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häuser in der Gegend von Vorau verzinkt, mit dem
Unterschiede nur, dass die Verzinkung in vielen
Häusern noch complicirter und kunstvoller war. So
z. B gerade auch bei dem Hause, von dem ich eben
spreche. Die Art der Verzinkung, welche dieses Haus
an den Ecken sowohl der Theile, die aus dem Jahre
1727 und 1776 als auch derer, die aus dem Jahre
1838 stammen, zeigt, veranschaulicht die Fig. 157.
Ehen so künstlich. wie die Balken an den Kanten
Fig. 157. Verzinkung am Hanse Nr. 57 in Riegersbach.
zusammengefügt werden, werden auch die Balken
der Mittelwände, wie solche beispielsweise in dem
in Rede stehenden Hause das untere Stübel von
der Speisekammer und diese von der Luderkammer
trennen, in die Hauptwand eingefügt, Die Verbindung
(Verzapfung) geschieht in der Fig. 158 bildlich dargestellten
Weise.
Dr. MErınegr berichtet a. a. 0.: „Herr Baumeister
GEORG ScHLOTT. sagte uns. dass die Arbeiter so kunst-‘
Fig, 158. Verzapfung am Hause Nr. 57 in Riegershach
volle Verzinkungen jetzt überhaupt nicht mehr machen
können. Das Zimmerhandwerk sei im Niedergange.“
Mag im Allgemeinen wohl wahr ‚sein, dass, wie der
Gewährsmann Dr. Merisger’s sagt, das Zimmerhandwerk
im Niedergange begriffen sei, und erkenne ich
auch dessen Aussage, dass die Zimmerleute der Gegend,
welche Herr ScnLorT vor Augen hat (Mürzthal?), so
kunstvolle Verzinkungen nicht mehr machen können,
gerne als wahr an, so bin ich doch in der Lage,
behaupten zu können, dass die Zimmerleute in der
Gegend von Voranu diese schöne Arbeit noch nicht
rergessen haben. Ich war nämlich im vorigen Jahre
1896) Zeuge davon, dass bei einer Erneuerung des
jaufällig gewordenen Stübels vom Hause Nr. 10 des
‚;ohann Saurer in Riegersbach die Balken an den
Xanten des in Arbeit stehenden Neubaues genau in
ler Weise verzinkt wurden, wie sie MErıncGEer a. a. 0.
ınter Fig. 60 veranschaulicht, und sah, dass die
3alken der Mittelwände genau so eingefügt wurden,
wie ich es vorstehend in Fig. 158 gezeigt. Zum Herstellen
der hohlen Flächen an und in den Balken
jedienen sich die Zimmerleute, wie ich sah, grosser
Yohleisen. Die Balken schliessen an den Verzinkungen
nit geradezu staunenswürdiger Genauigkeit. Die
Zimmerleute .waren sich des Werthes ihrer Arbeit
ıber auch bewusst; denn als ich fragte, warum sie
‚ich denn mit dem Aushöhlen der gekrümmten Flächen
ıo viele Mühe machen, ich habe doch gesehen, dass
nan anderen Ortes die Verzinkungen einfach durch
zerade Flächen in Schwalbenschwanzform viel müheoser
herstellte, meinten sie, überlegen lächend, dass
.hre Arbeit, wenn sie auch doppelt so viel Zeit in
Anspruch nehme, auch doppelt so lange halte.
Am Hause Nr. 57 des Johann Kienegger habe
ich noch etwas gelernt, das mir erlaubt sei, zur
Sprache zu bringen.
In meiner oft erwähnten Arbeit, in Bd. XXV
lieser Mittheilungen, habe ich dort, wo ich vom
'ränkischen Gehöfte der nördlichen Heanzerei sprach,
häufig des für Bauernhäuser jener Gegend, wie überhaupt
für das Bauernhaus Ungarns charakteristischen
Säulenganges Erwägung gethan.!) Für das Haus-in
ler nördlichen Heanzerei und für das ungarische
3auernhaus im Allgemeinen ist jene Seite, an der
ler Säulengang angebracht, auch wenn sie nicht
ler Strasse zugekehrt ist, sondern sich dem Hofe
zuwendet, stets die Hauptfront des Hauses. Ich
nabe es im Bd. XXV nachgewiesen und in der vorjegenden
Arbeit zu öftermalen wiederholt, dass sich
Jer heanzische Bauer seinen Hof zumeist erst nach
and nach, wie ich dies nun auch bei einzelnen
Töfen aus der Gegend von Vorau festgestellt habe,
yusbaut. Der Ausbau geschieht nun, wie sich aus
len Plänen Fig. 158, 160, 163 und 167 im Bd. XXV
leicht ersehen lässt, so, dass die Gebäude, welche
sich dem ersten Gebäude, das stets auch die Wohn--äume
mit dem ihnen vorgelegten Säulengang in
sich schliesst, nach und nach, bis der Hof vollı)
Vgl. auch S. 104 in meiner jüngsten Arbeit: „Das
;thnographische Dorf der ungarischen Millenniums - Landes-‚ausstellung
in Rndapest“ in Bd. XXVII dieser Mittheilungen