Digitized Materials

Here you will find digitized editions of anthropological journals and monographs. For more information about the digitization project, please visit [here].

Search in

Full Text : Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft in Wien, N.F. 17=27.1897

168 —

menen Namengebung in dieser Gegend ist mir aber
doch aufgefallen, der nämlich, dass hier oft mehrere
Bauernhäuser, die in einer kleinen Gruppe beisammenliegen,
 einen, ich‘ möchte sagen, Cardinalnamen
führen. Der Bauer Joh. Gschiel führt nach seinem
Hause, das unter der Nr. 28 in Puchegg liegt, den
Vulgärnamen „Hans’l in der Linden“. In der Nachbarschaft
 des Hauses Nr. 28 liegen die Häuser
Nr. 24 und 26. Der Besitzer des Hauses Nr. 24
heisst Simon Holzer und wird „Simon in der Linden“
genannt, während der Besitzer des Hauses Nr. 26
Michael Holzer heisst und den Beinamen „Mich’l in
der Linden“ führt. Alle drei, die Besitzer der Häuser
Nr. 24, 26 und 28, sind die „Lindenbauern“.
So wie es in Puchegg „Lindenbauern“ gibt, so
gibt es beispielsweise in Riegersbach „Angerbauern“
und in Vornholz „Grändbauern“ („Gränd“ ist ein
Brunnentrog). Man unterscheidet dann hier einen
„Hans’l beim Gränd“ und einen „Haus’l (Balthasar)
beim Gränd“, und dort einen „Zenz’l im Anger“
und einen „Hans’l in Anger“, Bei dem letztgenannten
Bauern habe ich in Erfahrung gebracht, dass sich
der Taufname, der dem Hausnamen in solchen Fällen,
wobei ein Name mehreren Häusern eigen ist, beigegeben
 wird, nicht vererbt. Der Vater des „Hans’l
im Anger“ hiess Jakob. Er führte daher den Namen
„Jäk’l im Anger“. Solche gemeinschaftliche Hausnamen,
 wie die besprochenen, gibt es in der Umgebung
 von Vorau noch viele. Ich nenne nur einzelne:
 die Stifingbauern (z. B. „Hans’l in da“ Stifin‘“
oder „in da‘ Stift’n“), die Birkenbauern (z. B. „Hoinid]
[Hans’l] in da‘ Piara“), die Rechbergbauern (z. B.
„Franz’l in Rechpea‘“), die Zeilbauern (z. B. „Franz”
1° da‘ Zail“) ete.
Es überwiegen dabei aber solche Hausnamen.
welche nur einem Hause zufallen. Es mögen auch
davon einige genannt werden: „Forster“, „Kernbauer“,
 „Breneder“, „Fuchs in G’stainach“, „Gressing“,
 „Spitzer“, „Doppelhofer“. Es sind dies zum
grössten Theile Familiennamen, die von früheren
Besitzern auf das Haus übergegangen sind.
Ich nahm in der Gegend von Vorau im Ganzen
20 Häuser auf. Davon habe ich 9, die besonders
vortheilhaft lagen, photographirt und 11 Häuser gezeichnet.
 Von allen diesen Häusern liegen natürlich
auch die Pläne vor mir, So sehr ich wünschen möchte,
alle diese 20 Häuser beschreiben zu dürfen, muss
ich mich jedoch, um durch die vielen Cliches, die
dabei nöthig wären, die Herausgabe dieser Arbeil
nicht übermässig zu vertheuern. anf die Besprechung

nur weniger Häuser beschränken, Ich wähle bei
diesem Umstande, um das Bild der Bauernhäuser
aus der Gegend von Vorau so vollkommen als möglich
zu gestalten, aus meinem Materiale sechs Häuser aus,
von denen mit Ausnahme zweier, des ersten und
letzten, wie ich aus dem Besuche von etwa 40 Häusern
und der oberflächlicheren äusseren Betrachtung weiterer
 40 Häuser ersehen, ein jedes eine Reihe gleicher
Bauten hinter sich hat, so dass die beregten sechs
Häuser als eben so viele Typen in der stets fast vollkommen
 gleich: wiederkehrenden Ausgestaltung des
Bauernhauses aus der Gegend von Vorau gelten
xönnen.
Auch in der Gegend von Vorau ist die Centralınlage
 im Bauerngehöfte die übliche. Unter all’ den
Bauerngehöften um Vorau, die ich gesehen, traf ich
— einzelne Keuschen, die nicht als Bauernhöfe anzeschen
 werden können, nicht in Betracht gezogen —
kein einziges, das nicht in der Form des fränkischen
Gehöftes angelegt gewesen wäre. Kam mir also um
Vorau kein Bauernhof unter, der nicht ein fränkisches
 Gehöfte gewesen wäre, so fand ich ein solches
in nicht allzu grosser Entfernung von Vorau, von
liesem in nordöstlicher Richtung etwa 5km in der
Luftlinie entfernt, im Thale des Schwarzbaches,
ler, nachdem er am Fusse des Bergrückens, auf
lem die Festenburg malerisch thront, aus dem Zujaammenflusse
 des vorderen und hinteren Waldbaches
ntstanden :ist und sich nach kurzem Laufe in direct
südlicher Richtung bei dem Oertchen Bruck in die
Lafnitz ergiesst.
Kaum tausend Schritte oberhalb der Mündung
les Schwarzbaches in die Lafnitz liegt dieses Gehöfte
 an der östlichen Berglehne, die sich aus dem
Thale erhebt. Es liegt in dem zur Gemeinde St. Lotenzen
 gehörenden „Köppel-Viertel“, trägt die Nr. 48
ınd führt den Hausnamen „Kainz in der Au“. Das
Anwesen wurde vom Bauern Anton Huber, der ein
zweites, 108 Joch umfassendes Besitzthum hat, das
»benfalls im „Köppel-Viertel“, und zwar in Feichtern
.jegt, erst im Frühjahre 1896 angekauft. Das Haus
war, da der Bauer mit seinem Gesinde auf dem Gute
ın Feichtern wirthschaftet, während die Bäuerin mit
Ihren drei Jüngsten Kindern unten im Keinzen-Hofe
haust und dort das Jungvieh besorgt, nicht vollzommen
 bewohnt. Obwohl also dieses Gehöfte nicht
wie ein normales Bauernhaus belebt war, nahm ich
as trotzdem auf, da es eben das einzige bäuerliche
Wohnhaus war, das ich freistehend und losgeschält
von allen anderen Gehänden fand. die sonst beim
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.