Digitized Materials

Here you will find digitized editions of anthropological journals and monographs. For more information about the digitization project, please visit [here].

Search in

Full Text : Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft in Wien, N.F. 17=27.1897

Zur Geschichte des Kachelofens.
Von Professor Dr. Rudolf Meringer.

(Mit 10 Text-Illustrationen.)
Ich. lade G. Bancaıarı und die anderen Mitforscher
 ein, zu dieser Frage Stellung zu nehmen,
am das gewünschte Ziel einer einheitlichen Terminoi‚ogie
 bald zu erreichen,
Die Geschichte des ÖOfens ist bis zu einem gewissen
 Grade die Geschichte der Stube selbst. Von
Arten des Ofens sind mir nur der Kachelofen und
der gemauerte Ziegelofen, d.h. der aus Ziegeln hergestellte
 Ofen, bekannt geworden. Dem letzteren und
seiner Geschichte ist noch so gut wie gar kein ein-Iringenderes
 Studium — so viel ich sehen kann —
zutheil geworden.*)
Auch die vorliegenden Zeilen haben es blos mit
lem Kachelofen zu thun. Das vorhandene Bildernaterial
 über ihn ist noch recht dürftig und armselig,
 eine Folge der geringen Theilnahme oder doch
zanz unzulänglichen Förderung, welche der Haus-"Forschung
 bis jetzt zutheil geworden ist. Vgl. die
\bbildung eines Kachelofens aus Spital (Mittheilungen
ler Anthrop. Gesellsch. in Wien, Bd. XXIII, S. 139,
Fig. 57, wozu Fig. 67 und 68; J. R. Bünges, a. a. O.,
Bd. XXV, S. 135, Fig. 207; G. BAnoaAuıarı, a. a. O,,
Bd. XXVI, S. 110, Fig. 138, S. 111. Fig. 139, 140,
S. 112, Fig. 141).
Die volksthümlichen Kachelöfen sind entweder
kugelig oder prismatisch aufgebaut. Die älteste Form
scheint die kugelige oder eiförmige zu sein; bei ihr
sind die Kacheln zumeist nicht hart aneinander
yerückt, sondern jede steckt frei, ohne an ihrer Gestalt
 Einbusse zu erleiden, in dem Lehmmantel des
ens. Mehr als dieser Unterschied muss aber in die
Augen fallen, ob die Kacheln convex oder concav
arscheinen. Convexe Kacheln zeigt der Ofen in Spital,
3. a. O., Bd. XXI, 8.139, Fig. 57, con cave Kacheln
'2at z. B. der Ofen, den ich a. a. 0., Bd, XXI, 8. 120,
arwähnt habe (Alt-Aussee) und dessen auch von
Frl. Marıa Spaxırz (Zeitschrift für österr. Volkscunde,
 II, S. 130) gedacht wird. Frl, Spayıtz sagt:
„Dieser Ofen hat beinahe die Gestalt eines grossen
Bienenkorbes und ist aus schwarzen Thonkacheln
zusammengefügt, die tiefe Quadrate bilden und sich
nach innen zu verjüngen.“ Oefen mit concaven
1) Ueber den Steinofen vgl. Mittheilungen der Anthrop.
Zesellsch. in Wien, Bd. XXIII. S. 169.

Die Erfindung eines brauchbaren Zimmerofens
vedeutete einen grossen Fortschritt unserer Hauszultur.
 Mit ihm war dem alten offenen Herde ein
überlegener, nie wieder zu besiegender Gegner erstanden;
 das heimliche Leben des Hauses, das sich
früher so gerne in die Nähe des Herdes zog, wurde
zum Ofen abgelenkt, es entstand die Stube, ein bequem
 heizbarer Raum, der beste, den auch unsere
heutige Wohnung noch besitzt. Seit dieser Zeit besteht
 das einfachste, wirklich „oberdeutsche“ Haus
aus Küche und Stube, d. h. aus Herdraum und Ofenraum.
 Nur die Almhütte des Senners — der abeı
nichts besonderes „Oberdeutsches“ anhaftet — hat ihre
Einzelligkeit bewahrt, der Herdraum ist die ganze
Menschenbehausung. Diese Ansichten nochmals hervorzuheben,
 veranlasst mich der Umstand, dass man
das eigentlich Bezeichnende „oberdeutscher“ Bauart
noch immer in anderen Eigenschaften sucht, z. B.
in dem Vorhandensein des Flures, obwohl ein solcher.
ein Vorhaus, sehr oft ganz und gar fehlt. R. Henxnıne
hat diese Anschauung begründet und G. BAncALARı
spricht noch ganz neuerdings (Mittheilungen der
Anthrop. Gesellsch. in Wien, Bd. XXVI, S. 98)
von einem „mitteleuropäischen Flurhallentypus“. Ich
möchte BancaLarı bitten, diesen Namen gänzlich und
endgiltig fallen zu lassen, aus Gründen, die ich
a. a. O., Bd. XXIII, S. 166 und Bd. XXV, S. 57, dargelegt
 habe und denen nicht widersprochen wurde,
Wenn es eines neuen Namens bedarf, so wäre vieljeicht
 ganz nüchtern „Küchen-Stubenhaus“ zu sagen
and damit wäre die Abgrenzung gegen das sächsische
Haus („Stall-Küchenhaus“ kann man es heissen) im
Norden und gegen das „Küchenhaus“ des romanischen
Südens, das einer eigentlichen Stube, eines Ofenraumes,
 entbehrt, gegeben. Der Name „Flurhallenhaus“
 ist für mich schlechtweg unannehmbar, weil
der „Flur“ durchaus nicht einheitlichen Ursprunges
ist und weil er, wie gesagt, gar nicht immer vorhanden
 ist.!)
1) Ueber das „oberdeutsche“ Haus und viele andere Fragen
hat kürzlich Herr Kart, Ram („Globus“, LXXI, S. 169, 183,
206) seine Meinungen dargelegt, die ich, mit Ausnahme einiger
Bemerkungen und Beobachtungen, nicht für zutreffend halten
kann, Herr RuaAmm hat auch mich speciell mehrfach angegriffen.
Zine Erwiderung ist unnöthig,
Mittheilungen d. Anthrop. Gesellech. in Wien. Bad. XXVIL 1897.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.