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aus einer spätrömischen Armbrustfibel mit Thierkopf am
Fussende hervorgegangen sei. Die zahlreichen Abbildungen,
in denen jene Entwicklung dargelegt ist, sind von vorzüglicher
Schönheit und Treue, M. Hoernes.
Müller, Sophus: Ordning af Danmarks Oldsager.
(Systeme prehistorique du Danemark, Rösum6 en
Francais) I. Jernalderen. 104 pp. 4° mit 42
Tafeln. Herausgegeben auf Kosten des Carlsberg-Fonds.
Kopenhagen. C. A. Rerrzer 1895 9).
Mit dem Erscheinen dieses Bandes ist ein Werk abgeschlossen,
wie es für jedes europäische Land existiren sollte.
Es ist eine handliche, knappe, aber durchaus mit Fundangaben
und trefflichen Abbildungen belegte Darstellung der
vorgeschichtlichen Culturperioden Dänemarks. Man muss zugeben,
dass in Dänemark für eine solche Leistung die Vorbedingungen
erfüllt sind, wie nur selten in Europa. Die prähistorische
Forschung wird dort seit Langem consequent und
mit Erfolg betrieben. Das Fundgebiet ist ergiebig, aber klein
und von der Natur gut abgegrenzt. Dazu kommt, dass es
im skandinavischen Norden keine Alterthümer gibt, die den
prähistorischen ihren Rang streitig machen, Der König selbst
steht in Dänemark als Präsident an der Spitze der Gesellschaft
zur Erforschung nordischer Alterthümer. Dies Alles
zusammen begründet den Vorrang der skandinavischen Prähistorie
vor dem zerrissenen und zerpflückten Betrieb solcher
Studien in anderen Ländern, einen Vorrang, den wir anerkennen,
aber auch mehr und mehr zu verringern trachten
müssen. |
Die skandinavische Prähistorie wendet sich mit unzähligen
Fragen an die Urgeschichte des mittleren und güdlichen
Europa. Schon lange haben die schwedischen, norwegischen
und dänischen Archäologen angefangen, an der
Systematik der Alterthümer Griechenlands und Italiens energisch
und zielbewusst mitzuarbeiten. Wir brauchen nur Uxpser
MoxTeLius und Sornus Münner zu nennen. Aber zwischen den
classischen Mittelmeerländern und dem norddeutsch-skandi.
navischen Gebiet liegt Oesterreich-Ungarn, Süddeutschland
und die Schweiz. Wenn es uns um nichts Anderes zu thun
wäre, als in der Deutung der grossen Erscheinungen deı
germanisch-nordischen Urgeschichte: den Norddeutschen und
Skandinaviern hilfreiche Hand zu bieten, so hätten wir schon
darum Aehnliches anzustreben, wie es dort mustergiltig geleistet
worden ist: eine gründliche „Ordnung“ unserer alten
Denkmäler, Wir haben die Theile des Systems nahezu in der
Hand; es liegt nur an uns, dasselbe aufzustellen. Und es liegt
auf der Hand, dass wir es nicht blos wegen der nordischen
Alterthümer, die von hier aus ihr Licht empfangen werden,
sondern um unserer eigenen Urgeschichte, unserer Landesund
Völkerkunde willen thun sollten.
Mehr als ein Jahrtausend brauchte die Kenntniss des
Eisens, bis sie sich aus dem Oriente durch die elassischen
15.
ı) Das Werk begann 1888 mit dem Abschnitte „Steinzeit“
(vgl. diese Mitth, XX, S, 107), welcher jetzt mit dem
1891 erschienenen Abschnitt „Bronzezeit“ zum ersten Theile
„Sten- og Bronzealderen“ vereinigt ist. Die Eisenzeit bildet
den zweiten und abschliessenden Theil.
Länder des Südens und minder entlegenen Barbarengebiete
zu den alten Einwohnern Dänemarks verbreitete. Vom vierten
vorchristlichen bis zum zehnten nachchristlichen Jahrhundert
währt die vorgeschichtliche Eisenzeit des Nordens, deren
Phasen genau den Perioden der frühgeschichtlichen Entwickung
in anderen Ländern nördlich der Alpen entsprechen. Im
Anfange waren es Einflüsse aus benachbarten keltisirten und
romanisirten Gebieten, zuletzt Wikingerfahrten und wveitreichende
Handelsbeziehungen, welche dem germanischen
Norden — neben hinlänglichen Spuren einer gewissen Sonderstellung
— das gemein-europäische Gepräge aufdrückten.
Die Eisenzeit Dänemarks zerfällt in eine erste, vom
4. Jahrhundert vor Christo bis zum 5. Jahrhundert nach
Christo, und eine zweite, vom 5. bis zum 10. Jahrhundert
nach Christo. So geht die erste Eisenzeit parallel mit dem
grösseren Theile des classischen Alterthums im Süden; die
zweite umfasst die ältere Hälfte des Mittelalters. Das Alles
ist für die Nordländer „Alterthum“, heidnische, vorgeschicht-‘iche
Zeit. Die erste Eisenzeit zerfällt ferner in eine vor-:mische
(keltisch beeinflusste), eine specifisch römische und
eine Zeit der romanisirten Germanen der Völkerwanderung.
Die zweite Eisenzeit gliedert sich in eine nachrömische und
in die Wikingerperiode. Während der ersteren erhob sich die
Kunst und Cultur auf dem Boden der neugegründeten
»hristlichen Staaten zur carolingischen Renaissance (in der
der heidnische Norden noch in einer Sonderstellung ver-1arrte);
die Wikingerzeit bringt das erste Erscheinen der
Nordmänner in der Geschichte, und mit dem Untergange des
Heidenthums treten diese vollends in die Bahnen der ecivilisirten
europäischen Völker.
Innerhalb dieser Unterperioden kann man noch ältere
und jüngere Typen und geographische Gruppen erkennen.
Terner bilden in allen Zeiträumen die Feld- und Moorfunde,
welche in ähnlichen Depöts der älteren Perioden. ihre Vorläufer
haben, besondere Gruppen gegenüber den Gräberfunden,
:ür welche wieder die Unterscheidung von Männer- und
Frauenbeigaben von Wichtigkeit ist, während die Formen der
äräber jetzt nicht so sehr als Eintheilungsgründe dienen
Können, wie für die Stein- und Bronzezeit.
Dies sind die Hauptzüge von S. MürLEur’s System der
Eisenzeitfaunde Dänemarks. Es umfasst 672 Typen, wobei
minder wichtige oder seltener vorkommende Gegenstände
nicht in Anschlag gebracht sind. Sollen wir etwas vermissen,
3o sind es Ueber- oder Unterschriften auf den Tafeln, wo-Jurch
die Zugehörigkeit der abgebildeten Objecte zu den
einzelnen Perioden, Unterperioden und Gruppen auf den
ersten Blick kenntlich gemacht. würde. M Hoernes.
16.
‘onwentz, H.: Die Moorbrücken im Thale der
Sorge auf der Grenze zwischen Westpreussen
und Ostpreussen. Ein Beitrag zur Kenntniss der
Naturgeschichte und Vorgeschichte des Landes.
(Abhandl. z. Landesk. d. Prov. Westpreussen,
herausgeg. v. d. Prov.-Comm. z. Verwaltung d.
westpreuss. Prov.-Museen, Heft X.) XV +142 pp.
4° mit 10 Tafeln und 26 Textfiguren. Danzig,
Comm.-Verl. von Tu. BerrLinge. 1897: