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Full Text : Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft in Wien, N.F. 17=27.1897

— 165 —

Zur leichteren Vergegenwärtigung des inneren Ausbaues
 dieses Hauses biete ich auch von diesem Hause
den Grundriss (Fig. 144). Der neuere Zubau, das
dem Hause angefügte Stübel, erscheint im Plane
durch punktirte Linien ausgeführt, so dass die ausgezogenen
 Linien des Risses den Grundriss des alten
Hauses darstellen.
Der Raum, der im Grundrisse mit „Stube“ bezeichnet
 ist, ist die Wohnstube. In der anstossenden
Laube steht bei / der Herd. Die Laube ist also
Herdraum und Hausflur zugleich. An sie schliesst
sich noch ein Keller an. So ist es heute, früher war
es anders. Da das Stübel ehedem gefehlt hat, wies
der Grundriss die charakteristische Dreitheilung des
oberdeutschen Hauses auf. Die Laube war früher
ausschliesslich Flur ohne Herd und hat als solche,
trotzdem heute der Herd dort steht. ihren alten Namen

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Fig. 144. Grundriss des Hauses Nr. 35 in Tulwitz (1 : 333).

„Lab’m“ beibehalten. Die heutige Stube war auch
früher die Wohnstube des Hauses, doch loderte
in ihr auf offenem Herde das Feuer; es
war eine Rauchstube („Rachstub’m“). Der
Herd stand, wie mir der Besitzer des Hauses sagte,
dort, wo heute der Ofen O steht. Beweise, dass diese
Stube ehedem wirklich eine Rauchstube war, liegen
mir ausser der Versicherung des Bauers noch drei
vor. 1, Das Gebälke der Stube weist heute noch
Jie glänzende schwarze Schichte abgelagerten Russes
auf. 2. Das kleine, heute noch sichtbare und auch
in der Ansicht des Hauses wahrzunehmende, über
den beiden mittleren Fenstern angebrachte, jetzt
durch Bretter verschlagene Fensterchen war dazu
da, um den Rauch, wenn er in der Stube gar zu
lästig wurde, in’s Freie gelangen zu lassen.!) 3. Die

1) Unter diesem Fensterchen ist in der Zeichnung zwischen
den beiden mittleren Fenstern noch ein verschlagenes Fen:

jefe Lage dieses der Rauchableitung dienenden
Fensterchens mochte bald als unpraktisch erkannt
worden sein. Es wurde darum für immer geschlossen
and an seiner Stelle errichtete man in der Holzwand
ziemlich hoch über dem zweiten Fenster eine andere
Deffnung und ein hölzerner Schlot, der ebenfalls
in der Abbildung des Hauses zu ersehen ist, leitete
Jen Rauch nun besser ab, als früher das tiefliegende
Fensterchen.
Das Haus Nr. 35 in Tulwitz war das letzte
Haus, das ich auf meiner Wanderung quer durch
Jie östliche Mittelsteiermark aufnahm, und merkwürdigerweise
 war es das erste, das mir die Gewiss-1eit
 verschaffte, dass die Rauchstube auch in dem
Jurchwanderten Theile der östlichen Steiermark vor
kurzer Zeit noch vorkam. Ich bin der Ueberzeugung,
dass es in dem durchquerten Gebiete in abseits
und höher gelegenen Orten auch heute noch Rauchstuben
 geben muss. In dieser Ueberzeugung bestärken
mich die Erfahrungen, die ich während meiner letzten
Excursion in den Sommerferien des Jahres 1896
gesammelt habe. Darüber handelt nun der letzte Abschnitt
 meiner vorliegenden Arbeit.
E. Das Bauernhaus in der Gegend von Vorau.

Der Marktflecken Vorau (ca. 800 E.) liegt in der
1ordöstlichen Ecke der Steiermark in einem vom
Y/oraubache durchflossenen Seitenthale der Lafnitz,
jes Grenzflusses zwischen Ungarn und Steiermark,
in einer Höhe von 660 m über. dem Meere. Die
Jegend um Vorau bildet einen Kessel, der im Süden,
Jüdosten und Südwesten vom Masenberg (1262 m)
ınd dessen Ausläufern halbkreisförmig eingefasst ist.
Im Nordosten, Norden und Nordwesten umschliesst
jen Kessel eine Hügelkette, die aus dem Lafnitz-“hale
 aufsteigt, gegen Süden dem Wechsel (1730 m)
‚orgelegt ist und im Tommer (1059 m) seine höchste
Jöhe erreicht. Wie das Gebiet um Kirchschlag und
lie Gegend der Nörning, so ist auch der Kessel von
VYorau durch eine Unzahl tief einschneidender Gräben
ırg zerrissen und „dieser reiche Wechsel von Thalınd
 Hügelformen, von dichten Waldmassen, bunt
lurcheinander liegenden Acker- und Wiesenfeldern
bis zu den in blauen Fernen lagernden Alpenmatten
zereinigt sich hier,“ wie FerDinAanD Krauss in seinem
Werke „Die nordöstliche Steiermark. Eine Wanderung

;terchen zu sehen. Als das Stübchen angefügt wurde, wurden
lie Fenster des Hauses versetzt und vergrössert. Das verıchlagene
 Fensterchen zeigt die Grösse der ehemaligen Fenster
            
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