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Full Text : Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft in Wien, N.F. 17=27.1897

— 131 —

Mein väterlicher Freund, Herr Franz Porr senior,
am. Postmeister in Lockenhaus, hat mich bereits
zelegentlich meines Osterausfluges nach Lockenhaus
(1895) auf diesen grossen Unterschied aufmerksam
yemacht und mich angeregt, die Gegend von Kirchschlag
 zu besuchen. Frau Lupwıe Porr, geb. Erny
Entz, die Schwiegertochter des Herrn Franz Porr,
besitzt in unmittelbarer Nähe von Kirchschlag selbst
ein Gut, das vor Jahren aus der Vereinigung
zweier grösserer Bauerngüter entstanden ist und in
Jer Gemarkung der Gemeinde Aigen liegt, die sich
nordwestlich von Kirchschlag ausdehnt. Herr Franz
Porr hält sich den Sommer hindurch gerne auf
diesem Gute auf. Seiner Güte habe ich es nun nicht
nur zu danken, während der Zeit meines Aufenthaltes

[0 Kleinhäusern besteht. Der aus den aufgezählten
Irtschaften bestehenden Gemeinde Aigen steht ein
Irtsvorstand (Bürgermeister) vor. Das Ausmaass der
sanzen Gemeinde beträgt 2284 Quadratkilometer.
\uf diesem Complexe hügeligen Terrains mit tief einıchneidenden
 Thälern (Gräben) liegen somit 69 Bauernıöfe
 und 40 Kleinhäuser. Jeder Hof liegt inmitten
les arrondirten Grundes, der zum Hofe gehört. Die
Durchschnittszahl an Hektaren, die auf einen der
39 Höfe entfallen, beträgt somit rund 30. Der
wirkliche Besitz des Einzelnen weicht jedoch stark,
zowohl nach aufwärts als auch nach abwärts, vom
Mittel ab. Das grösste Bauerngut in Aigen, abgesehen
von dem aus zwei Gütern vereinigten Besitzthume
der Frau Erwy Popp. umfasst ein Ausmaass von

Fig. 120. Haus Nr. 830 in Aigen bei Kirchschlag.

Jortselbst sein Gast gewesen, sondern auch eingeweiht
worden zu sein in all’ die mich interessirenden Verhältnisse
 jener Gegend. Von dem, was ich hier aus
der Gegend von Kirchschlag mitzutheilen vermag,
verdanke ich also den grössten Theil den freundlichen
 Aufklärungen des Herrn Popp. Werthvolle
authentische Daten aus dem Grundbuchsamte in
Kirchschlag verschaffte mir die Zuvorkommenheit
meines ehemaligen Schulgenossen, meines langjährigen
 Freundes Kart Fızcx, der bereits durch
Jahre Bediensteter am k. k. Bezirksgerichte in
Kirchschlag ist.
Aigen, das Feld meines Studiums in der Gegend
von Kirchschlag, bildet eine Gemeinde, die aus den
Ortschaften Strass mit 6 Häusern, Gehring mit
Kirche, Schule, Gasthaus und 2 ‘Bauernhäusern,
Löbenhausen mit 3 Bauernhäusern, Thomasdorf mit
z Banernhänsern und Aigen mit 53 Höfen und

144 Joch — 81:7 ha und ist Eigenthum des Herrn
Georg Gremmel vulgo Lockabauer.
Ich gehe nun auf die Beschreibung der Bauern-1äuser
 aus dieser Gegend über und wähle als erstes
aäines der kleinsten unter den dortigen Bauernhöfen,
Jen Hof Nr. 30 in Aigen. Ich gebe das Ausmaass
Jes Grundes, der dazu gehört, hier an; es beträgt
36 ha 15 ar 51 m*. Das Haus ist eines der ältesten
ler Gegend, denn jener Theil des Wohnhauses, der
lie grosse Wohnstube einschliesst, ist noch aus
Holz. Die Jahreszahl, welche ich im Durchzugbaume
les Wohnzimmers eingeschnitten fand, verweist auf
Jas Jahr 1745 als auf das Jahr der Erbauung.
Fig. 120 bietet das Bild dieses Hauses. Es ist
'eider kein völlkommenes. Die Terrainverhältnisse
ırlaubten mir nicht, mehr auf die photographische
Platte zu bringen, als ich hier im Bilde wiedergebe.
Yer Plan jedoch. den ich unter Fig. 121 bringe, und
            
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