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Full Text : Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft in Wien, N.F. 17=27.1897

— 179 —

führen vier steinerne Stufen vorerst auf einen Treppenabsatz
 und dieser leitet zu einer Thüre, zum „Hofthürl“.
 Vom Hofthürl aus lenken wieder vier Stufen
zum „Priggl“ empor. Das Brückel ist thatsächlich
ein kurzer, hochgewölbter, brückenartiger Steinbau.
Oben ist das Brückel mit dicken Brettern belegt und
bildet eine kurze Gräde von der Länge der Laube
vor der hofseitigen Hausthüre. Auf der anderen Seite
des Brückels führen neun Stufen hinab zur Gräde,
die in Form eines Hufeisens sich dem Kuhstall, der
Scheune und dem Stallgebäude vorlegt. Im .halbkreisförmigen
 Bogengewölbe des Brückels sind die
Schweineställe untergebracht.
Das Brückel findet man bei Bauernhäusern der
Gegend von Vorau sehr häufig und immer dann, wenn
die Wohnräume wie beim Hause Nr. 84 in Riegersbach,
 was aber wieder sehr häufig vorkommt, hoch
über der Erde liegen. Ich fand es in mehreren Häusern,
unter anderen auch in den beiden Häusern, die ich
zunächstfolgend beschreiben werde, genau in derselben
 Weise durch einen gemauerten Bogen errichtet,
wie bei dem in Rede stehenden Hause. Doch auch
Gräden, die wie beim vorstehend besprochenen Hause
Nr. 19 in Schachen der Laubenthüre an der Aussenseite
 vorgelegt sind und zu denen einige Stufen
hinanführen, werden, ohne dass eine solche Gräde
Aehnlichkeit mit einer Brücke hat, Brückel genännt.‘)
Besonders aufmerksam machen muss ich noch
darauf, dass der Boden des Stöckels nicht auf der
Erde aufliegt. Er liegt in der Höhe der Oberfläche
des Brückels. ‚Das .Stöckel schwebt also sozusagen
in. der Luft. Unter dem Stöckel durch führt die Einfahrt
 in den Hof. Nach aussen ist die Einfahrt durch
ein grosses zweiflügeliges Thor geschlossen. Auch das
Ueberbauen der Einfahrt. durch ein Stöckel oder
selbst durch Stuben bildet eine für das Bauernhaus
der Gegend von Vorau häufig vorkommende charakteristische
 Eigenthümlichkeit. Die Eigenthümlichkeit
steht auch damit in Zusammenhang, dass die Stuben
der Bauernhäuser sehr oft stark untermauert sind.
Sonst wäre es nicht gut möglich, zwischen die beiden
parallelstehenden Haupttracte einen verbindenden
Tract so einzuschieben, dass unter demselben eine
Einfahrt von oft so grosser Höhe freibleibt, dass hochbeladene
 Erntewagen durch dieselbe einfahren können.

1) Ueber das Brück’l hat Prof, Dr. MzxınGer, der das
Brückel auch am Bauernhause der Gegend von Aussee fand,
schon. im Bd. XXI dieser Mittheilungen gesprochen. Meine
nier mitgetheilten Erfahrungen werden dem dort Gesagten
zur Freänzung dienen.

Ich muss nun auch noch das Wohnhaus des
ITofes Nr. 84 in Riegersbach einer kurzen Besprechung
ınterziehen. Das Dach hat an der vorderen Giebel-‚eite
 wieder eine Abwalmung und darunter ist ein
Jang angebracht. In der Giebelwand fallen bei diesem
Jause sieben Fenster auf, davon liegen drei wieder
ıöher. In der hofseitigen Wand der vorderen Stube
ind drei, in der Aussenwand zwei Fenster angebracht.
Die Laube hat beiderseits neben den Laubenthüren
e ein Fenster und die hintere Stube in den beiden
ınverbauten Wänden je zwei Fenster. Die Fenster
Jieses Hauses haben noch keine Umgestaltung oder
Vergrösserung erfahren. Sie sind sehr klein, kaum
30 cm lang und hoch. Es befinden sich aussen weder
7ensterrahmen noch Fensterladen. Ueber der Kellerhüre
 und unter den hofseitigen Fenstern der vorderen
Stube ist eine Bretterbühne befestigt, die von Stäben,
Jie schräg gegen die Wand gerichtet und dort anzenagelt
 sind, getragen wird. Dies ist der Standplatz
ir Bienenstöcke. Als ich das Haus aufnahm, standen
edoch keine Bienenkörbe darauf. Es war eine An-‚ahl
 von Rechen an der Bühne aufgehängt. Des
Zauchschlotes, der oberhalb des zweiten Fensters aus
ler vorderen Stube kommt und in schräger Richtung
las Strohdach durchbricht, habe ich schon oben
srwähnt. Der zweite Schlot, der aus der Laube durch
Jas Dach emporleitet, ist auf dem Bilde nicht sichtbar.
Die Ausstattung der vorderen Wohnstube ist der
n der Rauchstube des oben beschriebenen Hauses
Yr. 19 aus Schachen fast vollkommen gleich. Stabile
3änke mit kleinen Schubladen an der Unterseite des
Sitzbrettes sind wieder an drei Stubenwänden anzebracht.
 Die Bank, welche sonst in der Regel die
ängste ist, reicht hier jedoch nur bis zur Hälfte der
3tubenwand. An dieser Wand stehen noch bei @ eine
Xastenuhr und unter B ein Bett. Neben dem Bett
1ängt bei b ein Wandkästchen hinter der Thüre an
der Wand, während ein Eckkästchen c die Ecke im
Tischwinkel ausfüllt. Der Tisch T und die Bank Ba
1ehmen den herkömmlichen Platz ein. Auch die
Holzbrücke und die „Spansching“ nehmen oberhalb
d und e in der Stube die Plätze ein, an denen man
sie zu sehen gewohnt ist. Die Hühnersteige bei /
‚at ihren Platz hier etwas geändert, und zwar wohl
Jeshalb, weil der Herd, der zwar wieder den gewohnten
 Platz inne hat, anders gestellt ist. Die Form,
lie dieser Herd aufweist, weicht zwar ab von der
Form jenes Herdes, den ich oben unter Fig. 149
ıbgebildet habe und der den Namen Schwalbennest
°ihrt. ist ihr aber ähnlich. Da diese Art von Herden,

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