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Full Text : Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft in Wien, N.F. 17=27.1897

riss des umgestalteten Hauses Nr. 23 der oberen
Nörning (Plan, Fig. 134) zeigt, wenn man sich die
durchgängige schmale Laube wegdenkt. Hiebei bemerke
 ich aber wieder, dass ich die schmale durchgängige
 Laube bei. vielen Gebäuden bemerkt habe
Bei Neu- und Umbauten wird sie wohl immer als
eine praktische Neuerung in den Plan aufgenommen
werden. Das Wohnhaus ist zumeist aus Stein und
Ziegeln erbaut. Die Scheune ist oft ein Blockbau
Die Anordnung der Wohnräume in älteren Häusern,
die noch keiner Umgestaltung unterzogen worder
sind, zeigt den oberdeutschen Typus in einer seiner
untersten Entwicklungsstufen nach dem Muster der
Wohnräume im alten Plane (Fig. 133) des Hauses
Nr. 23 der oberen Nörning. Rauchhäuser habe ich
in der ganzen Gegend nicht mehr getroffen. Die
Häuser sind fast durchwegs mit Stroh gedeckt. Der
Besitz der Bauern ist arrondirt.
Den Weg, den ich von Kaibingsberg aus weiter
nahm, habe ich bereits oben skizzirt. Die doch verhältnissmässig
 lange Strecke, welche ich noch vor
mir hatte, und das von dem Punkte an, bei welchem
ich das Feistritzthal betrat, stets gebirgiger werdende
Terrain zwangen mich, von hier ab, um rascher vorwärts
 zu kommen, meinen Weg die Landstrasse entlang
 bis Ober-Feistritz durch das Thal zu nehmen. Von
Über-Feistritz aus übersetze ich, indem ich die Orte
Hohenilz, Grub und Peesen berührte, den Höhenzug.
der sich zwischen dem Feistritz- und ‘dem Weizerthale
 hinzieht.
Die Hauptaufgabe eines Hausforschers, der län.
gere Strecken begeht, besteht vor Allem wohl darin.
die Grenzen der Gebiete festzustellen, über die sieh
ein und dieselbe typische Hausform erstreckt. Ich
constatire also hier, dass die centrale Anlage des
Bauernhauses auf dem ganzen bezeichneten Wege
von Kaibingsberg über Stubenberg nach Weiz die
allgemein übliche ist. Im Aeusseren, besonders im
Aeusseren der freien Giebel, gemahnen einzelne Häuser
jedoch schon an das obersteirische Gebirgshaus. So
sah ich unmittelbar hinter St. Johann von der Strasse
aus, die am rechten Ufer zum Schlosse Herberstein
führt, am linken Ufer des Flusses ein Gehöfte liegen.
dessen drei Gebäude, aus denen es bestand, in Hufeisenform
 mit einander verbaut sind. Die vordere,
dem Flusse zugekehrte Seite des Hofes ist noch
unverbaut und weder durch. ein Thor, noch durch
einen Zaun oder eine Mauer geschlossen. Ist der
Hof also auch nicht vollkommen geschlossen, so zeig!
die Lage der einzelnen Gebäude zu einander dock

152 —
lie des fränkischen Gehöftes. Die beiden freien, nach
rorne gerichteten Giebel erinnern dabei lebhaft an
las oben beschriebene Haus aus der Gegend zwischen
Fürstenberg und Hartberg. Was nun aber wenigstens
lem einen der freien Giebel das Gepräge des obersteirischen
 Gebirgshauses verleiht, ist der balconartige
 Gang in der Abschlusshöhe des Erdgeschosses,
Es war dies das erste Haus in dieser Gegend, an
lem mir ein Balcon auffiel. Das zweite und dritte
Haus mit Balconen sah ich, nachdem ich Stubenberg
 verlassen hatte, im Eingange zur Freienburger
Klamm. Beim Baue der beiden Häuschen, welche
zwischen der Strasse und dem steil ansteigenden
felsigen Terrain eingeklemmt liegen, wäre es, da
hier nicht Raum genug vorhanden war, unmöglich
zewesen, einen geschlossenen Hof anzustreben. Beide
Häuser sind für die Gegend in ihrer Anlage untypisch
ınd ich erwähne sie nur der Balcone wegen, die
jereits an obersteirische Architektur erinnern. An
lem Balcone des dritten der Häuser sah ich an dem
Brette, das die Mitte der Balconbrüstung bildet, eine
Rosette eingeschnitzt, ähnlich der schönen Rosette,
lie ich Bd. XXV, Fig. 205, abbildete und die sich
auf dem Durchzugbalken im Hause Nr. 98 in Oberschützen
 befindet.
Auf ein kleines Gehöfte, das mich, wie das erste
ler oben erwähnten drei Häuser, an das charakteristische
 Aeussere des Bauernhauses der Hartberger Gegend
zemahnte, stiess ich auf halbem Wege zwischen
Schloss Herberstein und Stubenberg. Es liegt unnittelbar
 links an der Strasse. Auch hier waren die
P’racte in Hufeisenform mit einander verbunden, von
lenen je zwei, welche den Hof von rechts und links
äunschliessen, ihre Giebel nach vorne kehren. Der
ldof war hier übrigens an der unverbauten vorderen
Seite durch ein grosses Bretterthor und einen danehen
angebrachten Zaun geschlossen.
Die centrale Anlage des Bauerngehöftes konnte
ich, wie ich schon oben hervorhob, auf meinem
Wege bis nach Weiz verfolgen. Nach dem Verlassen
les Feistritzthales bei Unter-Feistritz aber, und zwar
von Hohenilz und Grub ab, nimmt die Zahl der
xehöfte, welche nicht mehr in die Art der fränkischen
 Gehöfte eingereiht werden können, merklich
zu, jedoch nicht in solchem Maasse, dass die fränkischen
 Gehöfte bereits in die Minderzahl kämen.
Eingangs des Dorfes Peesen fiel mir der erste „Haufenhof“
 !) auf.
1) Nach Banoananı (Die Hausforschung und ihre Ergebnisse
 in den Ostalpen, S. 13). Joser Eıcı nennt die genannte
            
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