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Full Text : Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft in Wien, N.F. 17=27.1897

— 151

auch das Aeussere des Hauses und besonders die
Lage der Wirthschaftsräume zum Hause sich ändern
Dass das Haus Nr. 23 in Ober-Nörning heute
nicht mehr so aussieht, wie es ehemals war, geht
schon aus der Ansicht des Hauses (Fig. 132) hervor
An den südöstlichen Giebel des Hauses gliedert sich
jetzt ein neuer Tract an, der den Hof nun auch
gegen Osten absperrt, ihn also zu einem vollkommen
geschlossenen macht. Ich bringe unter Fig. 134 jetzt
auch den Plan des Hofes, wie er heute nach der
erfolgten Umgestaltung, resp. nach seinem Ausbaue
dasteht. Die Umgestaltung, welche die Wirthschaftsräume
 erfuhren, sind nicht von Bedeutung, denn die
Erweiterung derselben besteht nur im Zuwachse von

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Untas

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Fig. 134. Neuer Plan des Hauses Nr. 23 in Ober-Nörning.
zwei neuen Räumen, deren Angliederung nur eine
unwesentliche Verlegung der einzelnen alten Räume
zur Folge hatte. Anders steht es mit den Wohnräumen.
 Dieselben sind um einen Raum, durch eine
Stube im Anbaue, erweitert worden. Das von der
Küche, die jetzt in der südöstlichen Ecke einen
Sparherd zeigt, rechts liegende Zimmer ist von der
eigentlichen Wohnung durch einen schmalen Gang,
der jetzt mit dem alten Vorhause ein neues rechtwinkelig
 gebrochenes Vorhaus bildet, abgetrennt und
zu einem separirten „Gastzimmer“ geworden, das
gegenwärtig die alte Ausnehmerin beherbergt. Die
Lage des neuen Zimmers zur alten Wohnstube (beide
haben jetzt moderne Oefen) ist eine ungewöhnliche,
und so ist denn auch die Wohnung durch diese
Umgestaltung zu einer völlig untypischen geworden.
Ja noch mehr. die Thüre. welche in die Aussenwand

les Wohntractes. gebrochen, als der neue Theil des
Vorhauses angelegt wurde, hat. dem ganzen Hause
zin untypisches Aussehen gegeben. Bei diesem Hause
bin ich in der Lage, mit Sicherheit feststellen zu
xönnen, dass der Gang, der jetzt vom Hofe aus quer
Jurch das Haus in’s Freie führt, erst in Folge einer
Umgestaltung entstand. So wie beim Hause Nr. 14
in Sebersdorf jene Thüren, die jetzt durch die nördiiche
 Wand aus dem Hause in’s Freie führen, so ist
zuch diese in der Aussenseite des Hauses Nr. 23
Jes Simon Ackerl gebrochene Thüre, die diese Seite
Jes Hauses gewissermassen zur Eingangs- und Hauptfront
 gemacht hat, während dies früher die dem Hofe
zugekehrte Längswand des Hauses war, eine Neuerung,
 die nach dem Muster des entwickelteren Bauernhauses
 im Westen der mittleren Oststeiermark angebracht
 worden sein wird. Auf dieses entwickeltere
Haus des Westens, dessen massgebenden Einfluss
ich hier annehme, werde ich bald zu sprechen
kommen.
In Bezug auf das Haus Nr. 23 der oberen Nörning
 hebe ich noch hervor, dass es, wie ja auch die
Ansicht des Hauses Fig. 132 zeigt, mit Stroh, und zwar
nicht nach heanzischer, sondern nach österreichischer
Manier gedeckt ist. Dabei zeigt es dieselbe Firstversicherung,
 die mir zuerst in Schmiedraith aufgefallen
 ist. Das Strohdach herrscht überhaupt hier
noeh vor.
Ausser dem Hause sind in unmittelbarer Nähe
desselben noch einige kleinere Nebengebäude aufgeführt
 worden. Unweit der Nordseite des Hauses
‘jegt ein Wagenschuppen und daran der Abort.
i'm Westen des Hauses steht ein Schuppen, in dem
ebenfalls Wagen sind und auch das Holz untergebracht
wird. In südwestlicher Richtung von der Hofeinfahrt
jiegt im Obstgarten, der das Haus von der Süd-,
West- und Nordseite umgibt, ein Presshaus, unter
Jem sich ein Keller befindet, der den Obstmost
’Apfelwein), das beliebteste Getränk der Gegend,
birgt, von dem jedem Gaste, der das Haus betritt.
3in dickleibiger Masskrug credenzt wird.
Bevor ich weiter gehe, möchte ich einiges besonders
 .Charakteristisches in Bezug auf das Bauernhaus
 dieser Gegend aus dem hier Mitgetheilten zuzsammenfassen:
 Das geschlossene fränkische Gehöfte
'st durch die ganze Nörning und auf dem oben bezeichneten
 Wege über Kaibingberg hinaus bis gegen
Stubenberg hin die allgemein übliche Art in der
Anlage des Bauernhauses. Als Muster der inneren
\usgestaltung kann dabei die gelten. die der Grund-
            
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