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Full Text : Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft in Wien, N.F. 17=27.1897

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man einen grossen Theil auch des Tages dort zu und
in den kältesten Gegenden steht dort ein Kochofen,
stehen dort die Betten der ganzen Familie zwischen
den Abtheilungen der Hammel und Kälber vertheilt.
Da der Dünger so viel als möglich im Stalle beisammen
 gelassen, in der Nähe des Tisches höchstens
mit dürren Blättern bestreut oder mit Stroh bedeckt
wird, so scheint diese Wohnart von zweifelhaftem
Werthe. Sie soll übrigens den Leuten nicht merkbaren
 Schaden bringen. Es gibt sogar kleine Schänken,
in welchen die Gäste im Stalle trinken (Fig. 165%
stellt eine solche dar), Zwischen Edolo und dem

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Fig. 168. Bauernhaus in St. Marcellin (Departement Hautes-Alpes)


Tonale-Passe (Valle Camonica) habe ich Aehnliches
 getroffen, Dort erklärt man die Sitte durch
den Mangel an Brennholz für Stubenheizung. Es
mag auch im Departement Hautes-Alpes Aehnliches
zu Grunde liegen. Dient doch hie und da getrockneter
 Kuhmist als Heizmittel; wird doch in sehr
vielen Häusern nach der Ernte, zumeist im November.
einmal für das ganze Jahr Brot gebacken, angeblich,
 um Holz zu sparen.!)

1) Auch in Tirol, z. B. im Lessachthale, backt man
blos einmal, obwohl dort genug Holz vorhanden ist, um die
Stuben stark zu überheizen. In Tirol hackt man dies steinharte
 Brot in Splitter und weicht diese in Milch oder Suppe

Zwischen Stall und Cuisine ist häufig (vgl. auch
fig. 110, 111) ein Gang, welchen ein Gewährsmann
allerdings für „une institution tres recente“ erklärt.
Zr heisst la court oder le courtile und öffnet
sich mittelst eines zweiflügeligen pourtals gegen
die Strasse, Von ihm führen Thüren in die Küche,
in den Stall und in einen Keller am Ende desselben;
ie ursprüngliche Einrichtung ist offenbar jene der
3egend von Haut-Drac, wo Stall und Wohnung ohne
zourt unmittelbar aneinander schliessen und jeder
lieser Räume eine Thüre in’s Freie hat. Eine innere
Verbindung bestehe dort nicht. Von der Maison-Cuisine
 ist daselbst eine Kammer, welche mia oder
m6a heissen soll, abgetheilt. In solchen Häusern
fehlt die innere Stiege in’s Obergeschoss, wo eines
besteht, oder in den Bodenraum und man bedient
sich einer Leiter oder aber es führt eine Stiege an
einem Vorbau, ähnlich wie im ÖOberinnthale, über
die Hausthüren. Dieser Vorbau heisst l’estro oder
la touna (Höhle). Die Thüre der.maison und
das Stallthor sind dann durch die beiden Gewölbe
der touna nischenartig geschützt,
Die Küche hat Kamin und Ofen, Bett und sonstige
 Möbel, wie letztere einem ländlichen Empfangsraume,
 also bei uns der Stube, entsprechen.
Die etage, der Oberstock, hat ein Gastzimmer,
dann einen Sehlafraum, welcher nebenbei etwa dem
steirischen oder oberösterreichischen „Kasten“ entspricht.
 Getreide, Brot u. s. w. ist dort aufbewahrt.
Der Balcon des ersten Stockes dient zum Trocknen
der Wäsche und der Kleider.
Das beschriebene Haus kehrt den östlichen Giebel
der Bergseite zu. Die Einfahrt X in den Scheuer-:aum
 der etage erfolgt daher unmittelbar, jene E,
in den Dachbodenraum mittelst einer Rampe, ähnlich
 unserer Tennenbrücke. Im Obergeschoss ist die
Dreschtenne (le premier plancher) und die Heulegestätte
 (feniero oder tounbarel). Im Dachboden
 befindet sich auf der Decke der II. plancher
zum Heueinführen, seitwärts von dieser Einfahrt eine
Oeffnung, durch welche das Heu eingelagert wird —
oder besser.gesagt, der feniero ist ohne Decke, also
gegen den Dachboden zu offen —; dann gibt es über
den ganzen Boden im Dachraume hin etagenförmige
plancs übereinander, aus varallel auf 50 em entauf.

 Im Departement Hautes-Alpes richtet man einen Säbel
>». dgl. als Schneidemesser her. Die Spitze wird zur Charniere
umgeschmiedet. Das Messer heisst chaploor, die Mulde,
an welcher sich dieses hebelartige Schneidemesser hewegt.
heisst gral.
            
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