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Full Text : Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft in Wien, N.F. 17=27.1897

201 —

nahe an den Erdboden herab“ (natürlich auf der Bergseite
 des Abhanges). Zumeist sind die Baskenhäuser
Einschichten. Jeder Bauer haust mitten auf seinem
Grunde. Kirche, Schule, Krämer und Wirthshaus
sind beisammen und bilden den Kern der Gemeinde;
also ein Verhältniss, genau wie in Oberösterreich,
vesonders nördlich der Donau.
Im Hause scheint, nach dem von der Beschreibung
 etwas abweichenden Bilde (s. Fig. 172), in der
Mitte der Giebelseite die Hausthüre unmittelbar in
Jie Küche zu führen. Die Thüre ist doppelt. Eine
Halbthüre hält des Tages das Vieh ab, eine Ganzthüre
 des Nachts fremde Menschen; eine weit verbreitete
 Einrichtung. Die Küche wird als „lieu de
r&union de la famille et salle de räception“ aus-O7



Fie, 172. a Villefranaue (Baskenland). b Ustaritz (Baskenland)

drücklich bezeichnet. Hinter derselben, in einer nicht
klar zu ersehenden Weise, sind noch Schlafkammern
angebracht. Der Fussboden sei selten gedielt, niemals
gepflastert; die Basken hätten somit, wie etwa die
Slovaken und viele Magyaren, einen Estrichfussboden.
Die Fenster sind klein. Nach dem Bilde scheint
aber die Beleuchtung der Küche einzig durch die
obere Oeffnung der Halbthüre besorgt zu werden.
Der Stall wäre (Fig. 172«a) rechts, eine Art Tenne
oder Remise links von der Küchenthüre, beide mit
T’horen ebenfalls in der Giebelseite. Häufig ist ein
Übergeschoss aufgesetzt mit einer Aussenstiege.
welche jedoch nicht dargestellt ist, und hölzernem
Balcon, dessen Balken, wie die Fachwerkpfosten,
roth bemalt seien. Auch er fehlt in beiden Bildern. Die
Kinfügung des Scheunenraumes, wahrscheinlich im
Mittheilungen d. Anthrop. Gesellsch. in Wien, Bd. XXYII. 1897.

Jachboden, ist ganz unklar beschrieben. An Nebenzebäuden
 wird blos der four ä meture, Backofen
‘ir Maisbrot, erwähnt. Vor der Hausfront befindet
sich ein eingefriedeter Vorraum. Eine solche Zusammenfügung
 des Wohn- und Wirthschaftstractes,
wobei Alles parallel zum First angeordnet ist und
lie Eingänge nebeneinander in der Giebelseite liegen,
indet statt im Unterinnthale zwischen Schwaz und
Innsbruck, wo ich aber eine durch die Dorfenge
zerschuldete Verquetschung, eine Verkümmerung des
Typus vermuthe; dann typisch im Grödnerthale.
\inderswo habe ich solches nicht gefunden.
Ich warne vor jeder Folgerung aus der offenbar unzenauen,
 höchst lückenhaften Darstellung dieses Typus.
Im Departement Tarn-et-Garonne, Gegend
von Montauban, einst das Bas-Quercy genannt,
unterscheidet man zwei Regionen: la plano oder
la ribiero und la montagno oder le causs6€,
lie fruchtbare Ebene und das wasserarme Kalkjlateau
 bei Caussade. In der Ebene wohnen grosse,
schlanke, dunkelhaarige Leute, gascon’scher Rasse.
»rachicephal; auf dem Plateau befindet sich dagegen
sine dolichocephale kräftige, untersetzte, blondhaarige
3Zevölkerung. Besonders die Weiber des causs6&
zeichnen sich vor jenen der plano durch die Schönheit
 ihres Teints aus. Was der Berichterstatter über
lie Gegensätze des Charakters, der Begabung, des
Temperaments dieser beiden Volksgruppen sagt, leitet
zu dem Eindrucke, dass hier eine gallisch-romanische
Zevölkerung einer wenig gemischten germanischen
zegenüberstehe. Er behauptet nun, .dass auch ein
jegensatz der Wohnart stattfinde, welcher freilich
‘heilweise in den Unterschieden der natürlichen Verhältnisse
 begründet ist. So ist im causs6&€ die Lage
ınd Form der geschlossenen Dörfer durch die spärichen
 Wasserquellen bedingt, das Baumaterial durch
len Kalkstein, während unten die Wahl für die Hausage
 frei steht und Lehmziegel, gebrannt oder unzebrannt,
 allgemein verwendet werden. Oben ist mehr
zonservativer Geist. Es gibt dort mehr altartige Häuser,
während unten, besonders bei Montauban, charakter-.ose
 Baumeisterformen sich breit machen.
Fig. 173 F stellt ein Haus in Caussade dar, und
zwar das obere, das Hauptgeschoss. La salle a „war
aänst das Haus selbst, der Herdraum, wo sich das Leben
ler Familie abspielte, la seule piece habit6e, celle, qui
constituait l’habitation par excellence. Ici on faisait
la cuisine, on y prenait les repas ä la grande table de
chöne... c’6tait egalement la chambre ä coucher du
maitre, Pendant les longues veilldes de l’hiver, on
jumboldt-Universität
Uirneschichte

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