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bildungen der Häuser, die ich aus der Gegend von
Kirchschlag beschrieben habe (siehe Fig. 120 und
122), zeigen ferner, dass die Dächer keine Abwalmungen
(Schopf) haben. Die Giebel sind dafür aber
allenthalben mit dem „Pferdekopf“ geziert.
Ob der Heanze sein Haus nun so deckt, dass
das Dach die Aehrenenden der Halme hervorkehrt,
und der Niederösterreicher in der Gegend von Kirchschlag
so, dass die Aussenfläche des Daches die
Wurzelenden der Strohhalme sehen lässt, so müssen
doch beide, um ihre Strohdächer in allen Theilen
wasserdicht zu erhalten, in gleicher Weise bedacht
sein, die höchste Stelle des Daches, den First, der bei
beiden Deckarten nicht ganz geschlossen werden kann.
separat einzudecken, ebenso wie bei einem Ziegeldache
der First durch die rinnenförmigen Firstziege]
besonders gedeckt werden muss, weil die flachen
Dachziegel, welche an der Firstkante von beiden
Seiten des Daches zusammenstossen, dort eine Spalte
affen lassen. Ich hebe dies im Besonderen hervor,
weil mir in Bezug auf die Herstellung des Firstes
bei Strohdächern in den Gegenden, die hier berührt
werden, wieder Unterschiede vorgekommen sind.
Wie der First in der Gegend von Oberschützen
gebildet wird, hat mir wieder der Landmann Tobias
Posch erklärt. Ist das Dach bis auf die Eindeckung
des Firstes fertig, so wird in der Nähe des Hauses
eine seichte Grube ausgehoben und in diese Lehm
gegeben, der, mit Wasser übergossen, zu einem dünnen
Brei gerührt wird. In diesen Brei legt man grosse
Strohschauben !) (in der Heanzerei: „Schapsträh“.
in der Gegend von Oedenburg: „Schälpas“ genannt),
wälzt sie tüchtig darin, so dass sie allmälig von dem
Lehmbrei ganz durchtränkt werden. Nun zieht man
die Schauben einzeln an einem Seile bis an den
First empor, löst oben das Strohband und biegt
dann die Strohbündel knieförmig über den First.
Zu beiden Seiten des Firstes werden sie mit
einem Brette an die Dachflächen angeschlagen. Der
Lehm hält nicht nur die einzelnen Halme der
Schaube fest zusammen, sondern er stellt auch
zwischen diesen und den Dachflächen eine so gute
Verbindung her, die jede weitere Befestigung der
1) Damit das Stroh dieser Schauben so wenig als möglich
verletzt werde, werden die Garben (so werden die Bünde]
genannt, so lange sie das Getreide noch enthalten) nicht gedroschen,
sondern es werden die Körner ausgeschlagen, indem
man das Aehrenende der Garbe in starkem Schwunge gegen
sinen Schragen schlägt. Man nennt diese Arbeit in der Hean:
zerei das ‚„Schmajss’n“
Firstschrauben überflüssig macht. Da die oberste
Lehmschichte bald vom Regen weggewaschen wird
ınd Vielen der beschriebene Vorgang unbekannt ist,
zann sich gar Mancher nicht erklären, wie es denn
möglich sei, dass schon bei ganz neuen Strohdächern
ınd auffallenderweise noch dazu an der höchsten
Stelle derselben sich ein Pflanzenwuchs entwickeln
kann, der wirklich unerklärlich wäre, wenn man
nicht wüsste, dass die Keime dazu mit dem Lehmteig
auf das Dach gekommen sind.
Soweit ich mich erinnere und nach den vor mir
jegenden Photographien jener Häuser zu schliessen.
lie ich oben Fig. 120 und 122 abgebildet habe,
scheint die Eindeckung des Firstes in der Gegend
von Kirchschlag auf dieselbe Weise zu geschehen,
wie in der Gegend von Oberschützen. Eine andere
Art der Versicherung des Firstes lernte ich gelegentich
des erwähnten Abstechers von Oberschützen
1ach Schmiedraith kennen. Ich spreche im vorstehenlen
Satze absichtlich von „Versicherung“ und nicht
7on „Eindeckung“ des Firstes, da ich mir über die
Hindeckung selbst nicht die volle Klarheit verschaffen
konnte. Es scheinen in Schmiedraith die
Firste in gleicher Weise wie in Oberschützen überleckt
zu werden, nur wird kein Lehm verwendet.
Da hier somit das bindende Mitte] fehlt, ist man
zenöthigt, eine eigene Versicherung des Firstes, von
ler ich sprechen will, anzubringen. Man legt in
Abständen von 40—50 cm zwei Stangen parallel
zum Firste, und zwar jederseits desselben so auf
lie Dachflächen, dass auch der Abstand der obersten
Stange vom Firste die Entfernung von 40—50 cm
nicht überschreitet. Diese Stangen werden nöthigen-‘alls
durch weitere Stangen verlängert. In gewissen
Abständen sind die Stangen durch Wieden am Dache
selbst befestigt. Um nun den First zu sichern, werden
2—3 cm lange Strohbündel, die durch mehrere Bänder
zusammengehalten werden, in Abständen von 1 bis
15cm hakenförmig über den First gelegt, stramm
über die Stangen gezogen und schliesslich mit
Wieden an diesen festgebunden. Es sei hier noch
bemerkt, dass ich in Schmiedraith die Häuser in
derselben Weise gedeckt fand, wie in der Gegend
von Kirchschlag. Während sich in Bernstein, das
doch bedeutend näher zu Kirchschlag liegt, die Deckart,
wie sie in Kirchschlag geübt wird, nicht mehr
indet, obwohl ich sie im ganzen Ungerbachthale,
das von Kirchschlag her gegen Bernstein aufsteigt,
bis in die Nähe von Bernstein beobachtete, tritt sie
in Schmiedraith wieder auf. Die Landesgrenze scheint