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Full Text : Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft in Wien, N.F. 17=27.1897

— 156 —
Mundart der Fladnitzer von jenem aus der Gegend
ıusserhalb der Klamm überraschte. Der Unterschied
jesteht wohl nicht in den Wortschätzen der Nach-Jarn
 und auch nicht in der Wortsetzung, sondern
1auptsächlich im scharfen Tonfalle, der innerhalb
ler Klamm ‚gehört wird, und in der äusserst scharfen
\ussprache der gutturalen Laute k und ch. Einem,
lem aus seiner Jugend, wie mir, noch immer die
weiche Aussprache des k und ch des heimischen obertärntnerischen
 Dialectes, der in Wörtern wie „ Ecken“,
‚Wackeln“ das ck in das weichere gg: „Egg’n“,
‚wägg’In“, in Wörtern wie „kochen“, „schleichen“
las ch in das sanft aspirirte h: „koh’n“, „schleih’n“
ımwandelt, noch fortwährend angenehm in’s Ohr
ällt, läuft es fast kalt über den Rücken, wenn er
‚Ecken“, „wackeln“, „kochen“, „Schleichen“ als
‚Eckk’n“, „wackk’In“, „kochch’n“, „schleicheh’n“
gesprochen hört.
Wie sich nun zwischen den Bewohnern innerhalb
ınd jener ausserhalb der Klamm und ihrer Mundarten
 Unterschiede ergeben, so ergeben sich auch
ı1amhafte Abweichungen in der Ausgestaltung ihrer
Häuser; ja selbst die Anlage des Hofes ist eine andere.
'ch habe eben festgestellt, dass ich das fränkische
Gehöfte als den herrschenden Typus in der Anlage
des Hofes bis in die Gegend von Weiz verfolgte.
Vor Weiz tritt der Haufenhof nur sehr vereinzelnt
auf, Innerhalb der Weizer-Klamm ist es nun anders.
Das fränkische Gehöfte verschwindet ganz, um dem
zegenwärtig allein herrschenden Haufenhofe den
Platz einzuräumen. Ich hebe das Wort „gegenwärtig“
absichtlich hervor, weil ich nach einer Mittheilung,
lie ich weiter unten an zuständiger Stelle bringen
werde, annehmen kann, dass es ehedem nicht so
war, dass das fränkische Gehöfte vor wenigen Jahren
innerhalb der Klamm zum Mindesten noch seinen
Vertreter gehabt hat. Da ich innerhalb der Klamm
auf dem ganzen Wege bis Frohnleiten a. d. Mur kein
einziges Gehöfte sah, das nach Art des fränkischen
Gehöftes vollkommen geschlossen gewesen wäre, so
werden wohl die Gebirgszüge, welche die Weizer-Klamm
 bilden, der Patschaberg und der Sattelberg
ınd ihre Fortsetzung als die westlichen Grenzen des
Gebietes anzusehen sein, über welches sich in der
5stlichen Mittelsteiermark das fränkische Gehöfte
heute ausbreitet,
Die herrschende Gehöftsanlage im durchwanderten
Gebiete westlich der Klamm ist, wie gesagt, der
Haufenhof, Die Wirthschaftsgebäude liegen vom Wohnhause
 stets gesondert. Ich sage Wirthschaftsgebäude.

Grösser als die Anklänge sind wohl die Unterschiede,
 die da auffallen. So geht meines Erachtens
nach dem, was ich gehört, der Bewohner in der östlichen
 Mittelsteiermark von der ungarischen Grenze
bis gegen Weiz in der Anhäufung der Selbstlaute
noch weiter als der Heanze. Der Heanze gebraucht
statt „hinein“ den ma. Ausdruck „aini“; in der
Steiermark hörte ich dafür „Aaini“ und vielfach
Aehnliches. Ist der Steirer demnach in der Anwendung
 von Selbstlauten noch verschwenderischer
als der Heanze, so ist er im Worte selbst kargeı
als dieser. '
Mein Führer, den ich in Waltersdorf aufnahm
war in früheren Jahren häufig als Taglöhner in der
Nörning beschäftigt. Er traf daher auf unserem Wege
auf viele Bekannte von ehemals. Auch die Frau des
Bürgermeisters Ackerl kannte er. Beim Eintritte in’s
Haus redete er die Hausfrau daher folgendermassen
an: „Di Ackerlerin wirt mi‘ mea‘ nit kenna‘?“ Ihre
Antwort darauf lautete: „Sou nit‘.“ Lakonischer hätte
sie es wohl nicht mehr ausdrücken können, dass sie
ihn nicht zu erkennen vermöge, wenn er ihr kein
weiteres Zeichen der ehemaligen Bekanntschaft gebe.
Ebenso kurz und bündig antwortete mir der
14jährige Sohn der Frau Ackerl, als ich ihn fragte.
wie alt seine Schwester sei. „In zehnt’n, denk’ i‘“
sagte er. Der Heanze würde zum Mindesten folgendermassen
 sprechen: „Jä, Hea‘, i° mäai, in zäöijat’n JAa'
wiat s’ wul schoun sain.“
Mein Führer selbst war in seiner Rede auch
nicht viel breitspuriger. Als ich vor einem Hause
stehen blieb und ihm sagte, dass ich dasselbe photographiren
 wolle, weil es mir gefalle, gab er seine:
Zustimmung und der Beifallskundgebung, dass auch
ihm das Haus gefalle, folgenderweise Ausdruck
„War eh’ nit tumm sölwi.“
Ich habe mich hier tiefer eingelassen in die Besprechung
 der Dialecte zwischen dem Diesseits und
Jenseits der österreichisch-ungarischen Grenze, um an
einzelnen stark in die Ohren fallenden Ausdrücken
Anklänge, in anderen wieder Unterschiede. zwischen
dem heanzischen und dem steirisch-österreichischer
Dialeet hervorzuheben. Wenn ich nun auf die Mund:
art zu sprechen komme, die innerhalb der Weizer-Klamm,
 besonders in der Gegend von Fladnitz, gesprochen
 wird, kann ich hier wohl nicht eigenartige
Unterschiede in den benachbarten Dialecten hervorheben,
 denn die Zeit, dem Dialecte mehr Aufmerk:
samkeit zuzuwenden, war eben zu kurz. Sagen kann
ich aber, dass mich der grosse Unterschied in der
            
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