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zweite, ebenfalls aus Kokand stammende Flügelthür dürfte
schon der Zeit des Verfalles der turkestanischen Kunst angehören.
Tafel IV zeigt uns zwei ausgezeichnet verzierte
Holzthüren aus der Gur Emir, dem Mausoleum Timur’s, in
Samarkand. Auf Tafel V, Fig. 1, ist eine Thür von dem
grössten Timur’schen Monumentalbau Centralasiens, der Medrese
Chasret Chodja Ahmed Jassawi in der Stadt Turkestan,
abgebildet, daneben in Fig. 2 eine einfache Thür, welche
von dem ganz modernen Baue des Palastes des Chans von
Kokand stammt. Die Bezeichnung auf Seite 12 der Medrese
Schir-Dar in Samarkand als Ruine ist nicht ganz richtig, da
dieselbe heute noch, obzwar vielfach schlecht restaurirt, ganz
dasteht und als Medrese verwendet wird. Das Mahnwort des
Verfassers, recht bald an eine regelrechte Aufnahme der zum
grossen Theile schon in Ruinen liegenden herrlichen Bauwerke
Russisch-Centralasiens zu gehen, ist sehr berechtigt
und an die Adresse der russischen Regierung gerichtet. Hat
doch Zeitungsberichten zufolge jüngst ein Erdbeben den
Jetzten Rest des herrlichen Palastes Bibi Chanim in Samarkand
vollends zerstört.
Das zweite der angeführten Werke Maxrtın’s führt uns
in ein zweites Gebiet, nach Sibirien. Der Verfasser hat im
Jahre 1891 die Jugan’schen Ostjaken besucht, in der Gegend
von Tomsk und Minusinsk Ausgrabungen gemacht und das
interessante Museum in letzterer Stadt studirt. Die Resultate
dieser Reisen und Studien führt er uns in diesem Werke in
35 guten Lichtdrucktafeln vor, die mit entsprechenden Er-Jläuterungen
versehen sind. Der Text des Werkes bringt eine
ziemlich cursorisch gehaltene Reisebeschreibung, deren wissenschaftliche
Ergebnisse etwas dürftig ausgefallen sind. Dies
ist hauptsächlich dem Umstande zuzuschreiben, weil die
Reisezeit zu knapp bemessen war, Die Resultate der an verschiedenen
Orten vorgenommenen Ausgrabungen sind einer
späteren Publication vorbehalten. Von Interesse sind die
Tafeln für den Museumsethnographen und Archäologen.
Tafel I—XXI zeigt uns eine Anzahl ihrer Waffen, Kleidungen
und Geräthe. Die auf Tafel II abgebildeten Stücke sind zum
Theile besser als Selbstschüsse und nicht als Fallen zu bezeichnen.
Auf Tafel XXII und XXIII sind Zeichnungen dargestellt,
welche der Verfasser auf Papier von den Ostjaken
anfertigen liess. Die Tafeln XXIV—XXXIV zeigen uns eine
Anzahl interessanter Alterthümer der Bronze- und Eisenzeit
aus der Umgebung von Minussinsk, Das werthvollste Stück ist
ein Fragment eines chinesischen Bronzespiegels mit eingeritzter
alttürkischer und erhabener chinesischer Inschrift. G, DEvEriA
in Paris, der dieses Stück untersuchte, weist dasselbe dem
VIII. Jahrhunderte unserer Zeitrechnung zu. Der auf Tafel XXV
in Fig. 2 abgebildete Bronzekessel wird der Eisenzeit zugeschrieben.
In Süd- und Ostrussland finden sich derartige
Kessel ziemlich häufig; sie werden dort als skythisch angesprochen.
Die zahlreichen, auf den Tafeln XXVII—XXXIV
abgebildeten Pfeilspitzen aus Eisen gehören der Eisenzeit an;
die gleichen Formen reichen zum Theile in die jüngste Vergangenheit
hinauf. Für den heute schon sehr seltenen Gebrauch
von Bogen und Pfeil in diesen Gegenden dürfte jedoch
mit dem Baue der grossen sibirischen Eisenbahn die letzte
Stunde geschlagen haben. Tafel XXXV bringt die Abbildung
einer Schamanentrommel von den schwarzen Tataren des
Altai, mit interessanten Zeichnungen von Menschen, Thieren
Bäumen u. s. w. bedeckt. Heger.
12.
Dachler, A.: Das Bauernhaus in Niederösterreich
und sein Ursprung. Mit drei Tafeln und einer
Karte. Wien, Stepper & S., 1897, Sonderabdruck
aus dem „Bl. für Landesk. von Niederösterreich“,
56 Seiten.
Dieses inhaltsreiche Büchlein kommt der Hausforschung
‚ehr gelegen. Es entspricht wichtigen Programmspunkten,
velche 1894 beim Innsbrucker Anthropologen-Congresse entvickelt
und von vielen Seiten gebilligt worden sind: Erschöpfende
schriftliche und graphische Darstellung der Typen
ınd Variationen der einzelnen Länder und übersichtliche
Zennzeichnung derselben auf einer. Typenkarte. Hierin kann
5s auch als Vorarbeit, als Wegweiser und gleichsam als
verbindender Text für die beabsichtigte fachmännische Darstellung
der unterösterreichischen Hausformen durch den
'ngenieur- und Architekten-Verein, als Hilfsmittel für die
{uswahl der darzustellenden Repräsentanten der Hauptformen
lienen. Da Aufrisse und Ansichten fehlen, kann es allerdings
liese Darstellung nicht ersetzen, Hierin liegt ein Mangel der
DacHLErR’schen Arbeit; 4—6 Ansichten wären nothwendig
zewesen, weil Grundrisse allein die Hauscharaktere nicht
‚estimmt zum Ausdrucke bringen. Dagegen ist die Menge
jes Dargestellten erstaunlich und beweist das beharrliche
Interesse des Sammlers für die Sache und den Vorzug seiner
Jammelmethode. Die schematische Darstellung scheint zweck:
mässig.
Es ist erfreulich, dass einmal ein praktischer Haus-'orscher
klar und erschöpfend die Bedingungen, welche einen
"ypus beeinflussen, zugesteht und formulirt. Man muss
‚eistimmen, wenn er meint, jene Bedingungen seien: 1. die
ırsprüngliche Art der Besiedlung; 2. die natürlichen Ver-1ältnisse;
3. die Wirthschaftsart; 4. die volkswirthschaftichen
Zustände und Hilfsmittel; 5. der gesammte Culturgrad
jes Landes und das Maass des städtischen Einflusses; 6. die
Yeschichte des Landes, insoferne sie das Schicksal der einzelnen
Wirthschaften mitbestimmt. Auch seine Ansicht, dass
ıller Conservativismus des zähesten Bauers jenen Bedingungen
aachgebe, weil er muss, entspricht den Thatsachen; nur
1ätte ich als 7. Punkt noch die Frage des volksmässigen
Jeschmackes, also desjenigen, das allein mit dem nationalen
Habitus der Typen zusammenhängen mag, angefügt. Auch
Jer Behauptung, die alten Haustypen aus der Zeit der
zermanischen Besiedlung seit der Zerstörung des Avaren--eiches
seien noch heute vorhanden und kenntlich, wollen
wir glauben, bis wir es einmal durch eine verlässliche Quelle
ırfahren und wissen.
Wenn man blos volksthümliche Formen berücksichtigt
ınd modernes Baumeisterwerk wegdenkt, kann man aus der
‚eichen Musterkarte DaAcHLEr’s folgende Hauptgruppen von
Haus- und Gehöftiypen herausheben; diese sind: ;
1. Das Einheitshaus (DacnLer’s „Streckhof“; leider
wieder ein neuer und kein einwandfreier Name).
9. Das steiermärkische Gehöfte („bajuvarischsteirisch“
nach DacaLer) mit einem besonderen Wohnhause,
welches nichts von der Wirthschaft enthält und abgetrennten,
ohne Regel gruppirten Nebengebäuden, bei den meist kleineren
Wirthschaften mit einem beliebig angefügten oder nebenstehenlen
Nahensgehäude