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Full Text : Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft in Wien, N.F. 17=27.1897

— 153 —

Zwischen Stubenberg und Weiz stiess ich wiederaolt
 auf einzelne Häuser, die schon in ihrem Aeusseren
eine gewaltige Weiterentwicklung in der Ausgestaltung
 der Wohnräume verriethen. Sie zeigten nämlich
in der Giebelwand drei Fenster. Drei Fenster in
einer Wand einer Bauernstube sind mir aber ın
Jieser Gegend noch nicht untergekommen. Sie mussten
also zweien Stuben angehören, die durch eine Längswand
 von einander getrennt waren. Und so war es
auch. Das nächste Haus, das ich beschreiben will.
wird ein solches sein.
Von Hohenitz bis Weiz gewahrte ich auf den
Firsten der Städel oft Hähne aus Blech oder Holz
als Firstschmuck.
So im Thale. Wie es nun in Bezug auf das
Bauernhaus auf den Höhen aussieht, vermag ich
leider nicht zu sagen. Es wäre, dies festzustellen,
die Aufgabe der localen Forschung, die besonders
für die Strecke von Stubenberg bis Weiz um so
wünschenswerther wäre, als ich bei der Begehung
dieser Gegend unter der Ungunst der Witterung litt
und auf diesem Wege weder zu zeichnen, noch zu
photographiren vermochte, Leider gebrach es mir an
Zeit, besseres Wetter abzuwarten, um, was ich sehr
gerne gewollt hätte, das Kulmgebiet, das für den
Hausforscher viel des Interessanten bieten soll. zu
durchstreifen,
Von Daten, die sich auf das Bauernhaus der
Gegend von Stubenberg beziehen und die ich hauptsächlich
 den Mittheilungen des Herrn Cooperators
MiıcnHaeL WınrinG in Stubenberg verdanke. theile ich
hier noch Folgendes mit.
Die Bauernbesitzthümer weisen gegen jene in
der Nörning eine Zunahme an Ausdehnung auf. Der
Bauer um Stubenberg besitzt im Durchschnitte 40 Joch
a 1600 Quadratklafter Land; doch gibt es Bauernbesitze,
 die über 100 Joch umfassen. Kleine Besitzer,
die nicht mehr als 5—20 Joch haben, werden auch
hier Keuschler genannt. Die kleineren Besitze liegen
der Mehrzahl nach im Thale. Das Bestimmen der
Grösse eines Besitzes nach „Vierteln“ und „Achteln“
ist hier nicht üblich.
Auf dem Wege über Unter-Feistritz und Hohenilz
ois Peesen scheinen, nach den Aussagen des Wirthes
Josef Treiber in Stubenberg, bei dem ich Nachtauartier
 nahm. die Besitze der Bauern an Grösse

Hofanlage, bei welcher sich Ställe, Scheune, Getreidekastern
a. 8. w. in gesonderten Gebäuden um das Wohnhaus gruppiren
„Gruppen-Hofanlage“ (Charakteristik der Salzburger Bauernhäuser,
 S. 9).
Mittheilungen d. Anthrop, Gesellsch. in Wien. Ba. XXVII. 1897.

wieder abzunehmen. Es sollen auf den Besitz eines
Bauern in Unter-Feistritz nur mehr 30—40, in Hohenilz
ınd Peesen aber nur mehr 20—30 Joch kommen,
In der Nähe von Weiz, in der Ortschaft Büchl dazegen
 soll der Durchschnittsbesitz wieder auf 30 bis
50 Joch steigen. Ueberall jedoch sind die Liegenschaften
 der Bauern arrondirt.
Der Bauer im Thale treibt nebst Ackerbau und
Viehzucht mit Vorliebe die Obstbaumzucht und zieht
Jaraus namhaften Gewinn. Das Obst wird hier nur
zu geringem Theile zu Most verarbeitet. KEdlere
Sorten, besonders an Aepfeln, so der beliebte, sich
aines weiten guten Rufes erfreuende „steirische
Maschanzker“, der in der Gegend von Stubenberg
‚Eisapfel“ genannt wird, wird von hier in grossen
Mengen nach Wien und sogar nach Deutschland
zeschickt. Die Bauern, welche die höher gelegenen
ınd rauheren Gebiete bewohnen, befassen sich vorzüglich
 mit Viehzucht. Es gibt in der Gegend von
Stubenberg grössere Bauern, die einen Viehstand von
30 Stücken besitzen. Einer der begütertsten Bauern
ler Gegend, der „Heider-Bauer“ in Zeil-Stubenberg,
hat in seinen Ställen 8 Paar Ochsen, 8 Stück Kühe,
68 Stück Jungvieh, 50 Schafe und 20 Schweine
ıtehen. Von den 8 Paar Ochsen stehen gewöhnlich
zwei in der Mast. Sie werden gelegentlich dem
7leischhauer ausgeliefert. Die Milch, welche die Kühe
ijefern, wird zum Theile als solche im Hause verbraucht,
 zum Theile wird „saurer Käse“ daraus
jereitet, der auch im Hause aufgebraucht wird. Aus
Jer überflüssigen Butter wird Schmalz gemacht und
Jieses zum Theile zum Verkauf gebracht. Von den
Ergebnissen der Schweinezucht kommen nur die
iberzähligen Ferkel und „Frischlinge“ zu Markte.
\eltere Thiere werden geschlachtet und dienen den
HTausgenossen zur Nahrung. Da ausser Schaffleisch
kaum anderes Fleisch als Schweinefleisch auf den
Tisch kommt, so ist es leicht einzusehen, dass bei
3inem solch’ grossen Hause, wie es der „Heider-Bauer“
 zu führen gezwungen ist, worauf ich alsbald
zu sprechen kommen werde, eine erkleckliche Zahl
von Schweinen das Jahr hindurch das Leben lassen
muss, Eine gewisse Anzahl von Schweinen wird in
Jer Regel um Weihnachten und Neujahr auf einmal
zeschlachtet. Sowohl das Fleisch als auch der Speck
werden im Rauche über dem offenen Herdfeuer oder
n eigenen Rauchkammern, wie solche bereits in
aänzelnen Häusern vorkommen, geräuchert, und die
Hausfrau muss es sich eintheilen, dass sie das ganze
Iahr hindurch Vorrath an beidem habe. Der Speck
            
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