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Full Text : Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft in Wien, N.F. 17=27.1897

229 —

der Constructionsprincipien des römischen Töpferofens
und unseres volksthümlichen Kachelofens wird wohl
kaum Jemand den Zusammenhang ablehnen wollen
oder können.
Die von Dr. F. Quii.me, a. a. O,, S. 263,
Anm. 11, in Aussicht gestellte Gesammtpublication
der in Heddernheim zutage gekommenen Töpferöfen
ist unterdessen erschienen *) (vgl. „Mittheilungen über
‚ömische Funde in Heddernheim“, I, herausgegeben
von dem Vereine für Geschichte und Alterthumskunde
 zu Frankfurt a. M., Frankfurt 1894). Die Abhandlung
 II: „Töpferöfen in der Römerstadt bei
Heddernheim“ von Architekt CarıstiAn LuDwıG Thomas,

Fig. 229, Römischer Topf aus Heddernheim.

bringt S. 14 f. eine Beschreibung der schon von Quie-LING
 im Grundrisse dargestellten Öfenanlage, wozu
Tnomas’ Tafel II, 4 und III, 46 zu vergleichen ist.
Bedauerlich ist, dass die Decke des oberen Brennraumes
 zerstört ist, so dass nur eine unterste Schichte
von 14 weitbauchigen, hohlen Töpfen noch festzustellen
 war. Ob Kacheln auch in den anderen Theilen
des verschwundenen Gewölbes zur Anwendung gekommen
 waren, d.h. ob diese Annahme möglich
oder nach den vorhandenen Resten unmöglich ist.
darüber könnte wohl Tomas noch Auskunft geben
Von einer anderen OÖfenanlage, einem Doppelofen
 (gefunden 1886), bei dem Kacheln benützt

1) Ich danke ihre Kenntniss der Güte des Herrn
Dr. F. Qui.iLineG in Frankfurt a. M., den ich hiemit bitte.
meinen besten Dank annehmen zu wollen.

wurden, berichtet TnHomas S. 18, vgl.‘ die Skizze
5. 17. Tuomas sagt von dem kleineren der beiden
Defen: „Bei der Herstellung der Wände der auch
ganz in den anstehenden Lehmboden eingebauten
‘interen zwei Drittel des Ofens sind an Stelle der
Steine kleine, gehenkelte Krüge, auch unzehenkelte
 kleine Töpfe von circa 16 cm Höhe
verwendet und mit dieser leichten Bauweise von
Hohlkörpern das Eindringen von grossen Mengen
Feuchtigkeit in den engumschlossenen Raum verıütet
 worden. Ob auch die nicht mehr vorhandene
Decke des Heizraumes auf gleiche Weise hergestellt
war, liess sich aus den geringfügigen Ansätzen und
Resten nicht mehr mit Bestimmtheit erkennen. Die
Annahme, dass man dies zur Ausführung gebracht
hat, hat jedoch viel Wahrscheinlichkeit, weil keine
sogenannten Auflager für die Wölbsteine an den
Wänden vorhanden waren und die anhaftenden, aber
unregelmässigen Lehmtheile mit einer solchen Constructionsweise
 sehr gut im Einklange stehen.“
Noch ein römischer Töpferofen kommt in Betracht,
 und zwar der von TnHomas S. 20 behandelte.
Leider war der Ofen zur Zeit der Besichtigung durch
den Gewährsmann schon ganz zerstört.
„In den rothgebrannten Lehmmassen, die in dem
vom Feuer durchglühten Raume lagen, war eine
beträchtliche Anzahl langgezogener, rohgearbeiteter
und mit ringförmigen Vertiefungen umzogener
 Wölbtöpfe gefunden worden, von denen
sich jetzt mehrere im historischen Museum befinden.
Mit diesen Wölbtöpfen scheint nach Lage der Dinge
der Ofenraum ehemals überwölbt gewesen zu
sein “ THomas skizzirt ebendaselbst einen der Wölhtöpfe.

Danach müssten wir unseren Kachelofen für
ainen Urenkel des römischen Töpferofens erklären.
Nenn aber der Töpfer seinen Ofen so herstellte, dann
zann es auch der Bäcker gethan haben, d. h. es
zann der Töpfer auch dem Bäcker einen ähnlichen
Ofen gebaut haben. Nachdem die Aufmerksamkeit
ainmal auf diese Dinge gelenkt ist, werden wohl
ıald genauere Aufschlüsse erfolgen.
Die Römer haben das Hypocaustum vom Bade
uf das Wohngemach übertragen, so dass schon im
zömerhause unserer Gegenden sich bestimmte, durch
lie gleiche Heizvorrichtung gegebene Beziehungen
zwischen Wohnstube und Badestube ergaben. Ebenso
gut denkbar ist es, dass der Kachelofen des Töpfers
oder besser des Bäckers für die interne Hauseinrichtung
verwendet wurde
            
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