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Full Text : Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft in Wien, N.F. 17=27.1897

— 175 —

auf die Dauer gar nicht verhindert werden kann
und dass man deshalb in älteren Häusern bedacht
sein musste, den Rauch auf einem anderen Wege
abzuleiten. Im Hause Nr. 35 aus Tulwitz wurde der
Rauch, so lange die vordere Stube noch Rauchstube
war, wie ich mitgetheilt und wie am Hause jetzt
noch zu ersehen (vgl. die Ansicht Fig. 143), durch
ainen hölzernen Schlot, welcher durch die Giebelwand
 des Hauses aus der Stube führt, abgeleitet.
In ganz gleicher Weise und am ganz gleichen Orte
sah ich einen Rauchabzugsschlot auch bei einem
Bauernhause in der Gegend von Vorau angebracht.
Es ist dies das Haus Nr. 80 des Franz Hammer
vulgo „Franz’l in‘ Rechpea‘“, Gemeinde Schachen.
Bei einem anderen Hause, beim Hause Nr. 67 des
Josef Lechner vulgo „Obere Rothenleitner“ in Puchegg,
strömt der Rauch durch eine Seitenwand der Stube
und wird von aussen durch einen hölzernen Schlot,
der wie angeklebt an die äussere Stubenwand aussieht
 und durch den überhängenden Theil des Strohdaches
 durchragt, aufgefangen und abgeleitet. In
ähnlicher Weise ist der Rauchableitungsschlot auch
bei dem Hause Nr. 84 des Johann Kager vulgo
„Hans’1“, früher „Jäg’l in Änga‘“, Gemeinde Riegersbach,
 und bei mehreren anderen Häusern, die ich
aufnahm, angebracht. Diese Schlote bestehen alle
schon so lange, dass sie nicht erst in einer Jüngeren
Zeit, an die sich noch Jemand erinnern hätte können,
angebracht worden wären. Trotzdem glaube ich aber,
dass sie nicht gleichzeitig mit dem Hause errichtet
worden sind, denn überall riefen diese Schlote und
besonders die Art und Weise, in der sie zumeist
höchst ungeschickt und unschön angebracht waren,
in mir die Vermuthung hervor, als ob ich Flickarbeit
 vor mir hätte, die ursprünglich Versäumtes
verbessern soll.
In der Regel wird jedoch der Rauch durch Schlote
nicht direct aus der Stube abgeleitet, wie dies beispielsweise
 auch bei dem in Rede stehenden Hause
Nr. 19 in Schachen und auch bei dem Hause Nr. 14
des Franz Holzer vulgo „Hoind’l i° da‘ Piara“ in
Puchegg, sowie beim erwähnten Hause Nr. 84 in
Riegersbach, die noch beschrieben werden sollen,
der Fall ist. Es befindet sich in diesen Häusern,
sowie in vielen anderen, die ich sah, oberhalb der
Eingangsthüre, die in die Rauchstube führt, ein Loch,
Jurch das der Rauch. streichen soll, um ausserhalb
der Thüre, also in der Laube, durch einen vierseitigen,
 sich nach oben zu einem Schlote verangenden
 Rauchfange aufgefangen zu. werden, wie

‚inen solchen in ganz gleicher Ausführung KEıcn in
seiner „Charakteristik der Salzburger Bauernhäuser“
Fig. 13, S. 48) abbildet. Da in der Rauchstube aber
fast nie ein Gegenzug herrscht, so findet der Rauch
nur selten den ihm angewiesenen Weg. Man hat sich
Jarum im Hause Nr. 84 veranlasst gefunden, dem
‚»ben erwähnten und unten im Bilde (Fig. 150) zu
sehenden Schlot, der aus der Seitenwand der Stube
schräg durch das Dach führt, neben dem anderen
Schlote, der aus dem Vorhause durch das Dach emporzeleitet,
 anzubringen. Der zweite, neue Schlot leitet
Jen Rauch nun wohl besser ab, da durch ihn und das
Loch über der Thüre fortwährend Zugluft weht.
Ich fahre jetzt in der Beschreibung der Rauchstube
 des Hauses Nr. 19 in Schachen fort. Die
stabilen Bänke laufen hier nicht nur an zwei
Wänden entlang. Auch an einer dritten steht eine
solche und diese setzt sich, im rechten Winkel georochen,
 an der Vorderseite des Backofens bis an
Jie Seite des Herdes fort. Unterhalb der Theile a
ind b der zuletzt erwähnten Bank ist eine Hühner-;teige
 („Heafistaig’n“) untergebracht, wie sich dies
zuch aus dem Bilde des Herdes (Fig. 149) ersehen
lässt. Rundherum läuft an den drei Wänden über
len Bänken eine Stellage, die wieder nur aus schmalen,
I5 cm breiten Brettern besteht. Es ist dies daher
zeine „Rem“ oder „Zinnäs’n“ von der Form, wie
man sie in der Heanzerei und auch anderwärts
findet. Es werden darauf auch nicht Teller gestellt
der Krüge gehängt wie dort, denn Alles würde in
kurzer Zeit vollständig mit Russ überzogen werden,
\us demselben Grunde findet man hier und in keiner
Zauchstube der Gegend von Vorau einen Hausaltar.
Nohl zum Ersatze desselben steht aber in jeder
Zauchstube der Gegend, auch in der, die ich eben
beschrieben, auf dem grossen Tische im Tischwinkel
in kleines Crucifix aus Messing. Neben dem Tische 7
;:teht eine Bank. Einen Schusterstuhl fand ich auch
ınier wieder. Er stand neben dem Tische, unter die
3Zank gerückt. In der vorderen hinteren Ecke stand
5ei c ein Stuhl, der einzige, den ich in der Rauch-;stube
 sah. Im Tischwinkel stand ein dreieckiges
Wandschränkchen auf der Bank und bei d hing ein
Schüsselkorb hinter der Thür an der Wand. Neben
dem Herde stand an der Thür ein Küchenkasten K-K
und zwischen Thür und Tisch ein Tafelbett 7-B
Bei e hing eine „Holzbruck“ von der Decke und
bei F ein ähnliches Traggerüst aus Stäben zum
Trocknen der zur Beleuchtung dienenden Späne, die
‚Spanschwing’“.
            
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