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seite des Hauses über den beiden Bodenfenstern in
einer Steintafel eingegraben ist, beweist, im Jahre 1625
erbaut wurde. Im Jahre 1885 brannte der ganze Hof
ab. Das Wohnhaus, dessen steinernes Mauerwerk
stehen blieb, hat, nach der Versicherung des Bauern.
im Grossen und Ganzen heute dasselbe Aussehen,
das es vor dem Brande hatte. Die Wirthschaftsgebäude,
auf die ich später zu sprechen komme,
lagen jedoch früher anders, als jetzt.
Der Grundriss des Hauses (Fig. 142) zeigt grosse
Aehnlichkeit mit dem des vorstehend beschriebenen
Hauses. Die Eintheilung ist hier ganz dieselbe, wie
dort. In der Ausgestaltung, d. i. in der Auftheilung
der Räume, bietet dieses Haus jedoch grössere Einfachheit,
also mehr Ursprünglichkeit.
Wieder sehen wir hier im Grundrisse dieselbe
Dreitheilung, die beim Hause des „Pirg’lbauern“ in
Auen zu beobachten war. Die Mitte des Hauses
nimmt die grosse durchgehende Laube ein; links
davon liegen die Wohnräume, rechts Wirthschaftsräume.
Die Wohnräume bestehen hier nur aus einer
Stube und der danebenliegenden, von der Stube
durch eine Mittelwand getrennten Küche.
Der Umstand, dass im Hause des „Pirg’'lbauern“
die Küche eigenthümlicherweise in die Laube vorragt
und dieser die für die Gegend ganz untypische
Form eines Hakens gibt, brachte mich, den weiteren
Umstand in Betracht gezogen, dass die Lage des
„Stübels“ eigentlich auch eine untypische ist und
es fast genau dieselbe Breite einnimmt, die der in
die Laube vorragende Theil der Küche misst, nachdem
ich das in Rede stehende Haus des Bauern
Paul Brunnecker in Tulwitz gesehen hatte, auf die
naheliegende Vermuthung, es könnte das Wohnstübchen
des „Pirg’lbauern“ erst in späterer Zeit
angelegt und die Küche damals zum Theile in die
Laube vorgerückt worden sein, so dass die ungewöhnliche
Form der Laube die Folge einer später erfolgten
Umgestaltung vom Inneren des Hauses sein
dürfte.
Die Küche im Hause des „Magerl“ weist bei H
noch einen offenen Herd auf. Sie steht mit der
Stube durch eine Thür in Verbindung. Betreten kann
die Küche auch von der Laube aus werden. Eine
dritte Thür führt aus der Küche in’s Freie. Diese
Thür ist wohl erst später, wahrscheinlich erst nach
dem Brande, angelegt worden. Sie ist nämlich für
die Gegend ganz untypisch. Dass sie nicht gleichzeitig
mit der davon rechts liegenden Hausthüre
angelegt wurde, beweist das Vorhandensein eines
3ogengewölbes über der Hausthüre und das Fehlen
aines solchen über der Küchenthüre.
In der Stube fällt vor Allem der grosse Backfen
B-O auf, der aus der Küche hereinragt und
von der Küche aus zu heizen ist. Den Backofen
umgibt ein hölzernes Gitterwerk. Vor dem Back-»fen
ist eine Bank angebracht. An Stelle der Bank
stand vor dem Brande der Kachelofen. Die Thüre,
welche jetzt hier in die Küche führt, war ehedem
lort, wo heute der neue Kachelofen O0, der eben-'alls
durch ein Holzgitter eingefasst ist, steht. Herd,
Men und Backofen standen also auch hier vor dem
3rande genau in derselben Anordnung beisammen,
wie in dem Hause Nr. 13 in Auen oder wie in den
Häusern Nr. 30 und Nr. 15, die ich aus Kirchschlag
beschrieben habe (vgl. oben die Pläne Fig. 120, 122
ınd 140). Der Tisch und die Bänke nehmen ihren
;ypischen Platz ein. An weiteren Möbeln stehen in
ler Stube bei A-K, und 4-K, zwei „Aufsatzkästen“,
wie sie-hier häufig vorkommen. Auf einem commodeihnlichen
unteren Theile steht ein kleines Kästchen
mit Doppelthüre. Das Ganze sieht einer modernen
Credenz ähnlich. Bei K steht ein Kleiderkasten und
bei 7-B ein „Tafelbett“, in welchem die „Kuhdirn“
nit der neunjährigen „Maried’l“ schläft. Das Tafelbett
ist ein ganz eigenartiges Möbel, das ich in dieser
xegend häufig gesehen habe. Es zeigt die Form eines
Waschtroges und ist daher auch dem Untertheile
3ines Sarges nicht unähnlich. Am Tage wird es mit
nem aus Brettern gefügten Deckel geschlossen und
lient dann so als Tisch. Aus der kurzen Beschreibung
lieser Stube geht hervor, dass sie ebensowenig die
Wohnstube der Familie ist, wie die grosse ebenerdige
Wohnstube im Hause des „Pirg’lbauern“. Sie dient
ıllen Personen des Hauses zum gemeinschaftlichen
\ufenthalte. Hier werden die Mahlzeiten eingenommen,
ıer sitzt am Sonntag-Nachmittage der Bauer mit
jeinem alten Knechte beim Moste, hier spinnen die
weiblichen Hausgenossen an den Winterabenden,
während die männlichen eine andere Arbeit verichten;
die grosse Stube ist der Brennpunkt für
las Leben im Hause. Der Kuhdirn dient die Stube
1ur darum zum Schlafgemach, weil eben gerade noch
laum für ein Bett im Zimmer übrig war und die
Bäuerin ihr keinen anderen Platz anzuweisen hatte,
la die grosse Stube, die über dieser im Obergeschosse
legt, keine Fenster hat. Der Wind bläst da lustig
lurch die eine Fensteröffnung hinein und durch die
andere hinaus. Auf der anderen Seite der Laube
jegen nicht vier Räume, wie im Hause Nr. 13 in