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Nachbar in der Heanzerei oder im Oedenburger
Comitat. Mein oft erwähnter heanzischer Gewährsmann,
Tobias Posch in Oberschützen, erkennt die
Meisterschaft in dieser Sache sogar unverholen den
„Prägnern“ zu. Ihr Dach halte, so sagte er mir,
wenn es gut hergestellt sei, 40 Jahre aus, während
ein heanzisches Strohdach nur etwa 15 Jahre in
gutem Zustande bleibe. Freilich, meinte er, habe
das heanzische Dach wieder den Vortheil, dass man
es „flicken“, d. h. stellenweise ausbessern könne,
was beim österreichischen Strohdache nicht möglich
zei; denn wenn dieses einmal anfange, stark schadhaft
zu werden, müsse man es ganz durch ein neues
ersetzen. Meine Frage, welches Dach er nun vorziehe,
beantwortete er mir so: „I’?, ’s prägnarische, wal
wänn ma‘ insar’s a‘ flick’n kauf, schaut’s äft tou‘ ällwal
aus wia r a Pettla‘g’wänt.“ „Und warum decken
Sie dann Ihr Haus nicht nach der Art der Niederösterreicher?“
fragte ich weiter. „Stei*) wiss’n insa
Sprichwäat jä eh’ a‘: „An älti G’wounhait unt an
aisani Pfäat z’raiss’'n gäa‘ häa‘t“; unt weinn ma
wäs naiks firapringa‘ wüll, äft töinka‘ t’ Lait glar”,
ma‘ wüll ta‘ G’schaitari saifi, äft plaip“ ma‘ liawa
pan Ält’n.“
Der Unterschied in der Art des Deckens besteht
nun in Folgendem: Man beginnt auch mit Stroh am
unteren Dachrande zu decken und schreitet dann
nach aufwärts gegen den First zu allmälig vor. Der
Heanze befestigt die unterste erste Lage der „Schabl“
so, dass die Aehrenenden der Halme nach aufwärts
zu liegen kommen. Diese Schauben müssen natürlich
auch am Aehrenende gebunden sein. In der Gegend
von Lockenhaus werden solche Schaäuben „Schopfschab’1“
genannt, da sie vornehmlich auch am
„Schopf“ (Abwalmung, Halbwalm), und zwar zum
Hervorbringen der Stufen Anwendung finden. In
Öberschützen heissen sie „Kitt’lschab’1“, wohl deshalb,
weil sie in der Form Aehnlichkeit haben mit
einem Frauenrocke, der „Kitt’l“ genannt wird. Die
Halme der „Schab’l“, welche auf die erste Schichte,
auf die Lage der „Schopf“- oder „Kitt’lschab’l“ zu
jegen kommen, sind nicht mehr am Aehrenende,
sondern am Wurzelende wie die Garben gebunden.
Durch eine einfache Manipulation, die mir Herr Tobias
Posch vordemonstrirte, wird das Strohbündel, das
ı) Sei = Sie; der Heanze gebraucht sonst in der Regel
das alte „Öis (Einka‘, Eink, Eink)“, wenn er jedoch mit Gebildeten
spricht, die sich des Hochdeutschen bedienen, bestrebt
er sich, selbst auch ein besseres Deutsch zu sprechen,
daher das Sei. statt dem ma. Öis.
‚o dick ist, dass man es dort, wo es gebunden ist,
snapp mit beiden Händen umfassen kann, in eine
Doppelschaube verwandelt. Dies geschieht folgenderweise:
Man denke sich durch die Kreisfläche, welche
Jas Strohband einschliesst, einen Durchmesser gezogen.
Senkrecht zu diesem Durchmesser wird nun
lie obere Hälfte der Schaube, an der sich die Aehrenınden
befinden, in zwei gleiche Theile geschieden.
Jen Durchmesser denke man sich jetzt als Achse,
Im diese Achse wird nun die eine Hälfte der
Schaube rundherum gedreht, bis sie wieder in ihre
ırsprüngliche Lage kommt. Das Strohband, welches
rordem das ganze Bündel in Form eines Kreises
ımschloss, umfasst jetzt die beiden Theile des Doppel-‚ündels
in Gestalt einer Acht (8). Da es begreiflicherweise
schwer wäre, einfache Schauben in Doppelschauben
frei in der Hand umzugestalten, findet
man fast überall in der Holzwand der Tenne, woselbst
die Schauben gemacht werden, ein gebohrtes
Loch, in das ein armstarker runder Stab gesteckt
wird. Die Schaube wird jetzt mit den Händen in zwei
Jälften geschieden und dann wie ein Reiter auf den
Stab gesetzt. Auf dem Stabe reitend, gewinnt sie so
viel Halt, dass die eine Hälfte um die bewusste
Achse gedreht werden kann, während die andere
Hälfte durch den Arbeitenden mit seinen Beinen
äingeklemmt festgehalten wird. Die „Schopfschab’l“
werden, wie oben gesagt, so an den Latten befestigt,
Jass die Aehrenenden in der Dachschräge nach aufwärts
liegen, die Doppelschauben dagegen bindet
nan derart an, dass die Aehrenenden nach abwärts
gerichtet sind. Das Strohband, mittelst welchem
man jede neue Schaube an die Latte bindet, wird
stets von der zunächst vorherliegenden Schaube ge-1ommen.
Solchergestalt sind die Schauben nicht
ıllein an der Latte befestigt, sondern auch unter
sich verbunden. Der in die Augen fallende Unter-‚schied
zwischen den heanzischen und den nieder-5sterreichischen
Strohdächern besteht nun darin,
Jass, während beim heanzischen Strohdache nur die
Schopfschab’1“, die Wurzelenden der Halme, alle
ınderen Schauben aber die Aehrenenden hervorzehren,
beim niederösterreichischen Strohdache alle
Halme so befestigt sind, dass die Wurzelenden sichtbar
sind. Ein neues Strohdach, nach der Art der Niederssterreicher
in der Gegend von Kirchschlag gedeckt,
sietet einen sehr schönen Anblick, und das glänzende
Gelb der Halme, in das sich die dunklen Punkte
Jer Halmöffnungen mengen, geben dem Dache ein
Anssaehen als oh es aus Sammt wäre, Die Ab-SE