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Full Text : Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft in Wien, N.F. 17=27.1897

— 181 —

Erfahrung wurde mir auch bei der Aufnahme des
Hauses Nr.57 des Johann Kienegger vulgo „Forster“
in Riegersbach, das ich nachfolgend beschreiben
werde, bestätigt.
Die hintere Stube wurde nämlich erst, wie die
Jahreszahl am Durchzugbalken angibt, im Jahre 1835
der Laube angefügt. Da die hintere Stube und die
Laube gemauert sind, ist die Möglichkeit nicht ausgeschlossen,
 dass auch die Laube erst im Jahre 1835
gemauert wurde, Dagewesen muss sie aber schon
früher sein, da sich für diese Gegend eine Rauchstube
 ohne vorgelegte Laube gar nicht denken lässt.
Von der hinteren Stube muss dies nicht gerade angenommen
 werden, denn wenn den Bauernhäusern
der Gegend von Vorau. und mögen sie auch schon

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alte für ganz bestimmt, dass dieses Haus erst im
Jahre 1835 dreitheilig wurde, und dies umsomehr,
ıls ich nach dem Gesagten auch annehmen darf,
lass es eines der ältesten Häuser in der Gegend von
Yorau ist. Lässt sich darüber nun wohl noch rechten,
ınd könnte, wenn nur die hintere Stube in Betracht
cXäme, meine Behauptung von einem allmälig erfolgten
\usbau des Hofes zu einem geschlossenen auch hinallig
 werden, so wird sie jedoch dadurch unumstösslich,
 dass ich für meine Behauptung einen
zweiten Beweis erbringe. Aus dem Grundrisse dieses
Hofes, den die Fig. 154 bietet, kann ersehen werden,
lass sich an die Rauchstube nach links ein Traect
ıngliedert, der den Hof nach vorne abschliesst.
Dieser Tract. der wie beim vorstehend besprochenen

Fig. 153. Haus Nr. 14 in Puchegg bei Vor

recht alt sein, fast durchwegs die Dreitheilung zu
Grunde liegt, so gibt es dort doch alte Keuschen
and Brechtelstuben („Häa’stub’n“), die noch die
primitivere Zweitheilung im Grundrisse zeigen”). Ich
ı) Gerade zu dem Hause des „Hoifidl i°‘ da‘ Piara“ gehört
auch eine „Häa‘stub’m“, die unweit des Hofes liegt. Es sind
die Brechtelstuben der Gegend von Vorau keine kleinen
Häuschen, wie z. B. Dr. Merineer ein solches in Bd. II der
„Zeitschrift für österreichische Volkskunde“, S. 263, abbildet
und beschreibt, die nur dem einzigen Zwecke dienen, dass
in denselben auf eigenartig construirten Oefen der Flachs
unmittelbar vor dem Brecheln geröstet wird. Die Haarstuben
in der Gegend von Vorau sind Wohnhäuschen, die zumeist
an arme Leute, Taglöhner u. dgl. vermiethet werden. So auch
die Haarstube des „Hoinid’l i‘ da‘ Piara“, Das Häuschen
schliesst nur zwei Räume in sich, eine Küche und eine Stube.
Oft vertritt aber die Stelle der Küche eine kleine Laube.
Dann wird in der Stube gekocht. Kommt nun die Zeit des
Brechelns, so werden die Habseligkeiten des Miethers aus
der Haarstube entfernt, und er mit ihnen findet während der
Zeit alg die Haarstnhe henützt wird. Unterkunft im Hause

Hause die Einfahrt und ausserdem noch eine nach
vorne sich öffnende Streukammer überbrückt, besteht
aus einem kleinen „Fia‘haus“ (Vorhaus) V-H, das
von der Rauchstube aus betreten wird, einer daneben
jiegenden kleinen Kammer Ka, die mit dem Vorhause
 durch eine Thüre in Verbindung steht und
ine zweite Thüre hat, die auf einen Gang führt,
ler hofseitig angebracht ist, und zwei Stuben, die
sich an Vorhaus und Kammer angliedern. Diese
yeiden Stuben werden mit dem Namen „Sait’nstib’1“
)enannt. Dieser Tract entstand erst im Jahre 1885,
wie die Jahreszahl auf dem Durchzugbalken des
‚nneren Stübels darthut. Der Besitzer sagte mir ferner,

les Bauern. An Stelle der Möbel kommen Stangengerüste in
Jie Stube. Auf die Stangen wird der Flachs gelegt. Die
Tenster werden mit Werg gut verstopft und das Rösten des
7lachses geschieht einfach durch Ueberheizung des Stuben-»fens,
 der stets, so viel ich sah, ein „Rübenhaufen-Ofen“ ist.
liessen Ofenloch in den Vorraum mündet.
            
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