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durch vergessene Lande“ sagt, „zu einem wahrhaft
herzerquickenden Bilde der Mittelgebirgslandschaft“
Auf Ferdinand Krauss’ eben genanntes Werk
verweise ich in Bezug auf die geschichtliche Vergangenheit
der näheren und weiteren Umgebung von
Vorau. In dem Abschnitte „Vorau“, S. 112 ff., bespricht
er ausführlich die Geschichte des Marktes
und des Stiftes Vorau, während er sich in dem einleitenden
Abschnitte „Geschichte“, S. 20 ff., über die
Vergangenheit der ganzen nordöstlichen Steiermark
ergeht und dort auch Schlüsse zieht in Hinsicht auf
die Urbewohner dieses Gebietes, die er für keltogermanischen
Stammes hält, und auf die neuere
Besiedelung nach der Vernichtung der Bojarenherrschaft
durch Karl d. Gr. Sie soll ans Baiern und
Franken geschehen sein.
Auch Ethnographisches bringt Krauss aus der
Gegend um Vorau in seinem Buche. S. 80 ff, bespricht
er unter dem Titel „Sitten und Gebräuche am Südgelände
des Wechsel“ das „Richtersetzen“, das
„Heilige Dreikönig-Spiel“, den „Brecheltanz“, „Hochzeitsgebräuche“,
„Hexen und Aberglaube“, „Volksspiele“,
das „Alpenleben“ und die „Bäuerlichen
Mahlzeiten“.*)
„Der Bauer der nordöstlichen Steiermark ist, wie
der Aelpler überhaupt, mittelgross, mehr untersetzt
und kräftig. Beleibtheit ist sehr selten. In Augen,
Haaren und Hautfarbe herrschen die hellen Farben
vor. Frauen- und Männerschönheiten sind nicht häufig.
Cretinismus findet man nicht allzu oft. Kräftigen
Greisen von siebzig und mehr Jahren begegnet man
nicht selten, doch ist die Zahl der über Achtzig-Jährigen
gering. Die Tracht zeigt wenig Volksthümliches.
Die Füsse stecken in derben Bundschuhen,
bei Männern häufiger in kurzen Halbstiefeln. Im
Hause, namentlich bei der Stallarbeit, sieht man
häufig den Holzschuh; barfuss gehen die Erwachsenen
selten. Die Kleidung der Männer besteht meist aus
dem weissgrauen sog. Wiefeltuch, das nicht selten im
Hause erzeugt wird. Die Wolle hiezu wird stets im
Hause gesponnen. Der Bauer trägt lange, ziemlich
weite Hosen, Jacke oder wohl auch kurzen Schösselrock
und dazu häufig den rothen Brustfleck. An
Sonn- und Feiertagen trägt der Wohlhabendere nicht
selten dunkle Tuchkleidung mit Weste, deren Schnitt
1) Vgl. hiezu auch im Bd. „Steiermark“ des Werkes
„Die österr,-ungar, Monarchie in Wort und Bild“ den Artikel]
von Jomany Kranz: „Zur Volkskunde Steiermarks“, worin
sich besonders auch über das Wechselgebiet Volkskundiges
heafindet.
städtischen Anstrich hat. Charakteristisch ist in der
degend die blaue Leinwandschürze, welche sehr lang
ist, um die Mitte gebunden und mit Ausnahme vom
Sonntag stets getragen wird. Als Kopfbedeckung
3rscheint meist ein runder, ziemlich niederer Filzhut:
m Winter sind auch die sogenannten Pudelhauben
'schildlose Kappen aus Thierfellen) beliebt. Die Frauen
ınd Mädchen tragen Rock und Jacke aus gedruckter
Leinwand, Percail, Wollenstoff, ja auch Seide; hiezu
zommt an Werktagen die blaue, an Sonn- und Feiertagen
die schwarze, mitunter seidene Schürze, ein
über die Brust kreuzweise gebundenes, mehr oder
minder werthvolles Tuch. Als Kopfbedeckung findet
man ausschliesslich das unterm Kinn gebundene
Kopftuch; dasselbe wird auch zu Hause nicht abzelegt
und ist meist aus bunten Stoffen; bei feierichen
Gelegenheiten werden gerne seidene getragen;
iltere Frauen wählen dann meist die schwarze Farbe.
Die Leibwäsche besteht fast ausschliesslich aus grober.
selbsterzeugter Rupfenleinwand,
Das Bauernvolk kann im Allgemeinen als ziem-.ich
geistesrege bezeichnet werden. Doch findet man
weltliche Bücher, mit Ausnahme kleinerer oder
zrösserer Kalender, in Bauernhäusern fast gar nicht.
Yon Zeitungen ist ein elerical-conservatives Wochenblatt
verhältnissmässig ziemlich stark verbreitet.
Der Sinn für Musik ist merkwürdigerweise sehr
gering entwickelt; bodenständige Poesie fehlt gänzlich.
Was die Charaktereigenschaften betrifft, kann
nicht gerade viel Ungünstiges gesagt werden. Der
Bauer ist eher stolz und selbstbewusst als unterthänig
ınd weiss seine unabhängige Stellung als Besitzer
von Grund und Boden wohl zu schätzen; er ist
>hrlich, friedfertig, fleissig, genügsam und meist
sparsam. Politisch ist er ziemlich gleichgiltig und
ınreif; doch hängt er zähe am Alten, ist aber Neuesungen
nicht immer abhold, zumal, wenn er deren
Nutzen einmal wahrgenommen hat.
Das bäuerliche Volk kann man entschieden eher
als leichtlebig, wie als ernst bezeichnen.
In vielen Häusern findet man musterhafte Ordnung
und Reinlichkeit, doch gibt’s selbstverständlich
auch Ausnahmen, namentlich in Familien von geringerer
Wohlhabenheit.
Eigenthümlich ist das Verhältniss zwischen Eltern
ınd Kindern. Letztere werden bis in’s schulpflichtige
\lter sehr häufig geradezu verhätschelt. In späteren
Jahren herrscht aber zwischen ihnen kein anderes Veraältniss,
wie zwischen Dienstboten und Herren. Das erwachsene
Kind bekommt seinen Lohn, geht sonst