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An der unteren Fläche des Balkens sah ich eine
Rosette, ähnlich der, die ich in Bd. XXV, S. 133,
Fig. 205, aus Oberschützen abgebildet habe. Die Holzwände
der Stube sind innen weder bestrichen noch
geweisst. Die Fenster bewegen sich an Charnieren
nach innen. Trotzdem die Wand verhältnissmässig
dünn ist, sieht man keine Doppelfenster.,
Feststehende Ausstattungsstücke fand ich in der
Stube nur drei: den Kachelofen KO, den Backofen
BO, an den der Kachelofen angebaut ist, und
die stabile Bank, die in der südwestlichen Ecke der
Stube an den beiden dort zusammenstossenden
Wänden befestigt ist und den Tisch 7' von zwei
Seiten umgibt. Der Tisch ist dem im heanzischen
Hause vorkommenden, den ich in Bd. XXV, S. 139 ff.
beschrieb und ebendort Fig. 219 abbildete, gleich,
Bei B,, B, und B, stehen die Betten. Ausserdem
stehen in dieser Stube noch ein Kleiderkasten K,
3in Küchenkasten K. K. und eine Truhe Zr.
Ofen und Backofen sind in diesem Hause genau
so eingerichtet, wie in dem Hause, das ich als
nächstfolgendes beschreiben werde. Dort gedenke
ich auf deren Besprechung einzugehen, weil ich in
jenem Hause Ofen und Backofen skizzirt habe.
In der Küche des in Rede stehenden Hauses
stehen ein offener Herd H und ein eingemauerter
Kessel Ke. Ueber der Oberfläche des Herdes führen
zwei Heizlöcher durch die Mauer zu den beiden
Oefen in der Wohnstube.
Die „hintere Stube“ ist nicht heizbar. Ihre Einrichtung
ist sehr dürftig und besteht nur aus drei
Betten B,, Bo und B, und einer Truhe 7r,. Die
mangelhafte Ausstattung erklärt sich dadurch, dass
die Stube ihren Zweck nur dann vollkommen erfüllt.
wenn sich „Ausnehmer“ im Hause befinden, Ihnen
dient sie dann als Wohnung, Jetzt schlafen die erwachsenen
Töchter des Bauern dort. Der Bauer Anton
Reithofer vulgo Bleyer, seine Frau, Apollonia, geb.
Zöger aus Lembach und die beiden jüngsten Kinder
schlafen in der grossen Wohnstube. Der erwachsene
Sohn schläft, wenn er jetzt nicht etwa beim Militär
ist, im Stalle.
Dienstboten hält sich der Bauer nicht, da er
seinen Hof mit Hilfe seiner Kinder leicht selbst bewirthschaften
kann.
In Bezug auf die Anlage des ganzen Hofes ist
zu erwähnen, dass hier, wie der Plan zeigt, dem
Einfahrtsthore gegenüber ein eigenes Ausfahrtsthor
liegt. In den meisten Fällen ist sonst die Ausfahrt
n Höfen dieser Gegend nur durch die Tenne mögich.
Hervorgehoben muss noch werden, dass auch
hier wie in den heanzischen Bauernhöfen im Hofe
ın zwei Tracten Gangsteige („Gräd’n“)!) entlang
'aufen. Aus dem Plane ist schliesslich zu ersehen,
Jass die Streuhütte und die Wagenhütte gegen den
Nof zu offen sind. Die Lage der einzelnen Wirthschaftsräume
im Hofe ist durch die Einzeichnungen
im Plane erklärt.
Die Ställe beherbergen 6 Ochsen, 4 Kühe, 8 Schafe
and 4 Schweine.
In Hinsicht auf das Aeussere des Hauses mag
ıoch gesagt werden, dass sich an den Giebeln keine
\bwalmungen, dafür aber, wie aus der Ansicht des
Tauses (Fig. 120) zu ersehen, die oben bereits be-‚prochene
Giebelverzierung (Pferdekopf) befindet.
\usserdem ersieht man, dass am Giebel des Tractes,
Jer unten die Zeugkammer und oben den „Schüttboden“
(Getreidespeicher) enthält, ein Balcon angebracht
ist. Ein solcher Balcon befindet sich auch
an der Stirnseite des Wohnhauses. Ein Träger (Console)
desselben ist im Bilde noch sichtbar. Unter
Jiesem Balcone stehen unterhalb der Stubenfenster
zuf dem Mauervorsprunge eine Reihe von Bienenstöcken.
Die Stöcke sind Strohkörbe von der Form
aäines Fasses. Die Bienenzucht wird hier eifrig, aber
nicht rationell betrieben. Unter dem Balcone, der
vor dem Schüttboden liegt und zu dem von aussen
eine Stiege emporführt, steht die Mostpresse.
Ich gehe nun auf die Besprechung eines zweiten
Hofes aus dieser Gegend über. Es ist das Haus des
Johann Bauer vulgo Stöff’l-Jäck’l.
Schon die Ausmaasse, die dem Plane des vorbeschriebenen
Hauses zu Grunde liegen, bestätigen
neine Behauptung, dass das Bauernhaus in der
Segend von Kirchschlag jenes aus der Heanzerei
ın Grösse und Behäbigkeit überragt. Während nämich
in der Heanzerei die Wohnstube an Länge und
Breite höchstens 5 und 4 m erreicht, ist die Wohntube
des Hauses Nr. 30 in Aigen schon 7 m lang
and 3 m breit. Diesem Verhältnisse entsprechen
nach Länge und Breite auch die Ausmaasse der Höfe
hier und dort.
1) In meiner Arbeit, Bd. XXV, sprach ich in der Anm, 1,
3, 93, die Vermuthung aus, dass „Gräd’n“ mit dem Worte
gerade“ in Zusammenhang gebracht werden dürfte. Herrn
Drof, Dr. R. Hussıne verdanke ich die gütige Aufklärung,
Jass „Gräd’n“ = bair. Gred „breite gepflasterte Stufe vor
lem Hause“ (ScumenLer, I, 986). d.h. mhd. erede == „Stufe,
Treppe“ bedeute,