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Full Text : Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft in Wien, N.F. 17=27.1897

— 137 —

bilden, gehört und ausserdem noch ein „Stieb’l“
(ein kleines Häuschen mit nur einem Stübel und
der dazugehörenden Küche), das in unmittelbareı
Nähe des Hofes liegt. Solche „Stübel“ findet man
fast bei jedem Hofe in der Gegend um Kirchschlag.
Auf diese Stübel ziehen sich in der Regel die „Ausnehmer“
 zurück. Sind sie durch Ausnehmer nicht
besetzt, so werden sie vermiethet, wie dies hier sowohl
 mit dem Stübel, als auch mit dem Kleinhause
der Fall war.
Die Institution der „Ausnahme“*) ist in der
Gegend von Kirchschlag sehr im Schwunge. Es
setzen sich oft Leute zur Ruhe, die noch recht
tüchtig arbeiten könnten. Und die Bedingungen, die
sich an die Ausnahme knüpfen, sind oft so drückend
für die Jungen Leute, dass sie, wie ich mir sagen
liess, nicht selten an dem Niedergange der Wirthschaft
 Schuld tragen. Dabei halten die Alten abeı
streng an der Ausfolgung der ihnen grundbücherlich
sichergestellten Ausnahme fest. Auch die Uebergabe
des Gutes vom Vater an den Sohn ist eine streng
geschäftliche Sache. Die Geschwister des übernehmenden
 Sohnes finden dabei wohl eine Sicherstellung
 ihres Antheiles am Vermögen, aber dass
dabei die Heirat zum Geschäfte wird, ist leider zu
beklagen. Der jünge Bauer muss eben trachten.
eine reiche Gefährtin zu erhalten, um seinerzeit
seine Geschwister „hinausbezahlen“ zu können.
In Bezug auf das Bild Fig. 122, das den Stöff’l-Jäck’l-Hof
 abbildet, will ich zum Schlusse nur noch
erwähnen, dass es auch die Art des in der Gegend
von Kirchschlag üblichen Zaunes ersehen lässt.
Der Stäff’1-Jäck’l-Hof selbst mag als Typus für
Jen grösseren Bauernhof der Gegend angesehen
werden. Das Wohnhaus, der eigentliche Hof selbst
zrösserer Bauern mit noch ausgedehnterem Besitze,
ist in der Regel nicht grösser als das des Stöff’l-Jäck’l.
 Da sich nun die Erzeugnisse der Landwirthschaft
 grösserer Besitze in den mit dem Wohnhause
zum geschlossenen Hof verbundenen Wirthschaftsräumen
 nicht alle unterbringen lassen, so hilft sich
der Bauer damit, dass er um das Haus herum für
Erdfrüchte. (Kartoffeln, Rüben etc.) einen eigenen
Keller, für das Getreide einen „Träadkäst’n“, für
Heu und Stroh einen oder mehrere Städel errichtet.
Um den Hof des Bauern Franz Liebentritt vulgo
Pankertbauer in Aigen sah ich sieben oder acht
solcher Gebäude, darunter einzelne mit ganz respec-1
 In Aigen sagt man nicht „die Ausnahme“, sondern
‚der Ausnahm“.
Mittheilungen d. Anthrop. Gesellesch. in Wien. Bd. XXYII. 1897.

ablen Ausmaassen, stehen. Der Hof des begüterten
Zauern hatte das Aussehen eines kleinen Dörfleins.
— Zum Schlusse sei aus dieser Gegend noch ein
Taus besprochen. Es ist dies ein neuerer Bau aus
len Dreissiger-Jahren, dessen Grundriss bei geringen
\bweichungen dem der alten typischen Bauernhöfe
‚leicht, dessen Aeusseres jedoch von dem jener abweicht.
 . Wir haben in Hinsicht auf diesen neueren
Jof im Vergleiche zu seinen alten Nachbarn genau
lasselbe Verhältniss vor uns, in dem das Haus
Nr. 113 in Oberschützen, welches ich Bd. XXYV,
3. 109, abbildete und beschrieb, zu den dort beıchriebenen
 älteren Häusern aus Oberschützen steht.
3owohl das Haus Nr. 113 in Oberschützen, als auch
ler Freiler-Hof, den ich jetzt kurz beschreiben will,
sind Vierkante, geschlossene (fränkische) Gehöfte mit
modernerem Aeusseren.
Der Freiler-Hof, der Besitzthum der Frau Erny
2opp geb. Eltz ist, hat seinen Namen von dem
’rüheren Besitzer, der Freiler hiess, erhalten. Es
scheint in der Gegend von Kirchschlag häufig der
Fall zu sein, dass die Namen ehemaliger Besitzer
zum Namen des Hauses, zum Hausnamen geworden
sind. So mag dies mit den Hausnamen der Höfe
‚Bleyer“, dessen Besitzer Reithofer, „Stocker“, dessen
3Zesitzer Pichler, und St&ff’l-Jäck’l, dessen Besitzer
3auer heisst, sein. Anders verhält es sich mit den
JTausnamen Läcka‘ bauer und Felberbauer. Die Häuser,
welche diese Namen tragen, verdanken sie jedenfalls
;:harakteristischen Erscheinungen aus ihrer unmittelyaren
 Umgebung. In der Nähe des einen Hauses
wird eine „Läcka‘“ (Lache) gewesen sein, und den
anderen Hof werden „Felber“ (Weiden), denen der
Hof den Namen „ Felberbauer-Hof“ zu danken haben
wird, umgeben haben. Die Namen Pankertbauer und
Dankertbauer-Hof erklären sich von selbst. Charakte--istisch
 für die Gegend ist es, dass die Namen
"ortbestehen, wenn auch die Besitzer wechseln. Man
hat es hier also mit wirklichen Hausnamen zu thun,
Der Freiler-Hof, dessen Ansicht und Grundriss
ch Fig. 125 und 126 bringe, ist einer der grössten
Höfe der Gegend. Er nimmt etwas über 100 m?
nehr Raum ein, als der Stöff’l-Jäck’l-Hof. Alle Tracte
lieses Gebäudes bestehen aus Mauerwerk, nur die
»eiden Hütten an der Südseite des Hofes, welche
ibrigens neuere Zubauten sind, sind aus Holz
Bretter) errichtet. Der Wohntract zeigt drei Zimmer.
Zwischen der zweiten und dritten Stube sind das
Vorhaus und die Küche in ortsüblicher Weise ein-‚eschlossen.
 Das erste Zimmer liegt vom zweiten
            
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