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Full Text : Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft in Wien, N.F. 17=27.1897

— 176

Aus der durchgehenden Laube leiten bei g eine
Stiege hinauf zum Boden und bei A eine zweite Stiege
ınter der ersteren hinab in den Keller. Hinter deı
Bodenstiege steht bei £ eine Hühnersteige und bei &
an der Wand eine Bank. In der Ecke, welche die
Kellerstiege und die Bodenstiege ‚bilden, ist bei /
ein „Kuch’lkast’l“ aufgestellt. Bei m steht der „Spaiskäst’n“,
 bei o „’s Riafass’l“. zum Rühren der Butteı
und bei p ein „Pächtrou‘“ (Backtrog) auf einem
„Schräg’n“. Zwischen dem Speisekasten und dem
Butterfasse hängt bei n Werkzeug (Sensen, Rechen
Hacken etc.) an der Wand. Unter g hängt ein Wandkasten
 an der Wand, unter ” steht ein „Wässa“-pank’]1“
 und unter s eine „Luada‘truch’n“. Oberhalb t
hängt über der Thüre der schon oben beschriebene
„Rachfäng“ und oberhalb « ein „Proutrend’1“.!)
Die hintere Stube hat keinen Ofen; sie ist unheizbar.
 Die Betten B, und B,, in welchen die
beiden Schwestern des Bauers, Marie (39 Jahre alt)
und Anna (31 Jahre alt), die Miteigenthümerinnen
am ganzen Besitzthume sind, schlafen, kommen im
Winter, da es hier zu kalt wäre, in die Rauchstube
und stehen dann dort unter der Holzbrücke bei e
Wohl deshalb, weil sie in der hinteren Stube keinen
ständigen Standort haben, stehen sie, besonders das
eine Bett, das in der Mitte des Raumes liegt, wie
wenn sie in die Stube hineingeschneit wären. Mit
hervorragendem Ordnungssinne scheinen die drei
guten Leute, welche das Haus besitzen und bewohnen.
übrigens nicht ausgestattet zu sein. Dafür zeugt
nicht nur die Anordnung, eigentlich besser Unordnung,
 ın welcher auch die anderen Möbel in dieser
Stube stehen, sondern überhaupt der Schmutz und
die Verwahrlosung, die Einem aus allen Ecken des
Hauses entgegenstarren.
Bei v standen fünf Schränke in einer Reihe an der
Wand. Unter wstehen acht Truhen verschiedener Grösse,
theils bemalt, theils nicht bemalt. Bei x stehen drei
Stühle und unter T ein Tischchen.
Noch bunter sah es auf den Dachböden des Wohnnauses
 aus. Der „vordere Stubenboden“ war mit
einer Lehmschichte gepflastert, der „Lab’mpoud’n“
hatte dagegen nur einen einfachen Bretterboden
Hier lag „älla‘händ Graff’lwea’ch“ (allerlei Gerümpel).
wie zu mir die Anna sagte, durcheinander. So war
es auch. Alte und neue Ochsenjoche, Spinnräder,
„Änmächat“ ‚(eine Art steinharter Käse, der zum
1) „Proutrend’1“ ist wohl ein verunstalteter dim. von
Proutrem; Prätrem wird das gleiche Geräth, die hängende
Brotbühne in der benachbarten Heanzerei genannt.

inmachen der Käsesuppe dient), Kleeblumen in
Säcken, Haspel und Spulen, Hecheln und Flachs in
Winkeln, Alles lag kunterbunt durcheinander.
Der „hintere Stubenboden“ dient als „Tradkäst’n“
‚Getreidespeicher). Der Fussboden dieses Dachbodens
ist ein Bretterboden, Er ist mangelhaft gemacht und
so schlecht schon, dass das Getreide durch die
Spalten in die darunter liegende Stube fallen würde,
wenn es nicht durch Spinngewebe, die wie dichte
Wolken von der Decke hängen, aufgefangen würde.
An die Ausbesserung des Bodens denkt Niemand,
obwohl sie leicht vollzogen werden könnte, da die
Geschwister „sich sehr gut stehen“, wie mir der
Wirth, Franz Holler in Vorau, bei dem ich wohnte
und der die Verhältnisse der Bauern seiner Gegend
sehr gut kennt, sagte.
Herrn Holler klagte ich auch mein Leid über
lie Erfahrungen, die ich in Bezug auf die Reinlichkeit
 im Hause des „Lederer in Eila“ gemacht habe.
„Jä,“ sagte er, „insarı Lait häb’m t’ raifisti Sauwiatschäft.
 In da‘ Stub’m häb’m s’ t’ Sauschaff’l,
©’ HEind’l (Hühner), unt schaun’s amäl t’ Päitt’n auß.
Ti Teicka‘, wäs häb’m, tä hät schaun ta‘ Ua‘grässvätta‘
 train g’schläffa‘. Unt wiss’n S’, pan zeihnt’n
daus häb’m s’ käan Äptritt. Ta gain s’ glai‘ aussi
hinta“ ’s Haus unt s&itz’n si‘ hin. Ta‘ Houf is‘ gäa‘
ta‘ rainsti Sauställ.“
Das vorstehende Urtheil Holler’s ist nicht nur
arwüchsig, sondern auch hart, aber gerecht. Gerade
bei diesem Hause auch, das ich eben beschrieben,
ınd bei vielen anderen fand ich in der That keinen
Abort. Die Betten waren auch um die Mittagsstunde
aoch nicht gerichtet. So, wie sie Morgens verlassen
wurden, traf ich sie übrigens auch in anderen Häusern
 selbst während der Abendstunden noch. Und
las Bettzeug sah wirklich fast überall so aus, als
>b es von der Urahne ererbt worden wäre. Der Hof
ist in jedem Bauernhause, wenn sonst dessen Inneres
auch rein ist — ich sah übrigens auch einige beispielhaft
 reine Bauernhäuser um Vorau und werde
zuch eines davon, das Haus Nr. 14 des Franz Holzer
.n Schachen, beschreiben —, so schmutzig, dass man,
wenn man die vor dem Hause und den Ställen hin-‘aufenden
 Gräd’n verlässt, keinen Schritt trockenen
Fusses machen kann.
Der Dünger wird nämlich nicht wie im Hofe des
‘ränkischen Gehöftes in der Heanzerei in einer ver-;jieften
 und oft ausgemauerten Stelle zusammenyzetragen,
 wohin auch die Jauche zumeist durch
ınterirdisch geleitete Canäle abfliesst, sondern man
            
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