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Full Text : Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft in Wien, N.F. 17=27.1897

189 —

Wohnhause des fränkischen Gehöftes in der Heanzerei
jene Frontseite des Wohnhauses als die Hauptfront
zu betrachten, welche dem Hofe zugekehrt ist. Leider
kann ich das Bild der Hoffront eines solchen Hauses
nicht bieten. Ich versuchte gerade beim Hause Nr. 57
auch das Bild der Hoffront auf die photographische
Platte zu bringen; doch gelang es mir nicht, da
der enge Hofraum das Aufstellen des Apparates in
der nothwendigen Entfernung nicht gestattete. Zum
Zeichnen einer solchen Ansicht nahm ich mir aber
nicht die Gelegenheit. Um jedoch klar zu machen,
wie ungefähr die Hoffront eines der erwähnten vier
Häuser aussieht, verweise ich auf das Bild des
Hauses Nr. 48 im Köppel-Viertel der Gemeinde
Lorenzen, Fig. 145. In derselben Weise wie hier
gliedern sich auch dort die quergebauten Tracte mit
dem dem Hofe zugekehrten Giebel mit dem Gange
unter der Abwalmung dem ursprünglich zweitheiligen

zu dreitheiligen geworden und die Höfe, zu denen
lie einzelnen dieser Häuser gehören, erst allmälig
zu vollkommen geschlossenen ausgebaut worden sein
werden,
Das letzte Haus, das ich jetzt aus der Gegend
zon Vorau noch zu beschreiben gedenke, ist ein
ı1euer Bau, der an Stelle eines alten Gehöftes, das
ıbbrannte, im Jahre 1887 errichtet worden ist. Das
Jaus Nr. 8 des Johann Spitzer in Puchegg zeigt,
wie bei einem Neubaue das Aeussere wohl ein mojerneres
 Gepräge erhält, die Anlage des ganzen Ge-1öftes
 jedoch, die Lage der Haupttracte zu einander
ıoch die althergebrachte ist und selbst die Ausy‚estaltung
 des Wohnhauses, wenn dieselbe durch
Untertheilung auch eine vielgestaltetere geworden,
loch noch die Dreitheilung des herkömmlichen alten
Gewohnheitsbaues, aus welcher die Sechstheilung im
noderneren Hause erwachsen ist. erkennen lässt.

Fig. 159. Haus Nr. 8 in Puchegg bei Vorau.

alten Tracte an. Die Erfahrung, die ich an den
Häusern Nr. 14 in Puchegg und Nr. 57 in Riegersbach
 geschöpft, dass nämlich wenigstens einzelne
Höfe auch in der Gegend von Vorau nach und
nach zu einem geschlossenen Ganzen ausgebaut
worden sind, lässt mich vermuthen, dass auch
das erste Haus, das ich aus dieser Gegend beschrieben,
 nämlich das eben erst erwähnte Haus
aus dem Köppel-Viertel der Gemeinde Lorenzen, nicht
vom Anfang an so da steht, wie es heute sich zeigt.
Es dürfte ehemals auch ein zweitheiliges Haus gewesen
 sein, das erst durch den Anbau der Stube
unter dem Giebel mit dem Gange zum dreitheiligen
Hause geworden sein wird. Der in der Frontseite des
Hauses liegende Giebel lässt sich ja doch nicht gut
anders erklären. Ebenso nahe liegt die Vermuthung,
dass auch die anderen der genannten Häuser mit den
Aauerliecenden Tracten aus zweitheiligen mit der Zeit

Fig. 159 gibt die Ansicht dieses Hauses. So wie
bei allen Häusern der Gegend von Vorau, dessen
vordere (Einfahrts-) Seite nicht durch einen Zwischenract
 verbaut ist, sehen uns auch hier zwei Giebel-,eiten
 entgegen. Sie zeigen im Dache wohl noch
jasselbe Material und dieselbe Form, ein Satteldach
zus Stroh mit kurzer Abwalmung, doch fehlen die
;harakteristischen Balcone und das Haus ist nicht
nehr aus Holz gefügt, sondern aus Stein erbaut.
Die Fenster des Wohntractes sind gross, Es liegen
ljeren drei in der Giebelwand, in der hofseitigen
Front fünf und in der äusseren Frontseite sechs.
Fig. 160 zeigt den Grundriss des Bauernhofes,
\n das Wohnhaus schliessen sich ein Schweinestall,
ron dem durch einen Bretterverschlag eine Zeugszammer
 abgetrennt ist, und ein Schafstall an. Gegeniber
 diesem Tracte liegt der Rinderstall. Er ist in
yanz gleicher Weise ausgestattet wie der Stall des
            
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