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Full Text : Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft in Wien, N.F. 17=27.1897

132 —

die Beschreibung werden trachten, das Fehlende zu
ersetzen. Wie schon gesagt, ist die Wohnstube des
Hauses aus Holz erbaut. Aus Holz sind ferner alle
Theile des Hauses mit Ausnahme des Vorhauses,
der Küche, der hinteren Stube, des Kellers und der
Kammer, die sich in gerader Linie der grossen Wohnatube
 anschliessen und aus Stein erbaut sind. Der
Holzbau ist jedoch nicht überall in gleicher Weise
durchgeführt. Während nämlich die Ställe, Stadel
und Hütten roher Blockbau sind, zeigen die grosse
Wohnstube und jene Theile des Hofes, welche im
Plane mit Zeugkammer und Schafstall bezeichnet
sind, sorgfältigere Arbeit. Die Holzbalken sind da
an allen vier Seiten schön glatt behauen und an
ihren Enden in einfacher. aber genauer (Schwalbenal

 Ocbsenstoll

Bawstadel

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Strohstadel
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A]

Fig. 121. Plan zum Hause Nr. 30 aus Aigen (1 : 480)

schwanz-) Verzinkung zusammengefügt. Vorstehende
Balkenköpfe sind hiebei natürlich nicht zu sehen.
Aus dem Plane geht hervor, dass die Giebelwand
des Hauses drei Fenster hat. Bei all’ den Häusern,
die ich bıs dahin in der Gegend von Oedenburg und
in der Heanzerei aufgenommen habe, deuteten, bei
alleiniger Ausnahme des oben Fig. 113 abgebildeten
Hauses aus Schmiedraith, drei Fenster in der Giebelwand
 stets auf zwei nebeneinanderliegende Stuben
hin. Auf eine dieser Stuben kamen dann von den
drei Fenstern zwei und das dritte auf die andere.
Hier war es nun wieder so, wie beim Hause aus
Schmiedraith; alle drei Fenster gehörten immer deı
grossen Wohnstube an, die die ganze Breite deı
Giebelwand einnimmt. Aus der Ansicht des Hauses
geht hervor, dass auch in der Aussenwand der Stube
zwei Fenster sich befinden. Und der Plan zeigt, dass

zudem zwei weitere Fenster auf den Hof gerichtet
sind. Die Stube wird somit durch sieben Fenster be-‚euchtet,
 Die vier zuletzt erwähnten davon sind in
zwei sich gegenüberliegenden Wänden angebracht.
Die Fenster selbst sind nahezu quadratisch und
xlein, so dass der Raum trotz der ansehnlichen Anzahl
 der Fenster nicht allzu hell beleuchtet ist. Die
zrosse Stube ruht auf einem Unterbau aus Stein.
Dieser Unterbau schliesst einen Keller ein. Der Steinjau
 erreicht aussen dort, wo im Inneren der Stube
ler Backofen an die Wand stösst, in der Holzwand
lie Höhe, die in der Stube der Backofen einnimmt.
Weiter nach rückwärts steigt der Steinbau noch
höher empor. Er verdrängt die Holzwand gänzlich.
Von dort, wo er bis unter den Dachrand emporreicht,
beginnt im Inneren des Hauses der Feuerraum, die
Küche, Sie ist von allen vier Seiten von gemauerten
Wänden umgeben und mit einem Gewölbe gedeckt,
gewährt daher die grösstmögliche Sicherheit vor
Feuersgefahr, die in der Küche doch am leichtesten
entstehen kann. Von der Küche ist ein schmales
Vorhaus abgetrennt. Dasselbe erhält Licht durch ein
Fensterchen vom Hof aus. Die Küche selbst hat
auch ein Fenster, das nicht etwa in das Vorhaus,
sondern in’s Freie sieht. Da die Küche nicht vom
Vorhause aus beleuchtet wird, ist sie auch nicht
.n heanzischer Manier durch einen offenen Bogen
‘vgl. Bd. XXIV, S. 118) mit diesem verbunden,
sondern durch eine Mauer, in der sich eine Thüre
jefindet, vom Vorhause abgetrennt. Hervorzuheben
‚st noch, dass aus der Küche eine zweite Thüre,
lie der ersten gegenüber liegt, in’s Freie führt. Die
\bleitung des Rauches aus der Küche geschieht
lurch einen Schornstein, An Küche und Vorhaus
chliesst sich eine zweite Stube an. Sie wird durch
»ine Thüre vom Vorhause aus betreten. Auch diese
Stube wird durch Fenster, die in sich gegenüberijegenden
 Wänden angebracht sind, beleuchtet. In
ler dem Hofe zugekehrten Wand sind zwei Fenster
angebracht, in der gegenüberliegenden Wand ist nur
sin Fenster. Dies sind die Wohnräume des Hauses.
%s soll nun etwas näher auf ihre Ausstattung einyegangen
 werden,
Die Wohnstube hat einen Bretterboden. Die Lehm-»öden
 scheinen in dieser Gegend nicht vorzukommen ;
ch habe nämlich in keinem der Häuser, die ich
yesuchte, einen gefunden. Die Decke ist eine Tramlecke,
 die durch einen starken Durchzugbalken geragen
 wird. Auf dem Durchzugbaum befindet sich die
’ereits oben verzeichnete Jahreszahl eingeschnitten.
            
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