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Full Text : Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft in Wien, N.F. 17=27.1897

— 215 —
das Kreuz aufgestellt und im Namen Gottes den
Bau begonnen.
Die Fig. 181 bietet nicht nur ein gutes Bild eines
alten Hausbaues und der Art, wie um ein solches
Haus die niedrigen Stallungen angebaut werden,
sondern es erregt. auch noch aus einem anderen
Grunde unser besonderes Interesse. Zu den volksthümlichsten
 Persönlichkeiten im Ostkarpathengebiete
zählt jene des Räubers Olexa Doubusz. Noch heute
erzählt das Volk viel von seinem Leben und Thaten,
und glaubt, hier und dort seine verborgenen Schätze
finden zu können. Die Sagen, welche über diesen
kühnen Mann sowohl bei den Huzulen als den anijebgewonnen

 und besuchte sie oft nächtlicherweile,
ım von seinen Mühen und Gefahren auszuruhen.
Stephan erfuhr davon und Kifersucht bemächtigte
sıch seiner. Da er aber wusste, dass Doubusz unzerletzlich
 sei und er ihm nichts anthun könnte,
beschloss er, mit List vorzugehen. Er machte gute
Miene zum bösen Spiele und gewann schliesslich
sein Weib für den Racheplan. Dieses sollte von
Doubusz selbst in geschickter Weise das Geheimniss
zewinnen, wie er verwundet werden könnte, und
lann sollte ihm Dzwinka das Leben nehmen. In der
Nacht, da Doubusz bei ihr lag, entlockte Axenia,
:hn liebkosend. das Geheimniss und hinterbrachte

Fig, 183. Huzulisches Gehöfte in Dora.

wohnenden Rusnaken umgehen, sind voll Bewunderung
 für ihn; ja, Doubusz wird geradezu als ein
gottbegnadeter Mensch hingestellt. Die Erklärung
dieses Umstandes ist darin zu suchen, dass das Volk
in Doubusz und seinen Gefährten keine Räuber.
sondern Volkshelden erblickt, weil sie die von ihren
Grundherrschaften mit unmenschlicher Grausamkeit
behandelten Unterthanen an diesen rächten. Viel hat
aber zu dieser lobpreisenden Entwicklung der Sage
allenfalls der Umstand beigetragen, dass es Doubusz
gelungen war, den Verfolgungen der Obrigkeiten zu
entgehen, und dass er in einem Liebeshandel, wie
sie bei. diesen Gebirgsbewohnern so oft vorkommen.
sein Leben liess. Doubusz hatte nämlich Axenia.
das eheliche Weib des Stephan Dzwinka in Kosmaez.

es nachher ihrem Manne Kine silberne Kugel, mit
lem Safte eines gewissen Krautes bestrichen und
Jurch zwölf Messen geweiht,- sollte die Kraft haben,
lem gewaltigen Helden das Leben zu nehmen. Wenn
man ihm diese Kugel in die Achselhöhle senden
würde, so müsste er sterben. Sofort traf Stephan
auf das Genaueste alle diese Vorbereitungen. Er
zoss die Kugel, weihte sie sorgsam und harrte der
nächsten Nacht, da Doubusz. wieder kommen sollte.
Da geschah es denn, dass Doubusz nach einem glücklichen
 Streiche ın tiefer Nacht zum Hause Dzwinka’s
am, um dessen Weib aufzusuchen. Er fand aber
lie Thüre verschlossen und Axenia kam nicht wie
sonst herbei, um dieselbe zu öffnen. Da, rüttelte
Jer Hajdamach mit Gewalt an der Thüre und. drohte.
            
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