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Gesellschaft in Wien durchwandert habe, zu Ende
gelangt.
So wie ich gelegentlich meiner Studienreise in
die Heanzerei (1894), angeregt durch die vortrefflichen
Arbeiten des Herrn Professors Dr. MErincEer:
„Studien zur germanischen Volkskunde“, I und II
(Bd. XXI und XXIII dieser Mittheilungen), bemüht
war, mit dem Bauernhause auch den Hausrath zu
erforschen, so brachte ich diesem auch während der
Excursionen in den letzten beiden Jahren ungeschmälertes
Interesse entgegen. Der mir seitens der
ethnographischen Sammlung des k. und k. naturhistorischen
Hofmuseums in Wien gewordene Anfrag,
für das Hofmuseum in den Gegenden, welche
"ch durchwanderte, volkskundliche Gegenstände aufzusammeln,
zwang mich, insbesondere den Geräthen
les Bauernhauses nahe zu treten. Es gelang mir
auch, besonders in Oberschützen und dessen Umzebung
und dann in Fladnitz bei Passail: und
schliesslich nach dem Abschlusse meiner Studien-‚eise
durch die östliche Mittelsteiermark in Trebesing
ei Gmünd in Oberkärnten eine kleine Sammlung
‚on etwa 130 Stück volksthümlicher Gegenstände
'ür das k. und k. Hofmuseum zu erwerben, deren
nähere Beschreibung an dieser Stelle ich mir für
später vorbehalte.
Literaturberichte.
9.
Das Weib in der Natur- und Völkerkunde, Anthropologische
Studien von Dr. H. Pross. Fünfte umgearbeitete
und stark vermehrte Auflage. Nach dem
Tode des Verfassers bearbeitet und herausgegeben
von Dr. Max Barrteus, Mit 11 lithographischen
Tafeln und 420 Abbildungen im Texte. Zwei
Bände. XX, 710 und VIII, 712 pp. Leipzig.
Tu. Griesens Verlag (L. Fernau). 1897.
In unglaublich kurzer Zeit ist der vierten Auflage dieses
prossartig angelegten Werkes!) die fünfte gefolgt, welche
wieder eine sorgfältige Umarbeitung sowie Vermehrung sowohl
les textlichen als auch des illustrativen Theiles bringt. Ueber
Jie Vortrefflichkeit dieser in der Weltliteratur einzig dastehenden
Arbeit ist wohl kein Wort mehr zu verlieren, So
viel auch über das unerschöpfliche Thema vom Weibe bisher
geschrieben wurde, so finden wir hier zum ersten Male nicht
nur die sexuelle, sondern auch die damit untrennbar verbundene
sociale Seite dieses Themas wissenschaftlich nach
allen Richtungen beleuchtet, und zwar von dem einzig richtigen
Standpunkte, nämlich dem ethnographischen. Das Geständniss
des Bearbeiters in dem Schlussworte über die
Lückenhaftigkeit der Darstellung wird demselben wohl kein
billig Denkender bei dem riesigen Umfang der zu bewältigenden
Literatur zum Vorwurfe machen. Diese Lückenhaftigkeit
bezieht sich nicht nur auf die Naturvölker und die aussereuropäischen
Culturvölker, sondern auch auf die Bevölkerung
Europas, da Dank der Prüderie unserer Zeit die sexuellen
Verhältnisse, namentlich jene des Weibes, immer von einem
geheimnissvollen Schleier überdeckt werden, den selbst die
Hand des Arztes nicht immer zu lüften vermag. Um so beherzigenswerther
ist das Mahnwort des Bearbeiters nach
möglichst intensiver Herbeischaffung von neuem Beobachtungsmaterial,
Er sagt in dieser Beziehung: „Auch wir haben ja
& 9 7) Siehe die Besprechung in diesen Mittheilungen. Bd. XXV,
. 9240.
an vielen Stellen eingestehen müssen, wie viele Lücken noch
'n unserem Wissen unausgefüllt geblieben sind, und wenn
Jliese Besprechungen die Veranlassung werden sollten, dass
ın diesen Punkten die wissenschaftliche Forschung einsetzte,
Jann hätten diese Zeilen ihren Zweck erreicht. Möge Nienand
— ich wende mich hier besonders an die Medieciner —
lie Gelegenheit, die sich ihm bietet, bisher Unaufgeklärtes
zu erforschen, unbenützt vorübergehen lassen; möchte ihm
‚uch nicht die kleinste Beobachtung unwerth zu einer Auf-‚eichnung
erscheinen. Er wird es erleben, wie auf dieser
Veise das wissenschaftliche Material unter seinen Händen
wächst, und möge er niemals vergessen, dass nur durch die
‚emeinsame Arbeit Vieler das nöthige Licht in das bisherige
Junkel getragen werden kann.“ Diese Worte sind nicht stark
zenug zu betonen, Jeder Reisende, namentlich wenn er Arzt
st, soll dieses Werk aufmerksam durchsehen, denn er findet
n demselben fast in jedem einzelnen Capitel Anregung zu
veiteren interessanten Forschungen. Heute verlangt man von
‚edem Reisenden nicht mehr die Durchmessung von £o und
;o viel Kilometern. unbekannter Strecken Landes, sondern
las Sammeln wissenschaftlicher Beobachtungen, welche für
liesen oder jenen Wissenschaftszweig neues Material herbei-‚chaffen.
Am meisten Dilettantismus wird von den Reisenden
1eute noch in der Ethnographie getrieben, weil dieselben in
ler Regel nicht genügend vorgebildet sind. Der reisende
Zoologe und Botaniker muss heute eine tüchtige Vorbildung
n seinem Fache haben, wenn er etwas Erspriessliches leisten
will, Bei den sogenannten ethnographischen Schilde: ungen
jegnügen sich jedoch heute noch die meisten Reisenden damit,
zerschiedene, sich ihnen in der Regel zufällig darbietende
Daten aufzulesen und dann über dieselben zu berichten. Und
zerade in der Ethnographie sind die Beobachtungen oft recht
schwierig, und muss der Reisende genau wissen, was er zu
suchen hat. Man nehme hier nur als ein, allerdings glänzendes
Beispiel die Resultate der beiden Reisen von DEN STEINEN’S
her, und man wird sehen, was ein, allerdings so eminent
begabter und ethnologisch geschulter Mann zu leisten im
J+ande st.