Bei den Huzulen im Pruththal.
Ein Beitrag zur Hausforschung in Oesterreich.
Von Professor Dr. Raimund Friedrich Kaindl.
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(Mit 42 Text-Abbildungen.)
diesjährigen Tour, für die ich mich ebenfalls einer Subvention
der Anthropologischen Gesellschaft erfreute,
galt der Untersuchung des Verhältnisses der Huzulen
zu ihren Nachbarn. Die Ergebnisse werden in: einer
folgenden Arbeit verwerthet werden.
Bevor ich zu meinem Thema übergehe, erübrigt
es mir noch, einigen Herren im Pruthgebiete für die
mir gütigst geleistete Unterstützung bei meiner Arbeit
den besten Dank darzubringen. Es sind dies die
Herren Evaen und ALEXANDER PasıozyicKı in Pistyn,
Pfarrer EmAnveL LyseneoKiı in Kosmacz und Pfarrer
T. Buoxsgr in Dora. Die freundliche Zuvorkommenheit
dieser Herren war für mich um so schätzenswerther,
als ich im Pruththale unbekannt war.
Die Abbildungen sind ausschliesslich nach meinen
Photographien und Skizzen angefertigt.
Sadeu bei Radautz. 25. August 1897.
Für meine im XXVI. Bande unserer Mittheilungen
erschienene Arbeit „Haus und Hof bei den Huzulen“
hatte ich durch etwa zehn Jahre das Material gesammelt.
Meine — ich darf wohl sagen recht eingehenden
— Studien!) hatte ich vorzüglich in den
Thälern der Czeremoszflüsse, des Putillabaches und
der Suczawa betrieben. Die Durchforschung dieses
Gebietes nahm meine Ferien und meine Mittel so
sehr in Anspruch, dass ich bis zum Jahre 1896 vor
Allem noch das Pruththal nicht in den Bereich
meiner Studien hatte ziehen können. Erst in dem
genannten Jahre ist dies geschehen, nachdem die
Anthropologische Gesellschaft zu diesem Zwecke
mir eine Subvention gewährt hatte. Da nun die
ruthenischen Bewohner des oberen Pruththales noch
echte Huzulen sind, so schien es mir angezeigt zu
sein, in dieser kleinen Arbeit Alles zusammenzufassen,
was als Ergänzung zu meiner oben citirten
Arbeit „Haus und Hof bei den Huzulen“ von Bedeutung
wäre. Bei dieser Gelegenheit trage ich auch
Manches nach, was die Huzulen am Czeremosz und
an der Suczawa betrifft.
Meine Studien erstreckten sich vorzüglich auf das
Thal der Pistynika, wo besonders das Dorf Kosmacz
viel Interesse bot; ferner auf jenes des Prutecz, in
welchem die Häuser in Polinyei Czernediuski beachtenswerth
sind; sodann wurden die Dörfer Dora,
Jaremce, Jamna, Mikuliczyn und Tataröw am Pruth,
sowie die an der Ryka (Fluss) gegen die ungarische
Grenze gelegenen Ortschaften Pidlisniu und Jablonica
von mir besucht. Die Studien wurden, wie ich bereits
bemerkt habe, im Sommer des Jahres 1896
betrieben ; Ergänzungen traten bei Gelegenheit meiner
Reise in diesem Jahre hinzu. Der Hauptzweck meiner
1) Auf denselben beruht nicht nur die genannte Arbeit
„Haus und Hof“, sondern auch eine Reihe anderer, die zumeist
in der ersten Anmerkung zu der soeben citirten angeführt
sind. Ausserdem nenne ich noch die jüngst erschienenen
Studien „Haus und Hof bei den Rusnaken. Mit
einer Einleitung über den Namen der Rusnaken“ („Globus“
Bd. 71, Nr. 9) und „Die Huzulen. Eine orientirende Skizze‘
(„Wiener Zeitung“, 1897. Nr. 190).
I. Die Huzulen im Pruththal. Ihr Haus und Hof.
Die ruthenischen Bewohner des Pruthgebietes in
den oben angeführten Ortschaften sind echte Huzulen.
Sie nennen sich ehenso wie die anderen
Huzulen sowohl selbst „Huzulen“‘), als auch
‚hnen von ihren Nachbarn diese Bezeichnung beigelegt
wird Sonst nennen sie sich, wie überhaupt alle
Ruthenen, „Rusnaken“; die hiezu gehörigen Eigenschaftswörter
lauten „huculski, huculska“ oder „ruski,
ruska“, Wenn sie von den Östlich wohnenden
Huzulen bisweilen schon als Bojken bezeichnet
werden *), so ist hier dieser Name nicht im engen
sthnographischen Sinne gefasst, sondern als weiter
vager Begriff, der überhaupt fremde ruthenische Leute
vezeichnet. In diesem Sinne werden bekanntlich alle
Ruthenen des Hügel- und Flachlandes von: den
Huzulen Bojken genannt. Mit den eigentlichen Bojken
'1) Doch kommt es auch hier zuweilen vor, dass die Bezeichnung
mit Huzule noch für beleidigend angesehen wird
Vgl. meine „Huzulen“, S..3. Zum Folgenden vgl, meine Ausführungen
über den Namen der Ruthenen im „Globus“
Bd. 71, Nr. 9.
2) Vgl. mein. Buch. „Die Huzulen“ (Wien 1893}, S. 51.