Digitized Materials

Here you will find digitized editions of anthropological journals and monographs. For more information about the digitization project, please visit [here].

Search in

Full Text : Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft in Wien, N.F. 17=27.1897

— 216 —

4 5
hi "a
a

nd
‘
N nn
Wäp 1

dieselbe zu sprengen, wenn Axenia sie nicht öffnen
würde. Erst jetzt liess sich diese vernehmen, aber
ihre Rede war voll Hohn: „Meine Thüren sind aus
Eibenholz“ -— sagte sie — „und meine Schlösser
aus festem Stahl; rüttle so viel du willst, du wirst
doch draussen bleiben.“ Während sie aber diese Worte
sprach, lag bereits Dzwinka unter dem Dache über
der Thüre und beobachtete den zürnenden Doubusz.
Als dieser voll Grimm über die untreue Geliebte die
Arme erhob, um die Thüre zu fassen und sie herauszureissen,
 da schoss ihm Stephan die Zauberkugel
unter dem Arme in die Brust. Zum Tode getroffen,
sank Doubusz nieder. Dann erhob er sich noch einmal,
 schleppte sich mit Mühe zu seinen Gefährten
und bat sie, seinen Tod zu rächen, dann aber sich
zu zerstreuen. Kurz darauf verschied er, nachdem
er — wie Manche sagen — noch ein Sterbelied angestimmt
 hatte Seine Gefährten machten aber aus
ihren Büchsen und Hackenstöcken eine Tragbahre
und trugen ihren geliebten Führer auf den Gipfel
der Czorna Hora Hier beerdigten sie ihn, und noch
heute ist dort sein Grab. Das Haus, in welchem
Doubusz erschossen wurde — so lautet die Ueberlieferung
 am Czeremosz —, werde noch jetzt in
Kosmacz gezeigt. — Der Schluss dieser Ueberlieferung
 veranlasste mich, sobald ich nach Kosmacz
kam, sofort nach dem Hause zu fragen; dasselbe hatte
nicht nur durch die erzählte Episode mein historisches
 Interesse erweckt, sondern es wäre an und
für sich auch höchst interessant. Da nämlich die
Ermordung Doubusz’ in das Jahr 1745 fällt, so
hätten wir in dem Hause ein über anderthalb Jahrhunderte
 altes Gebäude; dies wäre insoferne von
hohem Interesse, als mir bisher von keinem alten
huzulischen Hause das KErbauungsjahr bekannt
geworden ist. Thatsächlich verwiesen mich weniger
gut Unterrichtete auf meine Fragen nach dem
in Fig. 181 abgebildeten Hause. Dasselbe steht
unfern der Fahrstrasse in der Nähe der „oberen
Kirche“, welche durch eine Wetter(Hagel)glocke ausgezeichnet
 ist. Bei näheren Nachforschungen und
vorzüglich von den Nachbarn und den jetzigen
Bewohnern des Hauses erfuhr ich aber, dass nicht
das gegenwärtig auf diesem Grunde stehende Haus
die Heimstätte Dzwinka’s gewesen sei, sondern ein
zrösseres, das etwas weiter gegen den Berg gestanden
 wäre. Immerhin ist aber auch das jetzige
Haus interessant. Hinzugefügt sei noch, dass in Kosmacz
 viele Dzwinezuky (d. h. Nachkommen Dzwinka’s;
lehen Kiner derselben. Hnad Dwinezuk. soll noch

las Gewehr besitzen, mit welchem sein Vorfahre
Stephan den kühnen Räuber erschossen hat Doch
st es mir nicht gelungen, die alte Waffe zu Gesicht
zu bekommen. Auch konnte hier die Verwechslung
noch leichter, als beim Hause stattgefunden haben;
st mir doch auch von einem Feuersteinschlosszewehr,
 welches ich im Jahre 1886 aus der Czeremoszzegend
 angekauft habe, versichert worden, dass
38 einem Mitgliede der Räuberbande des Doubusz
angehört habe. Aber wenn auch die Richtigkeit
lieser Angabe in Frage gestellt wird, so macht die
Flinte ausser ihrer bedeutenden Länge (etwa 140 cm)
und ihrem nach huzulischer Art mit Kerbschnitzerei
verziertem Schafte*!) noch das Kämmerchen in diesem
letzteren merkwürdig; dasselbe dient nämlich zur
\ufnahme eines Stückchens von einer Schlange,
welcher Zauber das Wild anzieht.
Nach dieser Abschweifung kehren wir wieder
zu unserem engeren Thema zurück. Die Fenster sind
auch hier zuweilen mit Läden (wikonnyct) versehen
Fig. 185). Neben der massiven Hausthüre gibt es
uch leichte Gitterthürchen, damit, wenn jene im
Sommer offen steht, die Hausthiere nicht in das Vor-1aus
 gelangen können (Fig. 180 und 182). Die Schlösser
sind von derselben Art, wie sie in „Haus und Hof“
„eschrieben ‚wurden. Nur eine Art von Klappschloss
habe ich hier gefunden, das mir im östlichen Huzulenzebiete
 nicht begegnet war. Fig. 188 zeigt dasselbe.
Wie aus der Figur leicht zu ersehen ist, fällt der
Ziegel u beim Zuklappen der Thüre 4 in die Ver-‘iefung
 b, woher er dann von aussen durch die
Drehung von c wieder herausbewegt werden kann.
Dieses Schloss erscheint mit einem gewöhnlichen
»ffenen Riegelschloss verbunden, wie es in „Haus
ınd Hof“ (S. 161, Fig. 221) beschrieben ist. Höheres
"nteresse erregt ein Schloss, das mir Herr Hermann
JexzL, Mühlenbesitzer in Kuty, im Jahre 1896
chenkte Dasselbe wurde vor etwa 50 Jahren von
nem Huzulen aus der Czeremoszgegend angefertigt.
Zs zeigt den Typus des Schlosses, welches in „Haus
ınd Hof“ (S. 163, Fig. 227) beschrieben ist; doch
weist es nicht weniger als sechs Fallhölzchen auf
ınd ist überdies mit einem Vexirverschlusse versehen
Wie nämlich aus der Fig. 218 zu ersehen ist,
zann das Fallhölzchen i/3 nur dann vom Schlüssel
zehoben werden, wenn die excentrische Scheibe v
hinaufgedreht wird, was auf die Weise geschieht,
dass einer der Holznägel, mit welchem das Schloss
1) Derselbe ist rückwärts (im Anschlag) nicht geschweift.
sondern schief abgeschnitten.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.