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Full Text : Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft in Wien, N.F. 17=27.1897

— 239 —
üngeren Bronzezeit zeigen nur Schiffe, neben Strichen und
Jäpfchen. ” ;
Nach den Beigaben in den „Brandplettern“ (Scheiterhaufenvesten
 der ersten Eisenzeit), deren Zahl jetzt auf 200 gestiegen
 ist, gliedert VzoEL die erste Eisenzeit Bornholms
n drei Abschnitte. Der erste (circa 400 vor bis 50 nach
Ihristo) ist charakterisirt durch Mittel- und Spät-La Tene-’ormen:
 plump geschmiedete eiserne Gürtelschliessen und
7ibeln; Waffen fehlen, und man merkt auch noch keinen
Zinfluss‘ römischer Stilmuster, In der zweiten Stufe (circa 50
»is 300 nach Christo) finden sich viele provinzial-römische
3ronzefibeln nordalpiner Typen, grosse einschneidige Schwerter,
"‚anzenspitzen, Schildbuckel und viele Thongefässe. Der dritte
\bschnitt (circa 300 bis 400 nach Christo) bringt neue Fibelormen
 südgermanischer (oder römisch-germanischer) Herzunft
 und viele Waffen, worunter die Schwerter jetzt oft
zweischneidig sind, dann Trinkhörner, römische Bronzezefässe
 und Glasgefässfragmente, sowie locale Thongefässe,
lie noch ohne Drehscheibe, aber sehr gefällig geformt sind.
Gegen das Ende der älteren Eisenzeit werden Skeletzräber,
 wie sie schon seit der zweiten Stufe neben den
‚Brandplettern“ vorkommen, immer häufiger und enthalten
:heils dieselben Objecte, wie die gleichzeitigen Aschengruben,
heils neue Waffen und Schmuckformen. Höchst merkwürdig
st die alterthümliche Töpferei, die mit ihren in Thierköpfe
‚uslaufenden Gefässhenkeln und eingeritzten Hakenkreuzen
an die um mehr als tausend Jahre ältere Villanova-Keramik
“taliens erinnert (vgl. S. 34, Fig. 47, 48), neben dem glänzenden
 Import modischer Fabrikate des Südens.
Das zweite Eisenalter umfasst die Zeit von der
Witte des ersten Jahrtausends nach Christo bis zur Mitte des
silften Jahrhunderts, d.i. bis zur Unterdrückung des Heiden-:hums
 auf Bornholm, Man kennt jetzt auf der Insel ungefähr
500 Gräber aus dieser ganzen Periode, ausschliesslich Skelet-‚räber
 mit nordwärts gewendetem Kopfe, Nur am Anfang
ler Periode scheint noch vereinzelt Brandbestattung geübt
worden zu sein.
Das Wahrzeichen einer neuen Stilepoche ist die Aufı1ahme
 der stilisirten Thierfigur als herrschendes Element der
Jecoration. Zuerst, um 500, kommen bescheidene, verhältılssmässig
 wenig verzerrte Thiergestalten südgermanischen
Stils; dann erscheint, um 700, ein irländischer Stil mit seltsam
 verschlungenen Bändern und langgedehnten, schlangenörmig
 gewundenen Thiergestalten. Zuletzt herrscht der wäh-‚end
 des neunten Jahrhunderts in Frankreich ausgebildete
zarolingische Stil, dessen Thierfiguren und Thiertheile wieder
zürzer gehalten, aber immer noch seltsam genug verdreht
and. Eine besondere Untersuchung hat Vzper. diesmal den
schalenförmigen Fibeln von Bornholm gewidmet. Ovale
schalenförmige Fibeln bilden gegen das Ende der heidnischen
Zeit eine durch ganz Skandinavien und alle von Skandinaviern
‚esiedelten Länder hindurch sehr verbreiteten Typus. Die
Stammform dieser Fibel hat sich in grösserer Zahl jedoch
1ur auf Bornholm erhalten. Sie zeigt (S. 87, Fig. 87 ff.),
lie schematisirte Darstellung eines Frosches oder ähnlichen
Chieres, die sich auch bei sehr überladenen Exemplaren noch
ırkennen lässt. Dieses Thier wird mit der Zeit immer unzenntlicher,
 und zuletzt verwandelt es sich in ein stark gewölbtes,
 reichlich gebuckeltes und durchbrochenes ovales
IJrnament. VeDErL glaubt. dass diese Froschfibel ursprünglich

haufen (Kjökkenmöddinger) aus Bornholm noch unhezeugt.
Jetzt scheint man der Wiederentdeckung einer solchen Vorstufe
 der entwickelten nordischen Steinzeit wenigstens nahe
gekommen zu sein, An zwei Stellen hat man zusammen circa
10 Wohnplätze angetroffen, welche dicht beisammen und hart
am Meeresufer lagen. Die Funde bestehen aus steinernen Beilen,
Pfeilspitzen sehr verschiedener Form, Schabern, Messern,
Bohrern, Abfallsspänen, dann Topfscherben und vielen Thierxnochen
 (vom Schwein, Rind und Seehund). Eigentliche
Muschelhaufen sind es also nicht. Demnach meint Vzpe_,
dass die Eigner dieser Wohnstätten ursprünglich und lange
Zeit als Fischer gelebt, dass sie aber noch vor dem Verlassen
derselben die Viehzucht kennen gelernt hätten. Für intensiveren
 Betrieb der letzteren Wirthschaftsform waren die
waldigen und fruchtbaren Ebenen im Innern der Insel thatzächlich
 besser geeignet, als die kahle Seeküste. Unter den
Steinbeilen der Küstenfundorte sind auch solche von den
bekannten Kjökkenmöddingerformen (S. 2, Fig. 1—3), nämlich
:oh zugehauene trapezförmige Stücke, deren scharfe Schneide
Jurch Absplitterung eines ‚einzigen Spanes hergestellt ist.
VeDep hält diese Beile nach dem System der Zweitheilung
ler nordischen Steinzeit für die ältesten, später habe man
Jas Verfahren des Polirens kennen gelernt, aber anfänglich
nur auf Steinsorten von geringerer Härte angewendet und
erst zuletzt auch den Feuerstein polirt, Aus dieser jüngsten
Stufe der Steinzeit stammt eine grosse Zahl polirter Flintäxte,
 welche in den mehr oder minder vom Meer entlegener
Gefilden der Insel gefunden worden sind. Auch die namhafteren
 megalithischen Denkmäler der Steinzeit finden sich
nur im Inneren der Insel, und so scheint es, dass die Dolmenarbauer
 der entwickelten nordischen Steinzeit nicht mehr in
jenen Fischerdörfern an der Küste, sondern im Innern anzässig
 gewesen sind,
Die Topfscherben aus den Küstenplätzen zeigen geometrische
 Verzierungen, zu deren Herstellung man sich einfacher,
 von der Natur dargebotener Werkzeuge bediente.
Nicht die vertiefte Linie an sich, sondern die gegliederte
Linie erfreute das Auge, wie in der Schnurkeramik Mitteleuropas.
 Mit längsgespaltenem Schilfrohr erseugte man Reihen
halbkreisförmiger Einstiche, mit gezähnten Muschelrändern
zackige, gerade und eckig gebrochene Linien. Andere Ornamente
 sind mit einem spitzen Stift eingeritzt oder vielleicht
mit dem stumpfen Ende dieses Stiftes eingetupft (vgl. 5. 5.
Fig. 6—13).
Hinsichtlich der Bronzezeit theilt der Verfasser jetzt
Sornus MünLers (in „Ordning of Danmarks Oldsager“ begründete)
 Ansichten und anerkennt, dass alle Tumulusfunde
Jieser Periode auf Bornholm dem älteren Absehnitt der Bronzezeit
 angehören, Man müsse also annehmen, dass die Sitte
der Tumuluserbauung während des Ueberganges von der
älteren zur jüngeren Bronzezeit abgekommen sei, während
sie sich im übrigen Dänemark durch das ganze Bronzealter
erhielt. In der älteren Bronzezeit und namentlich im ersten
Abschnitte derselben herrschte brandlose, in der jüngeren
Bronzezeit ausschliesslich Brandbestattung. Die als „Bornholmer
 Fibel“ bekannte localtypische Gewandhafte (S. 17
Fig. 14) mit grossen spitzovalen Bügelplatten findet sich nur
in Frauengräbern, eine kleinere, aber stärkere Fibel ähnlicher
Construction, mit gerieftem, stabförmigem Bügel nur in
Männereräbern. Die neu mitgetheilten Felsenzeichnungen der
            
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