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eigentlich centraleuropäischen „Fiurhallentypus“ kenne und
daher alle Erwägungen nur auf diesen stützen kann, Bezüglich
dieses sehr grossen Gebietes nun ist bös gefackelt
worden über schwäbisch, allemannisch, rhätoromanisch, langobardisch,
fränkisch, -neuestens sogar über rugisch und ostgothisch,
während ich gerade darch meine Forschungen, wie
ich wiederholt dargestellt habe, zur Erkenntniss einer sehr
merkwürdigen Uebereinstimmung in diesem Typengebiete
gekommen bin. Was ausserhalb dieses Typengebietes liegt
ist ausserhalb meiner Kenntniss,
In dem mir bekannten Gebiete herrscht eine allgemeine
Type, deren Variationen auf verschiedene Bedingungen des
Klimas, der Höhenlage, der Flora, der Wirthschaft, des Baumateriales
u. s. w. zurückgeführt werden können.
Zum Schlusse will ich eine Idee — beileibe keine
Theorie! — über den Einfluss der Flurtheilung und der Dorflage
auf die Entwicklung der Gehöftform darlegen und sie
bei dieser Gelegenheit den vereinten Architekten zur Nachprüfung
anempfehlen. Es ist bekannt, dass alle Wohnstätten
des mitteleuropäischen Haupttypus in vier Gattungen eingereiht
werden können: 1, Einheitshaus; 2. Haufenhof;
3. der eigentliche Hof, in welchem die Gebäude um einen
anbedeckten Raum ‚angeordnet sind, und zwar:
3a. im relativ schalen Hufeisen („Vogelweider“ oder „fränkisches
Gehöfte“),
3b. in vier gesonderten Gebäuden um ein Quadrat (deı
Innviertler Hof),
3e. in zwei parallelen Reihen längs des Hofes, ohne querabschliessende
Scheuer (der böhmische und ungarische
„Vogelweider“) mit sehr schmalem Hofe,
und 4. der eigentliche Vierkant, d. i. der aus Type 3 zusammengeschweisste
Meierhof von fast quadratischer Form,
dann allerlei Zwischenformen zwischen 3a und 36 und 4
(Oberösterreich, Waldviertel Unterösterreichs),
Das Einheitshaus und der Haufenhof sind nur in einem
sehr lockeren Dorfe möglich. Sie konnten dann jene mächtige
Entwicklung der Hausbreite, der Hausdimensionen überhaupt,
welche wir z. B. bei St. Johann in Tirol und Kitzbüchel
anstaunen, nur in der Einschicht erreichen, in welcher keine
Rücksicht und keine Beschränkung stattfindet.
Der „Vogelweider“ und besonders die Type 3c, jene sehr
in die Länge gezogenen Gehöfte mit auffallend schmalen
Giebelseiten des Wohnhauses, mit dem ziemlich schmalen
Hofe, verrathen den Ursprung in der beschränkten Dorfgasse
oder an dem Umkreise des Dorfringes, des freien Mittelraumes
der Ortschaft, Eine bessere Lösung der Aufgabe, eine
möglichst grosse Zahl von Gehöften längs der Dorfgasse aneinander
zu schliessen, so dass jeder Besitzer Sicht und Zugang
zum Hofe, Sicht auf die Strasse, Abschluss gegen diese.
bequeme Einfahrt vom Felde und Ausfahrt auf die Strasse.
und zwar ohne Umkehren, dass man also durch die quergestellte
Scheuer und das ganze Gehöfte passiren kann, ist
kaum zu erdenken. DacuLer hat in seiner Studie über niederösterreichische
Haustypen sehr richtig erwähnt, dass gerade
wegen der Lage der Häuser in der Dorfgasse der Hausbreite
um so engere Grenzen gesetzt sind, je kleiner der Antheil
jedes Gehöftes an der Gassen- oder Ringfront ist und dass
hiedurch die Lage der Hausthüre an die Langseite des Hauses
gewiesen wird, weil die Giebelseite höchstens für Stube und
Kammer genügend Raum bietet
Wir finden nun allerdings viele „Vogelweider“ eigentlich
ınpassend in der Einschicht. Dies zeigt nur, dass diese Gehöfte
n’s freie Land hinausgebaut wurden von Leuten, welche an
die enge Dorflage und den eingeklemmten Hof gewöhnt waren;
Jass diese Leute eben aus Gegenden oder auch aus benacharten
Orten stammten, in welchen jenes Gassensystem seit
alter Zeit die Regel bildete. .
Gerade solche einschichtige „Vogelweider“ streben jetzt
len Ausbau in mächtige „Vierkante“ stufenweise an, woran
sie in ihrer freien Lage nichts hindert,
Wo ist nun jene Art der Dorflage entstanden? an einem
ainzigen Orte? in mehreren Gegenden? ist sie wirklich
fränkisches Stammes-Eigenthum? steht sie mit der in slavischen
Gegenden so gewöhnlichen Ringform in Beziehung?
and wenn das gleiche Bedürfniss des Zusammenschlusses
atwa um einen Teich, um einen Schöpfbrunnen.u, dgl. bei
zerschiedenen Stämmen ein ähnliches Ring- und Gassensystem
1ervorgerufen haben sollte, kann dann nicht die hieraus
„esultirende Gehöftform ebenfalls als das Product mehrerer
Nationen und Stämme angenommen werden? Der Hausforscher
weiss bis nun keine Antwort auf diese Fragen; aber es ist
loch gut, diese Fragen zu stellen, Die in Angriff genommene
Erforschung der Wirthschafts- und Besiedelungsgeschichte
wird vielleicht zur richtigen Beantwortung beitragen, dann
sine ausgiebigere Theilnahme der Urkundenleser, welche der
Hausforschung durch Nachweisung etwaiger gesetzlicher Bestimmungen
oder wirthschaftlicher Verfügungen und UVebersichten
ungeahnte Förderung zuwenden könnten.
Das vorliegende Buch muss jeder Hausforscher, und wer
sich sonst um Volkskunde kümmert, zur Hand nehmen. Ich
halte es für vollständig.
Wenn die 310 Anmerkungen ein vollständig ausgeschriebenes
Bücher- und Schriftenverzeichniss geworden wären,
während jetzt zum Theile die Büchertitel vorne im Texte
und nur einzelne bibliographische Angaben in den Anmerkungen
stehen, so wäre der Gebrauch etwas bequemer.
Diese Bemerkung kann aber der dankbaren Anerkennung
dieser höchst fleissigen und willkommenen Arbeit keinen
Eintrag thun. Bancalari.
14.
Vedel, E.: Efterskrift til Bornholms Oldtidsminder
og Oldsager. (VIII+ 166, pp. 4°, mit
1 Farbentafel und 111 Textbildern von Professor
Macnvs Petersen.) Kopenhagen. Universitätsbuchhandlung
G. E. C. Gap. 1897.
Im XVI. Bande dieser „Mittheilungen“, S. 183f., gaben
wir einen gedrängten Auszug des umfangreichen Werkes,
welches der hochverdiente Vicepräsident der königlichen Gesellschaft
für die Archäologie des Nordens, Amtmann E, VEpegr,
m Jahre 1886 den Alterthümern der Insel Bornholm gewidnet
hat. In Folgendem soll nun das Supplement zu der gelachten
Publication, welches in Folge neuer Funde auf der
“nsel und neuer Einblicke in die Archäologie Dänemarks
iberhaupt nothwendig geworden ist, in gleicher Weise angezeigt
werden. .
Vor 11 Jahren war die ältere Stufe der jüngeren Steinzeit
des Nordens. die Stufe der sogenannten Küchenabfalls-