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Full Text : Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft in Wien, N.F. 17=27.1897

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hältnissen begründet. Bruchsteine, die sich zum
Baue von Häusern eignen, sind in vielen Theilen
der Heanzerei so rar, dass sie, weil sie zugeführt
werden müssen, ein so kostspieliges Material bilden,
dass man höchstens, um ‚dem Hause eine sichere
Basis zu geben, sie zur Aufführung der Grundmauern
verwendet, um den Bau nicht allzusehr zu vertheuern.
Lehm aber gibt es in der Heanzerei in Hülle und
Fülle und zum Zwecke des Ziegelschlagens in ausgezeichneter
 Qualität, Fast jeder Bauer kann in seinem
 Besitzthume ein Stück Land finden, das er in
eine Lehmgrube zu verwandeln vermag. Dieser günstige
Umstand wird nun, wenn sich ein Bauer zum Bauen
genöthigt sieht, auch ausgenützt. Er schlägt sich
oder, besser gesagt, er lässt sich die Ziegel selbst
schlagen. Dazu dingt er sich ein paar Ziegelschläger
oder Zigeuner, von denen viele Dörfer der Heanzerei
grössere oder kleinere Colonien besitzen, weist ihnen
einen passenden Grund. aus dem der nöthige Lehm

Fig, 118. Ziegelofen aus Willersdorf.

gehoben werden soll, an und die Arbeit des Ziegelschlagens
 beginnt. Ist die erwünschte Anzahl von
Ziegeln beisammen, so werden sie in nahe beisammenliegende
 Stösse zum Austrocknen aufgeschichtet und
durch ein Pultdach aus Stroh vor Regen geschützt.
Ställe, Kammern und Schuppen werden oft nur aus
Ziegeln, die nicht gebrannt, sondern nur gut getrocknet
 sind, aufgebaut. Zum Baue von Wohn
räumen werden in der Regel gebrannte Ziegel verwendet.
 Auch das Brennen der Ziegel besorgt sich
der Bauer in vielen Fällen selbst. Es wird zu diesem
Zwecke kein eigener, stabiler Ziegelofen aufgeführt,
auch wird zum Brennen der Ziegel nicht der Ziegelofen
 verwendet, den man, wie dies bei fast allen
grösseren Dörfern der Fall ist, im Orte hat und der
häufig Eigenthum der Gemeinde ist, sondern es wird
zleich aus den zu brennenden Ziegeln ein eigenartig
gebauter Ofen aufgeführt. Fig. 118 gibt das Bild
eines solchen Ofens, den ich in Willersdorf, zwischen
Oberschützen und Schmiedraith gelegen, zeichnete.
Wie das Bild zeigt. werden die Ziegel so zu einem

orismatischen Ofen geschichtet, dass im Inneren desjelben
 röhrenförmige Hohlräume freibleiben, die den
fen seiner Länge nach parallel bis nahe an die
rückwärtige Wand durchziehen. Der abgebildete Ofen
zeigt zwei „Röhren“, „Es werden aber auch Oefen mit
vier und fünf Röhren angelegt. Die Zahl der Röhren
ist abhängig von der Menge der Ziegel. Man rechnet
ıuf eine Röhre 10.000 Ziegel. Ein Ofen mit zwei
öhren, wie der abgebildete, besteht demnach aus
20.000, ein solcher mit fünf Röhren aus 50.000 Ziezeln.“
 (Joh. Kirnbauer in Schmiedraith.)
Die Röhren bilden die Feuerstellen. Geheizt wird
nit Baumstämmen bis .zu 2 cm Durchmesser ununter-»rochen
 durch drei Tage und drei Nächte. Ist der
Jfen ausgekühlt, so können die Ziegel in Verwendung
zenommen werden, Oft brennt der Bauer seine Ziegel
'm Spätherbste, wenn er gut Zeit dazu hat, und
ler Bau, wozu er die Ziegel braucht, wird dann im
Frühlinge begonnen. Für die dazwischen liegende
Zeit wird über den Ofen ein Dach geschlagen, damit
Regen und Schnee nicht nachtheilig auf die Ziegel
ainwirken können.
Bd. XXV, 5.111, berührte ich mit wenigen Worten
uch die Tracht aus der Gegend von Öberschützen,
wie sie heute üblich ist. Gelegentlich meines zweiten
\ufenthaltes in Oberschützen bemühte ich mich,
Näheres über die ältere Tracht zu erfahren, und es
ist mir gelungen, einige interessante Aufschlüsse
Jlarüber zu erhalten, die ich zum grössten Theile
ler schon im Bd. XXV zu wiederholten Malen erwähnten
 Familie des gediegenen Landmannes Tobias
Posch verdanke.
Eigenartig war besonders auch das Frauenhemd,
wie es früher, vor etwa 30 Jahren, noch getragen
wurde. Es bestand nicht, wie das heutige Hemd, aus
nem Ganzen, das am Halse geschlossen wird und
»is unter die Kniee reicht, sondern aus zwei Theilen,
nem Unter- und Oberhemd. Das Unterhemd hatte
lie Form eines Frauenrockes, bestand gewöhnlich
zus gröberem Gewebe, reichte vom halben Waden
his in die Lende und schloss mit einer breiten Binde
ab, an der zwei Träger, die auf den Schultern hingen,
jefestigt waren. Den Oberleib bekleidete das jackenörmige
 Oberhemd. Das für gewöhnlich getragene
)berhemd war ebenfalls aus grober Leinwand ge-'ertigt
 und hatte enganliegende, fast bis zum Ell-»ogen
 reichende Aermel. Oberhemdchen, die an
Sonntagen getragen wurden, waren aus feiner Leinwand
 gefertigt, hatten weite, lange Aermel, die
\berhalb des Ellbogens gebunden wurden, so dass
            
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