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zwar die denkbar günstigste, ist nicht immeı
ausschlaggebend. Vorausgesetzt, dass die Strasse
später entstanden als das Dorf, liegt es nahe, äus
dem Ungewöhnlichen in der Lage der Häuser, das
darin besteht, dass diese ihre Fronten dem Bache
zuwenden, darauf zu schliessen, dass die Häuser
deshalb ihre Fronten dem Bache zukehren, weil auch
hier, wie ich das Bd. XXV, S. 108, von Oberschützen
nachgewiesen, das Bachbett einst als Strasse für den
Wagenverkehr gedient haben dürfte. ‘)
Auch insoferne hat die Anlage des Dorfes Sebersdorf
Aehnlichkeit mit Oberschützen, als sich auch
hier dem Hausgrunde stets ein Streifen Landes anschliesst.
Der Theil dieses Complexes, welcher sich
der Hofstätte des Hauses Nr. 14 in Sebersdorf nach
Osten anschliesst und vor der Vorderfront des Hauses
gegen den Bach abfällt, ist ein Wiesengrund. Der
grössere Theil, der sich hinter dem Hause nach
Westen erstreckt, ist in der Nähe des Hauses als
Obstgarten benützt. Hier stehen zwei Wagenschuppen.
Weiterhin schliesst sich an den Obstgarten in gleicher
Breite Ackerland an, das ich zum grössten Theile
mit Hopfen bepflanzt sah, der hier nicht nur in
verhältnissmässig grosser Menge, sondern auch in
guter Qualität gebaut wird. Fast bei jedem Hause
findet man daher auch eine Hütte, die zum Trocknen
Jes Hopfens verwendet wird. Diese Hütte dient gewöhnlich
einem doppelten Zwecke. Die eigentliche
Hütte, der „Hopfenboden“, ruht auf Säulen. Eine
Stiege führt zum Boden empor. Der unter dem
Boden liegende, nach allen Seiten hin freie Raum
dient als „Holzschupfen“.
Hervorheben muss ich in Bezug auf die Lage
des Hauses auf der Parcelle noch, dass die nördliche
Grenze der Parcelle jetzt so weit vom Hause
abliegt, dass dort noch Raum bleibt für einen Fahrweg.
Man kann also das ganze Haus heute ungehindert
umfahren. Früher war dies nicht möglich,
da dieser Streifen erst vom jetzigen Besitzer dem
1) Für die a. a. 0. ausgesprochene und jetzt wiederholte
Annahme, dass die Bachbette besonders in lehmigen Gegenden
vor Zeiten häufig als Strassen für den Wagenverkehr gedient
haben mögen, fand ich übrigens in „Die Österreichischungarische
Monarchie in Wort und Bild“, im Bd, „Steier
mark“, den ich durchlas, als ich mich zur Excursion rüstete,
von der jetzt die Rede ist, eine Bestätigung. S. 64 heisst
es dort, wo von der Weizer Klamm gesprochen wird, dass
seit 1883 „eine vortreffliche, kunstvoll angelegte Strasse von
Passail durch die Klamm nach Weiz führe“, und vorstehend:
„Ehedem konnte man durch die Klamm nur in dem Bachbette
fahren“,
Mittheilungen d. Anthrop. Gesellsch. in Wien. Bd. XXVIIL. 1897.
Vachbarn abgekauft wurde. Ehedem fiel die Grenze,
wie mir der Bauer sagte, „mit dem Dachtropfen“
‘der Traufe) zusammen. Daraus ist zu folgern, dass
sowohl die Thüre, welche aus dem Pferdestall, als
ıuch die, welche aus der Laube in’s Freie führen,
n neuerer Zeit entstanden sein werden, Man ist
yeim Anlegen dieser Thüren, besonders der Lauben-»hüre,
jedenfalls dem Beispiele, welches das Bauernhaus
der westlicher gelegenen Gegenden bietet, gefolgt,
von dem weiter unten die Rede sein wird.
Die Parcelle, auf der das Haus liegt, eingerechnet,
ımfasst das Besitzthum, welches zum Hause gehört,
26 Katastraljoch, wovon 9 Joch Ackerland, 6 Joch
Wiesen und 11 Joch Wald sind. Der grösste Theil
Jieses Ausmaasses an Grund und Boden liegt in den
Fluren zerstreut. Man hat also hier im östlichsten
Theile der Mittelsteiermark, und zwar in den Thalsohlen,
wo man geschlossene Dörfer antrifft, die-‚elben
Verhältnisse im Hinblicke auf die Vertheilung
les Grundes, wie im angrenzenden westlichen Ungarn,
in der Heanzerei. In der bergigen Gegend jedoch,
lie ich von Schölbing bis nahe zu Wallersdorf durchzewandert,
treten, analog jener hügeligen Gegenden
Jjer Heanzerei, die von „Bergbauern“ bewohnt werden,
Jie Einzelhöfe auf. Um diese liegen die dazu ge-1örenden
Gründe zum grössten Theile arrondirt beisammen.
So ist’s auch im Westen von Sebersdorf,
jesonders in den höher gelegenen Theilen des Landes.
wie aus dem Nachstehenden hervorgehen wird.
Um die Besitzverhältnisse in Sebersdorf im Allzemeinen
zu skizziren, sei hier noch mitgetheilt,
Jass das Dorf Sebersdorf aus 119 Häusern besteht
and der Bann des Dorfes 1216 Katastraljoch um-*asst.
Es kommen somit im Durchschnitte auf jedes
Taus 10:2 Joch. Der begütertste Bauer aber nennt
10 Joch sein Eigen.
Die bäuerlichen Besitze sind hier im Durchschnitte
(10°2 Katastraljoch) also etwas kleiner als
in der Gegend von Oedenburg und Oberschützen
‘13 Joch; vgl. Bd. XXV, S. 101) und erreichen die
Ausdehnung der Bauerngüter in der Gegend von
Kirchschlag bei weitem nicht.
Der Bauer in Sebersdorf legt dem Ackerbau und
der Viehzucht gleiche Wichtigkeit bei. Der Viehstand
Jes Bauers Salmhofer besteht in 1 Paar Pferden,
L Paar Ochsen, 4 Kühen und 9 Schweinen. Auf den
Hopfenbau wird im Thale grosses Gewicht gelegt.
Sebersdorf allein baut jährlich etwa 30—35 q Hopfen.
Auf dem westlichen Gelände der Hügelkette, die
sich von Hartberg ab zwischen dem Safenthale und