ihm bereisten Länder Nahezu die Hälfte des Textbandes
S. 132—243) wird von den „Beilagen“ (Nachweisungen in
Verzeichnissform) eingenommen, welche das Fundament der
Jehandlung bilden. Es kann hier nicht der Ort sein, auf
Zinzelheiten einzugehen; der ganze Stoff Anmaren’s ist ja ein
Detail, wenn auch eines der allerwichtigsten. ALMGrRen bildet
sieben Gruppen specifisch nordeuropäischer Fibelformen, zu
welchen als achte die Gruppe der Scheibenfibeln kommt, und
widmet eine besondere Betrachtung den specifisch provincialvömischen
Typen, die nur sporadisch in Nordeuropa auf-;reten.
Zeitlich unterscheidet der Verfasser eine ältere und
3ine Jüngere „römische“ Periode, deren Zwischengrenze etwa
ım 200 n. Chr. liegt. Die ältere Periode „ist charakterisirt
heils durch allmälige Umbildung der vorhergehenden La T&ene-Jultur,
theils durch römischen Import“, die jüngere durch
ıUnen plötzlich von Südosten hereinbrechenden mächtigen
Yulturstrom,‘ „der neue Formen mitführt, welche die alten
jald verdrängen oder wenigstens in stark umbildender Weise
»eeinflussen“, Die ältere Periode zerfällt in zwei bis drei
schon von MoxtEeuius erkannte zeitlich gesonderte Fundgruppen
‘des ersten, des zweiten Jahrhunderts und der Zeit um 200).
HosrmAnx und TıiscnnerR hielten alle Fibeln dieser Zeit für
römische, nach Nordeuropa importirte Fabrikate. HıLDEBRAND
und Sornus MüönLer zeigten dagegen, dass sie mit wenigen
Ausnahmen nicht römische, sondern germanische Arbeiten
sind, die nur ganz vereinzelt auch auf provincial-römischem
Boden angetroffen werden. Mit schlagenden Gründen bekämpft
\LMGREN (S. 116) die Annahme TiscuLer’s, dass jene Fibeln
nur für den Export“ gearbeitet worden und deshalb auf
ıichtrömisches Gebiet beschränkt seien. Er hält es für unjestreitbar,
„dass die hier behandelten Fibeln im Allgemeinen
nnerhalhb derjenigen Gebiete, wo sie am häufigsten vorkommen,
angefertigt worden sind.“ Gab es doch schon während der
Spät-La Tene-Zeit im mittleren Schweden eine locale Fibel-“ahrikation.
Die ältesten Gruppen nordisch-römischer Fibeln entwickelten
sich aus Spät-La Tene-Formen, wie sie namentlich
in den Donauländern, zumeist in Oesterreich — viel seltener
am Rhein — vorkommen. Vom Beginne der Römerherrschaft
in den Alnenländern geht iedoch die Entwicklung im Norden