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Full Text : Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft in Wien, N.F. 17=27.1897

Der Bürgermeister Acker} theilte mir mit, dass
Jie Bauern in der Unter-Nörning sich besser stehen
als die der Ober-Nörning, dass sie grösseren Besitz
haben. Die meisten Bauern hätten dort 40—50 Joch;
einer sei unter ihnen, der Bauer Lechner, der an
90 Joch besässe. Kleine Besitzer, das sind solche,
die nicht mehr als etwa 20 Joch besitzen, werden,
so sagte mir Ackerl ferner, „Keuschler“ genannt.
Der Grund eines jeden Bauern liege arrondirt in
einem Complexe beisammen und der Hof zumeist
mitten darin. Die 31 Joch Land, welche der Bürgermeister
 Acker] besitzt, bestehen aus 13 Joch Ackerland,
 5 Joch Wiesen und 13 Joch Wald.
Der Viehstand beläuft sich auf 1 Paar Ochsen,
3 Kühe, 3 Stück Jungvieh und 9—13 Schweine.
Zur Bearbeitung seines Gutes bedarf Ackerl der
Mithilfe von Dienstboten. da seine Kinder, Josef

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‚wischen Hartberg und Fürstenfeld typische Front
Jes Bauernhauses mit den beiden Giebeln und dem
yrossen überdachten KEinfahrtsthore in der Mitte.
Die Gehöfte nehmen in ihrem Aeusseren mehr das
jepräge des Bauernhauses aus der Gegend von
Kirchschlag an.
Ich bringe unter Fig. 132 das Haus Nr. 23 des
Bürgermeisters Simon Ackerl in Ober-Nörning. Kin
„ur oberflächliches Vergleichen dieses Bildes mit der
Hustration des Bauernhauses Nr. 15 aus Aigen bei
Kirchschlag (Fig. 122) wird die im vorstehenden
Satze aufgestellte Behauptung bestätigen. Die grossen,
zum Theile auch nur maskirten Fenster dieses Hauses
weisen auf eine erst in neuester Zeit erfolgte Modernisirung
 des Hauses hin. Ich hätte wohl lieber ein
anderes der Häuser, die ich in dieser Gegend aufgenommen.
 beschrieben, das mehr Ursprüngliches in

Fig. 132. Haus Nr. 23 in Ober-Nörning bei Hartberg.

(13 Jahre alt) und Maria (10 Jahre alt), noch nicht
ausgiebig in der Wirthschaft mithelfen können. Ausser
einer älteren Magd („Dirn’“), die schon sechs Jahre
im Hause ist, stehen noch ein sechzehnjähriger Knecht
and eine sechzehnjährige Magd in den Diensten des
Bauern. Zudem hilft noch ein „Tagwerker“ den
grössten Theil des Jahres hindurch aus.
Zu erhalten hat Ackerl ausser seiner Familie
und den aufgezählten Dienstboten noch eine „Ausnehmerin“,
 die vorhergehende einundachtzigjährige
Besitzerin Josefa Schneider. Ihre Ausnahme besteht
in freier Wohnung und der Verpflegung. Das noch
auf dem Hause lastende Vermögen der Ausnehmerin
ist grundbücherlich sichergestellt.
Wenn ich nun auf das Haus dieser Gegend zu
sprechen komme, so betone ich vor Allem, dass hier
noch immer die geschlossene Hofanlage (fränkisches
Gehöfte) vorherrscht. Je weiter man jedoch von
Sebersdorf durch die Nörning und gegen Kaindorf
kommt. desto mehr verliert sich die für die Gegend

seinem Aeusseren zeigt, doch bewog mich besonders
ain Grund zur Besprechung gerade dieses Hauses,
der darin besteht, dass ich hiebei in der Lage bin,
das Haus vor Augen zu führen, wie es heute, nach
seiner im Jahre 1872 erfolgten Renovirung, dasteht
and wie es früher durch mehr denn hundert Jahre
zewesen ist. Das alte Aeussere des Hauses kann ich
im Bilde zwar nicht bieten, es mag sich aber, abzesehen
 von den jetzt grossen Fenstern, welche ehedem,
nach den Fenstern der älteren Häuser aus dieser Gegend
zu schliessen, etwa um die Hälfte kleiner gewesen sein
mögen, übrigens wenig von dem heutigen Aussehen
les Hauses unterschieden haben. Das Haus in der
\usgestaltung vorzuführen, wie es bis zum Jahre 1872
stand, vermag ich auf Grund eines vom Maurermeister
Jakob Sindler aus Gersdorf mit dem Datum vom
72. Februar 1867 versehenen „Bauplan. Nach welchem
Josef Schneider Grundbesitzer in der Gemeinde Hart!
Haus Nr. 23 eine Umenderung im Wohnhaus und
ainen neuen Zuhau zum Wirthschaftsgebäude nach
            
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