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Full Text : Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft in Wien, N.F. 17=27.1897

— 221 —

bis 243 in „Haus und Hof“). Kochgeräthe, Schüsseln
u. dgl. gleichen den uns schon bekannten. Ebenso
findet man hier die bereits beschriebenen Pfeffermörser
 (Fig. 201). Leuchter sind auch hier bald aus
Thon gefertigt, bald aus Holz geschnitzt (Fig. 202);
in einem Hause fand ich auch jenen Theil eines
thönernen Leuchters, in welchem die Kerze steckt,
in einem hölzernen Untersatze festgesteckt (Fig. 203).
Zur Aufbewahrung der Löffel fand ich entweder
Körbchen (kozek) oder aus Brettchen geschnitzte Behälter
 (Z/yzasznyk; Fig. 204); auch Leisten mit entsprechenden
 Oeffnungen, ähnlich wie sie unsere Handwerker
 für ihre Werkzeuge haben, sind üblich
(Fig. 205). In Kosmaez fand ich ferner kugelrunde
oder längliche Pölsterchen für Nadeln (pouskienka
do ihliu); sie hingen an Schnürchen von den Deckbalken
 herab (Fig. 206), um vor den Kindern in
Sicherheit zu sein. In demselben Dorfe fand ich in
einem Hause einen ganz merkwürdigen Schmuck
Bunten Ostereiern — die sich auch sonst ausgeblasen
und an Schnüren gereiht oder den Blumen beim
Dreilicht aufgesteckt als Schmuck vorfinden — ward
an dem spitzigeren Ende aus Wachs Hals und Kopf
eines Vogels aufgesetzt; rückwärts und seitwärts
waren aus fächerförmig gefaltetem Papier Schwanz
und Flügel eingesetzt; die Gebilde führen den Namen
„potowyk“ (Geier) und hängen an Fäden vor den
Bildern von der Stubendecke herab (Fig. 207). Was
die Ostereier selbst anlangt, so fand ich besonders
schöne und mannigfaltig gezeichnete in Kosmacz,
Viele Eier hatten hier Thierornamente, und zwar mit
Fischen (Fig. 207)‘) und mit Pferden (Fig. 208). Ein Ei
mit ‚einem Pferd sucht jeder Wirth zu haben, damit
sein Viehstand wohl gedeiht.) Es sei noch ausdrücklich
 bemerkt, dass ich diese Eier mit Thierornamenten
nur selten fand; jene mit Pferden begegneten mir
überhaupt nur in Kosmacz; ein Ei mit Fischen
erhielt ich auch in Jawornik am schwarzen Czeremosz
(vgl. Fig. 393 in „Haus und Hof“), doch weiss ich
nicht, ob es nicht durch Arbeiter aus anderer Gegend
(vielleicht aus Kosmacz) dahin kam. In etwas eigenthümlicher
 Weise waren auf Kosmaczer Eiern auch
Kirchen (cerkou; Fig. 209) gezeichnet. Ein geometrisches
 Ornament — wie sie zumeist vorkommen —

ı) Ganz ähnlich jenem in „Haus und Hof“, Fig. 393, abgebildeten.

2) Vielleicht steht hiezu die in unserer Fig. 208 abgebildete
Scene in engerer Beziehung. Allenfalls zeigt diese Abbildung,
dass diese Leute nicht gerade schamhaft sind, gehen doch
die Eier von Hand zu Hand.

‘ührte den Namen „Fräulein“ (panna), doch. war
keine Aehnlichkeit zu einer weiblichen Gestalt darin
zu finden. Die Mädchen pflegen zur Osterzeit die
Burschen mit bunten Eiern. zu beschenken, damit
je mit ihnen tanzen. Da die Huzulen den Bart
‚asiren, so findet man in jedem Hause leicht ein
1aiezu dienendes Messer. Dasselbe heisst, wenn es
ınseren Rasirmessern gleicht, „brytwa“; ein hiezu
zus einem Stück Sense angefertigter Schaber heisst
‚brycz“ (Kosmacz). ;
Tritt man in das Vorhaus, so findet man wohl
ın einer Wand neben der Eingangsthüre den „sokernyk“,
Jer dem oben beschriebenen Löffelhälter gleicht und
zur Aufnahme der Hacken, jenem unentbehrlichen
Werkzeuge der Huzulen, dient (Fig. 210). An einem
Jagel hängt hie und da ein Holztrichter (/ijka, Fig. 211).
Fig. 212 zeigt uns ein Werkzeug, mit welchem die
Fuge in die Schindeln eingeschnitten wird; der Name
‚fug“ zeigt, dass sowohl das Werkzeug, als die damit
 erzeugte Schindel fremden, und zwar offenbar
leutschen Ursprunges ist. Das ursprüngliche Dach-Jeckmaterial
 ist das lange Spaltbrett (dranycia), von
zleicher Dicke und ohne Fuge. In manchem Hause
wird man auch einer sehr primitiven Wollwage
'waszka do wouny ; Fig. 213) gewahr. An dem einen
\rm derselben hängt ein Stein, an dem anderen wird
Jer Sack mit Wolle befestigt, welche man zum Verspinnen
 ausser Haus gibt. Werden dann die Knäule
zebracht, so überzeugt man sich durch das Abwägen
Jerselben, ob nicht ein Theil der Wolle entfremdet
wurde... Im Vorhause oder in der Kammer stehen
zrosse Fässer für Getreide und Kraut (giszka, potubiezok,
 boczka). Die langen und schmalen, zum Transorte
 auf dem Pferd geeigneten Fässer (berbynycia)
sind hier, wie im Huzulengebiete überhaupt, überall
zu finden. Das zur Aufnahme der Osterspeisen bestimmte
 Gefäss, in welchem diese in der Osternacht
zur Kirche getragen werden, um daselbst geweiht
‚u werden, heisst hier „paskowec“ (von paska =—
Osterbrot). Im Hause, in der Kammer oder vor dem
Hause am Gange findet man auch wohl Spinn- und
Nebegeräthe. Eine besondere Art der „snuwatka“,
nämlich der Vorrichtung zur Herstellung des Zettels
‘Kette, Längsfäden, osnowa) für die Gewebe, zeigt
Fig. 214.) Andere richten den Zettel (snuwaty prezu)
auf einer Bank (na dawyci) oder an Pflöcken, die
an der Aussenwand der Hütte stecken (no nid chaty

ı) Auch Fig. 182 ist eine solche zusammengeklappt,
rechts an der Wand, zu sehen.
            
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