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Full Text : Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft in Wien, N.F. 17=27.1897

haben also die Huzulen am Pruth nichts gemein:
vielmehr können auch noch die westlich an der
‘galizischen) goldenen Bistritz wohnenden Ruthenen
in Pasieezna und Zielona den Huzulen zugezählt
werden, wenn auch hier bereits merkliche Unterschiede
 sich geltend machen. Näheres darüber werde
ich in meiner oben in Aussicht gestellten Arbeit
auszuführen haben. — Da wir hier über den Namen
dieser Ruthenen sprechen, so möge noch Folgendes
 hinzugefügt werden. Als ich mit einem Bauer
aus Pistynı nach Kosmacz fuhr, fragte ich ihn: „Was
für Leute wohnen hier an diesem Bache (der
Pistynika)?“ Er antwortete: „Eusnaky ti 2ydy (Rusnaken
und Juden).“ Ich: „Und gibt es hier keine Huzulen ?“
Er: „Ja, zwischen Rusnaken und Huzulen bildet nur
die Tracht (ubior) einen Unterschied.“ Ich: „Aber
ruski seid ihr alle?“ Er: „Ja.“ Aus dieser wie aus
zahlreichen ähnlichen Unterredungen ergibt sich
klar: Alle Ruthenen nennen sich volksthümlich
rusnaky, ohne den in der ruthenischen Schriftsprache
vorkommenden Ausdruck „rusyn“ zu kennen; dieser
ist somit ebenso wenig wie unser „Ruthene, ruthenisch“
volksthümlich; das allgemein übliche Adjectiv ist
„ruskti, ruska“. Zur näheren Bezeichnung der durch
Kleidung, Lebensweise u. dgl. von dem ruthenischen
Flachlandbewohner wohl zu unterscheidenden Gebirgsbauern
 gebraucht man aber doch wieder den besonderen
 Namen „hicud“ und setzt diesen in diesem
Sinne dem Ausdrucke Rusnak entgegen; daraus ergibt
 sich die Berechtigung, zu ethnographischen
Zwecken die Ruthenen des Flachlandes als Rusnaken
(in engerem Sinne), jene des Gebirges. als Huzulen
zu bezeichnen, sowie man dann auch von Bojken
und Lemken als besonderen Theilen der Ruthenen
sprechen wird. Die Ausdrücke Ruthene, ruthenisch
— rusyn, ruski — wird man zur Bezeichnung aller
Angehörigen des ruthenischen Stammes verwenden
dürfen, wenn auch diese Ausdrücke (mit Ausnahme
des letzten) nicht volksthümlich sind. Passendere
Ausdrücke fehlen nämlich; diese aber haben sich
längst eingebürgert und haben ihr historisches Recht
in der Schriftsprache erworben *).
Dass aber die Bewohner des oberen Pruthgebietes
 den Namen Huzulen führen, würde natürlich
nicht massgebend sein, sie als echte Huzulen zu
bezeichnen, wenn sie nicht auch sonst die charakteristischen
 Merkmale dieser aufweisen würden. Auch
in der Sprache gleichen die ruthenischen
Bewohner dieses Gebietes jenen im Osten.
1) Vgl meine in der Anm. 1.5.210, eitirte Arbeit im „Globus“

211 —
Wir werden dies bei der näheren Beschreibung des
Hauses, der Geräthe, der Kleidung u. s. w. zu constatiren
 haben. Einzelne Unterschiede machen sich
allenfalls bemerkbar. So heisst hier das Vorhaus nicht
choromy, sondern wie im Schriftruthenischen siny.
Das Bett heisst in Kosmacz nicht postil, sondern
voskil; postil heisst der Bundschuh und man hält
Jen Unterschied zwischen poskil und postil scharf
aufrecht. Der Steg (über einen Bach) wird hier
kauka*) oder ktadka genannt, doch weiss man, dass
er am Czeremosz „ber“ heisst u. dgl.
Ebenso gleichen die Huzulen am Pruth in der
[racht, diesem am meisten in die Augen fallenden
Merkmale, jenen im Osten. Der Unterschied ist nicht
zrösser als z. B. zwischen den Huzulen am Czeremosz
ınd jenen an der oberen Putilla oder Suczawa. Es
zenügt diesbezüglich, die Fig. 182—184 erscheinenden
Typen mit den Abbildungen in meinen Schriften:
‚Die Huzulen“, „Landeskunde der Bukowina“, „Haus
ınd Hof bei den Huzulen“ zu vergleichen. Sowohl
lie männlichen als die weiblichen Kleidungsstücke
sind dieselben und führen dieselben Bezeichnungen.
Es hat wenig zu bedeuten, wenn der ärmellose Pelz
kiptar) mitunter schon etwas länger ist als am
)zeremosz; dies ist nämlich auch an der Putilla
ınd im Suczawathale der Fall. Beim Hause und bei
der Arbeit tragen die Huzulinnen hier sehr oft nur
lie rückwärtige Rockschürze (zapaska); die langen,
len ganzen Leib umschlingenden Rockschürzen
opynka) kommen hier gar nicht vor. Auch werden
lie Schürzenröcke hier nicht mit einem Gürtel,
sondern nur mit einer aus bunten Wollfäden ge-Irehten
 Schnur (sznurok) um den Leib befestigt.
Ferner tragen hier besonders die Burschen Strohaüte,
 was im Czeremoszthale nicht der Fall ist. Sehr
zut nahmen sich die schwarzen Wollsocken (kapci) mit
schönem buntgestickten Rande aus, welche ich Frauen
n Dora tragen sah. Wolltaschen heissen hier neben
1ziobtyna, dziobynka, auch wie im Flachlande taistryna.
Ebenso finden wir bei diesen Huzulen diezelben
 Lebensverhältnisse, wie wir sie bei
Jen anderen zu finden gewohnt waren. Vor Allem
ist ihr Haus und Hof, sowie dessen Einrichtung
 jener bei den östlichen Huzulen
zleich, wenn sich auch einzelne charakteristische
Züge finden. Bei diesem Gegenstande wollen wir
3twas länger verweilen.
Ein Vergleich der in Fig. 180—183 gebotenen
Totalansichten von huzulischen Häusern und Ge-1)
 Die Bank heisst huzulisch immer fawycia.
            
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